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Auf dem Weg ins neue Jahr liegt der Unerledigt-Stapel

Tick, Tick, Tick … Der Druck wächst, in den letzten Stunden des Jahres noch alles abzuschließen, den Stapel Unerledigtes wenigstens zu minimieren. Rasch noch die losen Beziehungsfäden, die wenigen, die entstanden, aufheben, verknüpfen. Dabei will ich gar nicht zurückdenken an dieses Jahr, das ein vergebliches war. Ich ignoriere den Aufschrei, das Jahr sei so schlimm gewesen, weil so viele Promis starben (schwule Ikonen von David Bowie über Prince bis George Michael). Das also ist es, was den Leuten ein Jahr verdirbt? Dann kann der Rest ja nicht so schlimm gewesen sein.

Zum Jahresende in Berlin werden wieder vermehrt Übergriffe auf Homosexuelle gemeldet. Kein Terroranschlag in diesem Jahr – allesamt auch Anschläge auf unsere, meine Art zu leben, zu fühlen, zu sehnen, zu lieben -, kein Terroranschlag lässt die Schlägertrupps des Alltags innehalten. Gewalt gegen schutzsuchende Flüchtlinge, gegen Frauen, die die Treppe zur U-Bahn hinabgehen, gegen Juden, die in Berlin nicht mehr wagen, Kippa zu tragen. Nicht erst in diesem Jahr eine Unerträglichkeit. Eine breite Mehrheit verurteilt solche Gewalt. Ein sich verfestigender Prozentsatz bejubelt allerdings die Aktionen gegen all das, „was nervt“, und schiebt den Opfern eine Mitschuld zu: Warum muss ein Mann auch Frauenklamotten tragen? Die liberale Gegenfrage – Warum auch nicht? – dringt mitunter gar nicht mehr durch gegen die dumpfe Sehnsucht nach „Ordnung“.

Also jetzt noch schnell anschreiben gegen diese Gewalt, gegen jede Gewalt, gegen eine drohende Veränderung? Anschreiben gegen die eigene Trägheit, Bequemlichkeit der letzten Monate – und diese dabei gleich den anderen unterstellen? Eine Auswahl aus dem Unerledigt-Stapel, die als „Merkzettel“ ins neue Jahr mitgenommen wird, und eine Erinnerung …

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Berlin – 19.12.2016

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Besser wird’s nicht! Warum Schwule und Lesben nicht mehr allzu viel von den Grünen erhoffen sollten

Wie es aussieht, wird Volker Beck dem nächsten Bundestag nicht angehören. Die Grünen NRW haben ihm bei der Wahl der Delegierten einen halbwegs sicheren Platz auf ihrer Landesliste verweigert. Ihm, der bei der letzten Wahl noch ihr Spitzenkandidat war. Vordergründig abgestraft für seinen Drogenkonsum, für die folgenden negativen Schlagzeilen. Man will sauber bleiben bei den Grünen! Aber so ist es halt: Politik ist ein schmutziges Geschäft, es gibt keine Freundschaften, sondern nur Interessen. Wer dachte, das wäre bei den Grünen anders, muss schon sehr naiv sein. Volker Beck, auf der öffentlichen Bühne einst Hauptprotagonist im Kampf für die Eingetragene Lebenspartnerschaft, ist zum Hindernis geworden auf dem Weg der Grünen zum erhofften Regierungsbündnis mit der CDU/CSU und wurde abserviert. Der Vorgang ist ein Vorgeschmack darauf, wie die Grünen nach der nächsten Wahl mit Forderungen von Homosexuellen nach weitergehender Gleichstellung umgehen werden.

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„Vielfalt der Zugehörigkeiten“ – Zur Friedenspreis-Rede von Carolin Emcke

carolinemcke Gestern erhielt Carolin Emcke den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In einem Beitrag auf evangelisch.de habe ich dem „Queeren“ und dem Christlichen ihrer Rede zur Verleihung nachgespürt.
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Zitat des Tages

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Zum Nachlesen auf der Internetseite des Friedenspreises

Eine Aufzeichnung der Rede u.a. hier („Hessenschau.de“)

Die Zeit drängt – Zur Aufhebung der §175-Urteile nach 1945

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Mittlerweile kommen erste Stimmen aus der CDU, dass man das Gesetz zur Rehabilitierung von nach 1945 aufgrund des §175 verurteilten Homosexuellen nicht weiter blockieren will. Allerdings will man Entschädigung nur im Einzelfall zahlen. Eine kollektive Entschädigungsregel, wie sie der Entwurf von Justizminister Heiko Maas vorsieht, will sie nicht. Doch die Betroffenen haben keine Zeit mehr, als dass durch eine solche Frage die überfällige Aufhebung der Urteile weiter hinausgezögert werden dürfte.
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Ist das ein Comic oder kann das weg? Wieso LGBT*-Comics vor LGBT*-Aktivisten gerettet werden sollten

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Dass Comics den Charakter verderben und darum besser verbrannt, als Kindern und Jugendlichen zum Lesen gegeben werden, war bis in die sechziger Jahre hinein fester Bestandteil der Erziehung in anständigen Familien.

Mittlerweile haben sich solche Auffassungen ein wenig geändert und eine entspanntere Haltung gegenüber Comics hat sich durchgesetzt. Sogar in der schwulen Welt. Da darf inzwischen ein Ralf König Comics in einem großen Buchverlag publizieren und das Schwule Museum sogar eine Ausstellung über queere Comics machen.

Gleichwohl lässt es sich die Aktivisten-Gruppe Enough Is Enough nicht nehmen, in ihrem moralischen Rigorismus auch Comics einem Generalverdacht auszusetzen und schon mal die Frage zu stellen, ob wir Comics, die LGBT-Themen aufgreifen, brauchen. Konkret – und Anti-Amerikanismus ist ja immer populär! – geht es um einen für Dezember angekündigten Comic-Band der US-amerikanischen Verlage DC und IDW, der unter dem Titel „Love Is Love“ der Opfer und Betroffenen des Pulse-Massakers in Florida gedenken und Gelder für einen Spenden-Funds sammeln will. Herausgeber des Bandes, so auf queer.de zu lesen, ist Marc Andreyko, der als Autor die Abenteuer der lesbischen Batwoman verantwortet. Zu den Zeichnern zählt u.a. Phil Jimenez, einer der bekanntesten, für Major Companies wie DC tätigen, schwulen Zeichner und Autoren.

Aber genug ist halt nicht genug. Und so fragt Enough Is Enough via Facebook nach: „Eine Comic-Serie in Ehren der Orlando-Opfer. Brauchen wir solche Dinge? Oder ist es wichtiger, seine Traurigkeit und Verletzung zu zeigen und dann für eine Veränderung zu kämpfen?“

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