„Notfalls mit Fingerschnurrbart“ – Interview zu Berlins Oster-Party Unshaved

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Berlin wird über das lange Ostern-Wochenende traditionell zur Hauptstadt der Fetisch-Liebhaber und/oder zugleich zur Höhle der Bären wie deren Liebhaber. Neuer Programmpunkt: die Unshaved-Party. Mit-Organisator Ingo im S.i.e.g.T.-Interview über das Verhältnis der Unshaved zur BearDance und wie man mit haarigen Partys Gutes tun kann: sich und anderen …

In Berlin gibt es zu Ostern schon länger, am Karfreitag, die BearDance-Party. Die Unshaved, die letztes Jahr im Oktober erstmals startete, kommt mit einer „Easter Edition“ am Ostersonntag dazu. Reicht eine Party nicht?

Ingo: Unsere Party ist keine Konkurrenz zu BearDance. Im Gegenteil. Wir pflegen freundschaftlichen Kontakt und es gibt sogar Überschneidungen bei den Organisatoren. Berlin ist ja so groß, dass es mehr als eine Party verkraftet und die Leute das ganze Osterwochenende feiern können, wenn sie wollen. Vom jungen Hipster und Bartliebhaber bis hin zum reifen Bären wird es wieder ein bunter Haufen werden. Je bunter, desto besser.

Wer und welche Idee stehen hinter der Party?

Die Party haben wir zu dritt (Lars, Christoph und ich) gegründet, da es uns an Veranstaltungen fehlt, bei denen man auch mit neuen Leuten in Kontakt kommt. Insbesondere die Leute, die in einer Gemeinschaft von alten Freunden und neuen Bekannten feiern wollen, sind bei uns richtig. Wir gehen auch umher, sprechen Leute an und versuchen die, die es mögen, untereinander in Kontakt zu bringen.

Oje – Flaschendrehen???

Ingo: Lach, nein, Flaschendrehen sicherlich nicht. Aber jeder, der möchte, bekommt am Eingang ein Namensschild und eine kleine Willkommensüberraschung. Der Empfangsraum ist gleichzeitig auch die Raucherlounge und der Ort, wo sich bei unserer ersten Party viele Leute kennengelernt haben. In der Halle wird getanzt und gefeiert und vorne kann man dann Kontakte knüpfen.

Was zum Ort der Party führt, dem St. Georg in der Ritterstraße …

… ein toller Club mit Berliner Atmosphäre. Genug Platz zum Tanzen und genau die richtige Größe um Stimmung aufzubauen und sich wohl zu fühlen. Wenn man jemanden sieht, der einem gefällt, dann läuft er einem sehr oft über den Weg. Und wenn man sich nicht traut, ihn anzusprechen, dann spielen wir gerne Vermittler.

Und der Name Unshaved ist Programm?

Ingo: Unshaved als Name kommt von dem Wunsch, die Zielgruppe von Männern, die Bärte und/oder Haare und das Natürliche mögen, anzusprechen. Unshaved richtet sich eben nicht nur an Bären, sondern an alle, die es unrasiert mögen.

 … was mich total betroffen macht, weil ihr Menschen ohne Bart ausgrenzen wollt! Gibt es denn wenigstens an der Abendkasse falsche Bärte zum Ankleben oder vermittelt ihr im Vorfeld Termine in der Schönheitsklinik zur Gesichtshaartransplantation?

Ingo: Ich find ja ehrliche Ausgrenzung besser als geheuchelte Toleranz, daher kurze Antwort: Nein (mit einem Augenzwinkern)! Das Motto grenzt nur Leute aus, die Bärte und Behaarung nicht gerne sehen. Der Rest wird sich bei uns wohlfühlen. Bart oder Haare sind natürlich keine Pflicht. Aber ein „Igitt, der ist ja behaart“ wollen wir an dem Abend nicht hören. Und der bartlose Mann geht an der Kasse auch mit einem Fingerschnurrbart durch …

Ingo-Unshaved

Versprochen werden Pop, Disco, Dance und Club Classics aus den 80ern bis heute. Werden die „echten“ Versionen gespielt oder die aufgemotzen Covers? Männer in meinem Alter finden „Because the Night“ von Patti Smith toll, weniger die Version von Cascada …

Ingo: Natürlich gibt es Originalversionen. Aber nicht nur. Mir hat letzte Woche ein junger Mann sein Leid geklagt, dass auf Partys „nur Oldies“ gespielt werden und nichts Aktuelles. Ich glaube daran, dass „jung“ und „im besten Alter“ zusammen feiern können. Und dass soll sich auch in unserer Musik wiederspiegeln. Da wir als Organisatoren alle auch sehr unterschiedliche Musik mögen, wird sich das auch auf der Party wiederfinden. Aber alles tanzbar. Es gibt vier verschiedene DJs, da ist für jeden was dabei. Wer jung im Kopf ist, wird richtig Spaß haben.

Unshaved möchte aber etwas mehr als „nur“ Party sein, statt Eintritt möchtet ihr eine Spende …

Ingo: Wir organisieren die Party ehrenamtlich und mit den Einnahmen unterstützen wir soziale Projekte. Aktuell fördern wir Workshops des Präventionsprojektes „Frag doch“, das Aufklärung an Moabiter Schulen betreibt. Bei wachsendem Erfolg ist eine größere Unterstützung von sozialen Projekten angedacht. Insbesondere ein Wohnprojekt wäre mein Wunschtraum für die Zukunft. Aktuell gibt es ja noch sehr viele ausgehfreudige Menschen, die auch noch Geld ausgeben können. Glaubt man aber Zukunftsprognosen, dann wird die Situation in unserem Land angespannter. Fehlende Altersvorsorge durch Minijobs, Scheinselbstständige und viele Jobs im Niedriglohnbereich sind ja ein Weckruf jetzt Möglichkeiten zu schaffen, um sich und andere in Zukunft durch Netzwerke und Projekte ein lebenswertes Alter zu ermöglichen.

Unshaved_Banner

Infos: Unshaved Easter Edition, Ostersonntag, 5. April 2015, ab 22 Uhr im St. Georg, Ritterstr. 26, Berlin-Kreuzberg. Als „Eintritt“ wird eine Spende von 5 resp. 8 Euro (ab 23 Uhr) erbeten. Facebook-Seite

Ebenfalls für Bären: Easter BearDance, Karfreitag, 3. April 2015, ab 22 Uhr im SO 36, Oranienstr. 190, Berlin-Kreuzberg. Eintritt: 10 Euro. Facebook-Seite

(Angaben ohne Gewähr)

1 Response to “„Notfalls mit Fingerschnurrbart“ – Interview zu Berlins Oster-Party Unshaved”


  1. 1 Bernd Gaiser März 28, 2015 um 9:53 am

    Haare und zwar überall sind eine echte Verpflichtung und Herausforderung als Mann. Gut, dass das mal einer in die Hand nimmt!


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