Archive for the 'schwul' Category

Das Jahr der Singles

Der / die / das Homosexuelle existiert mittlerweile nur noch als Ehepaar. Ist er/sie Single, dann bleibt auch die sexuelle Orientierung unsichtbar.

Das lässt sich aktuell am Nachruf auf Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben in der Tagesschau bzw. auf tagesschau.de nachvollziehen. Er war nicht verheiratet, also bleibt seine Homosexualität (mit der er selbst nach dem Outing durch Inge Meysel offen umging) unerwähnt. „Ich hatte noch nie eine feste Beziehung, nur lockere. Ich habe keinen getroffen, mit dem ich mein Leben verbringen wollte.“ Dieser Satz in einem Interview von 2006 – warum sollte er nicht in einem öffentlich-rechtlichen Nachruf auftauchen? Er lebte also allein – hatte aber, wie es scheint, durchaus Freundinnen und Freunde. Damit dürfte Wieben dem Gros der Schwulen entsprechen.

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Edmund White, Christopher Isherwood, Walt Whitman – Queer Poetry in Berlin

Vom 14.-20 Juni 2019 findet, veranstaltet vom Haus für Poesie, das 20. poesiefestival berlin mit einem Programmpunkt Queer Poetry / Stonewall statt – zugleich eröffnet das Schwule Museum eine Isherwood & Bachardy-Ausstellung. Also jede Menge Literatur und Poesie in der Hauptstadt, die gerade am Vorabend des 50. Jahrestages des Stonewall-Aufstandes sowohl einen Blick zurück als auch nach vorne erlaubt.

My Dearest Sweet Love: Christopher Isherwood & Don Bachardy
Vernissage: Freitag, 14. Juni 2019, 19 Uhr
Ausstellung: 15. Juni – 26. August 2019

Schwules Museum, Lützowstr. 37, 10785 Berlin

Ausstellung über die Partnerschaft zwischen dem Schriftsteller Christopher Isherwood (1904-1986) und dem Maler Don Bachardy (geb. 1934). Zum einen wird mit Fotografien, Gemälden, Büchern und Filmplakaten ihr gemeinsames Leben nachgezeichnet; von 1953, als die beiden in Kalifornien zusammenzogen, bis zum Tode Isherwoods im Jahr 1986. Gleichzeitig verfolgt die Ausstellung den langen Weg bis zu Isherwoods persönlichem öffentlichem Coming-out; von seinen diskreten, in den dreißiger Jahren geschriebenen Goodbye to Berlin-Romanen, auf denen das Musical Cabaret basiert, bis zur konsequenten Offenheit von Christopher and his Kind aus dem Jahr 1976. Mehr Infos: Website Schwules Museum

Stonewall was a riot!
Podiumsgespräch zum 50. Jahrestag des New Yorker Aufstands
Montag, 17. Juni 2019, 17.30 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten | Clubraum
Tickets: 6/4 € · (13/8 € Kombiticket inkl. Lesung)

Die US-amerikanischen Autor*innen Edmund White, Eileen Myles und Jericho Brown diskutieren, was vom Geist der Stonewall-Revolte geblieben ist. Moderation: Kultur- und Medienwissenschaftler Peter Rehberg. Die Veranstaltung wird englisch-deutsch gedolmetscht. Mehr Infos: Mehr Infos: Website Haus für Poesie

Queer poets. Queer Voices – 50 Jahre Stonewall
Lesung und Gespräch
Montag, 17. Juni 2019, 19.30 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten | Kl. Parkett
Tickets: 10/7 € ·  (13/8 € Kombiticket inkl. Poesiegespräch)

Die Autor*innen Angélica Freitas (Brasilien), Lee Mokobe (Südafrika), Urayoán Noel (Puerto Rico/USA) und Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki (Polen) erkunden in ihrer Lyrik und in Gesprächen die aktuelle Situation der LGTB-Community in verschiedenen Ländern. Moderation: Jpurnalist Matthias Frings. Die Veranstaltung wird englisch-deutsch gedolmetscht. Die Texte liegen auf Deutsch vor. Mehr Infos: Website Haus für Poesie

Walt Whitman: Grasblätter
Eine Inszenierung

Mittwoch, 19. Juni 2019, 19.30 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Berlin-Tiergarten | Studio
Tickets: 13/8 € ·  (inkl. Poesiegespräch)

Seine Homosexualität wird dabei immer noch gern als Nebensächlichkeit des Genies abgetan, gleichwohl gilt Walt Whitman als einer der größten und prägendsten Dichter der USA des 19. Jahrhunderts.  In seiner Dichtung vereint Whitman Ideen aus Kultur, Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Mystik seiner Zeit. Unter der Regie von Leopold von Verschuer und mit Musik u.a. von Paul Hindemith und Kurt Weil will die Inszenierung „kaleidoskopisch“ Walt Whitmans kraftvolle Dichtung zeigen „als Reise in Worten durch die Landschaften der Vereinigten Staaten“, „als den Aufbruch und die ständige Grenzüberschreitung, die sie für die moderne Dichtung Amerikas bedeuten“. Zur Inszenierung wird vorab um 18 Uhr ein Poesiegespräch angeboten. Mehr Infos: Website Haus für Poesie

Der Woof zum Feiertag – „State of Pride“

Die Filmemacher Rob Epstein und Jeffrey Friedman sind Dokumentaristen homosexueller Geschichte(n). Bekannt sind etwa ihre Dokumentation“The Times of Harvey Milk“ über das Leben des  ermordeten ersten offen schwulen Politikers der USA (Epstein erhielt dafür den Oscar) oder „Celluloid Closet“ über Homosexualität in Hollywood-Filmen. Nun haben sie 50 Jahre nach den Stonewall-Unruhen junge Lesben, Schwule, Transgender in den USA porträtiert, geleitet von der Frage, was ihnen „Pride“ heute bedeutet.

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Yoga … und noch ein Coming-out

Diese Woche habe ich die Mitgliedschaft in einem einst schwulen, jetzt queeren Sportverein beantragt. Ein winzig kleiner, leicht zu übersehender Schritt für die Community, ein großer für mich. Nach einer langen Zeit des Rückzugs habe ich mich getraut, etwas auszuprobieren, es gut zu finden und den kühnen Plan zu entwickeln, dabei zu bleiben: Yoga. Noch spezieller: Yoga für queere Ältere, d.h. Menschen 50+.

50+ … Lange Zeit dachte ich, ich stehe über so einer albernen Jahresgrenzzahl.

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Tabu Einsamkeit: Wo der queere Aktivismus gerne wegschaut

Es ist bezeichnend, dass Einsamkeit in Deutschland vor allem als Kostenfaktor zum Thema wird. Noch bezeichnender ist, dass ein Thema wie Einsamkeit in der schwulen Welt überhaupt nicht vorkommt. In den queeren Medien gibt es nur eine Weise, Community zu betrachten, und das ist eine politische. Identitätsdebatten, Kampf gegen Diskriminierung und Forderungen nach politischen Bündnissen gegen Rassismus, Sexismus etc. überlagern alles. Selbst dort, wo es um ein so wichtiges Thema wie das Leben von Homo-/Transsexuellen im Alter geht, wird der Fokus auf einige wenige Wohnprojekte und – typisch Berlin! – den Kampf Schwule gegen Lesben gerichtet. Es müssen erst alte Grabenkämpfe ausgefochten werden, bevor dringend erforderliches gemeinsames Handeln möglich scheint. Zudem wird die Dimension des Themas wie des Problems völlig verkannt. Einige Leuchttürme, in die letztlich wenige Homosexuelle einziehen können, werden den Bedarf der kommenden Jahre und Jahrzehnte kaum decken.

So wie die Community und ihre politischen Verbände beim Thema Alter versagen bzw. sich im gehobenen Wegschauen üben, werden soziale Themen generell missachtet, gelten als Tabu.

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Laguz – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“

Freitagmorgen. Ich ziehe im Schwimmbad meine Bahnen. Am Beckenrand wird der Nachwuchs gerade von den Eltern abgerichtet: abtauchen und apportieren. Der Vater wirft einen schwarzen Ring ins Wasser, der Junge muss ihn dann vom Boden heraufholen und der Mama überreichen. Die übergibt ihn dann wieder ihrem Ehemann, damit er ihn erneut versenken kann.

Es sind nicht allzu viele Schwimmer im Becken, darunter auch das unvermeidliche Frauenpaar, das andächtig, Köpfchen in die Höh, nebeneinander vorwärts plantscht – und zwar in genau in einem solchen Abstand, dass man weder in der Lücke zwischen beiden durch-, noch problemlos um sie herumschwimmen kann. Alle anderen drehen scheinbar solo, jedenfalls ohne Gesprächspartner an der Seite, ihre Runden.

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Zu sexy um homophob zu sein?

Zunächst die Entwarnung: Sänger Andreas Gabalier ist nicht homophob. Wer wüsste das besser als er selbst, und darum hat er es dem Wiener „Kurier“ für den heutigen Samstag so diktiert:

„Ich bin weder homophob noch frauenfeindlich und auch nicht rechtspopulistisch unterwegs.“

Mit diesem Wissen sei auf einen Beitrag auf „Zeit Online“ verwiesen. Jens Balzer geht in „Ein Hallihallo mit eisernem Kreuz“ der Kritik an dem Schlagersänger nach und kommt zu dem Fazit: „In politischer wie in sexualästhetischer Hinsicht ist das Schaffen von Andreas Gabalier also konsistent ambivalent.“

Es gibt eine Stelle im Artikel, die mich irritiert:

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