Archive for the 'gay' Category

Essen als Bedrohung – In „Ich habe es satt“ thematisiert Nils Binnberg Körperscham und krankhaften Kontrollzwang

„Da traf mich sein Blick. Vielmehr traf sein Blick meinen Bauch. Prüfend.“ Der Blick des Freundes und die Waage sind die Auslöser, die Autor Nils Binnberg bewegen, eine Diät zu beginnen. So weit, so trivial, so nahezu jedem vertraut. Nur dass sich bei Nils Binnberg die Suche nach dem perfekten Weg zum Abnehmen zur Sucht nach gesundem Essen wird. Selbst ein Name hat sich für die daraus resultierende Essstörung schon gefunden: „Orthorexie“. Nils Binnberg wird zum „Kontrollfreak, zerrissen zwischen Zwang und Scham“, getrieben von einem „obsessiven Wunsch nach Schlankheit und Körperkontrolle“. Zuletzt isst er nur noch fünf Lebensmittel: Räucherlachs, Avocado, Fleisch, Salat und ein paar Nüsse.

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Laguz – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“

Freitagmorgen. Ich ziehe im Schwimmbad meine Bahnen. Am Beckenrand wird der Nachwuchs gerade von den Eltern abgerichtet: abtauchen und apportieren. Der Vater wirft einen schwarzen Ring ins Wasser, der Junge muss ihn dann vom Boden heraufholen und der Mama überreichen. Die übergibt ihn dann wieder ihrem Ehemann, damit er ihn erneut versenken kann.

Es sind nicht allzu viele Schwimmer im Becken, darunter auch das unvermeidliche Frauenpaar, das andächtig, Köpfchen in die Höh, nebeneinander vorwärts plantscht – und zwar in genau in einem solchen Abstand, dass man weder in der Lücke zwischen beiden durch-, noch problemlos um sie herumschwimmen kann. Alle anderen drehen scheinbar solo, jedenfalls ohne Gesprächspartner an der Seite, ihre Runden.

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Die Berliner*innen berlinern gern! Zum CSD-Motto 2019 (+Update 21.2.)

21.2. Update am Ende des Artikels.

An dem diesjährigen Motto des Berliner CSD ist vor allem beeindruckend, wie elegant es das Gendersternchen-Problem, Binde- respektive Unterstriche vermeidet. Nur noch ein Gedankenstrich ist übrig! „Queer sind Berlin – JEMEINSAM!“ Kaum zu glauben, dass wir 2019 auch (nicht nur) das sich zum fünfzigsten Mal jährende Ereignis des „Stonewall“-Aufstandes gegen Polizeigewalt feiern. Solidarität und Zusammenhalt in schwieriger Lage – das sind fürwahr Ideale, auf die die Community stolz sein darf und die es weiter zu bewahren gilt. Das berlinernde „Jemeinsam“ macht allerdings auch klar, dass mitunter von hehren Visionen letztlich doch nur lokalpatriotische Folklore übrigbleiben kann.

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Zu sexy um homophob zu sein?

Zunächst die Entwarnung: Sänger Andreas Gabalier ist nicht homophob. Wer wüsste das besser als er selbst, und darum hat er es dem Wiener „Kurier“ für den heutigen Samstag so diktiert:

„Ich bin weder homophob noch frauenfeindlich und auch nicht rechtspopulistisch unterwegs.“

Mit diesem Wissen sei auf einen Beitrag auf „Zeit Online“ verwiesen. Jens Balzer geht in „Ein Hallihallo mit eisernem Kreuz“ der Kritik an dem Schlagersänger nach und kommt zu dem Fazit: „In politischer wie in sexualästhetischer Hinsicht ist das Schaffen von Andreas Gabalier also konsistent ambivalent.“

Es gibt eine Stelle im Artikel, die mich irritiert:

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Ablenkungsmanöver – Warum der Ärger über Gabalier und Polunin richtig ist, aber möglicherweise auch die Ursachen verfehlt

Gabalier, Polunin, WDR 5 … die faschistoid-homophobe Selbstverständlichkeit feiert neue Urstände in Kultur und Medien und wird bagatellisiert. Wie immer empört man sich – was soll man auch sonst tun? Das Folgende sind unfertige Gedankenfragmente, entstanden aus dem Bedürfnis, mich zwar an aktuellen Geschehnissen abzuarbeiten, aber nicht der Versuchung zu erliegen, sie zur Ursache von tiefer liegenden Veränderungen zu machen.

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Fünf Dinge, die ich mir für die LGBT-Community in 2019 wünsche (und fünf, die ich nicht wünsche)

Erster Tag im neuen Jahr, da kann man ja mal so aufs Geratewohl überlegen und ohne weitere Begründung niederschreiben.

Gut für die Community fände ich:

1. mehr konkrete Projekte, die dem Zusammenleben dienen, anstatt elitärer Vorzeige-Projekte

2. einen Verband, der die Interessen von Transgender, Schwulen und Lesben in Berlin wirklich vertritt (und sich nicht nur für Geldtöpfe interessiert)

3. eine Ausstellung im Schwulen Museum zum Thema „Homosexualität und Einsamkeit“

4. ein Ende der Fixierung auf Berlin

5. liebevollen Sex und/oder gute Freundschaften

Was die Community nicht braucht:

1. Pflicht zu Ehe und Kind als Ausweis bürgerlicher Anständigkeit

2. die Verklärung rechtsextremer Politiker durch LGBT-Personen und -Verbände

3. Regierungsbeteiligungen der AfD

4. die fortschreitende Eventisierung und die dadurch forcierte Nomadisierung homosexuellen Lebens

5. Kneipen, die nur noch vom Leuchten der Smartphone-Displays erhellt werden

Uns allen ein schönes 2019!

Vom Geist der Insel – Mayk D. Opiollas neue, fünfte „Momentaufnahmen“

Ein Jahr ist vorüber und abermals lässt Autor, Blogger und Inselbewohner May D. Opiolla in seinen literarischen „Momentaufnahmen“ Revue passieren. Band 5 ist es mittlerweile und er verspricht im Untertitel „Neues von Langeoog, Gott und die Welt“.

So wirklich ist der Ich-Erzähler immer noch nicht über das Ende einer Liebe hinweg. Ein Thema, das bereits den letzten Band prägte. Doch dieses Mal sind die Übungen im Loslassen verbunden mit einer Hinwendung zu einer neuen Liebe, die sich in Ansätzen auch schon in vorhergehenden Texten ankündigte: …

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Der Samstag anderswo

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