Archive for the 'Transgender' Category

§175-Rehabilitierung: Kollektive Entschädigung lässt die eigentlich Betroffenen im Stich

Zu spät kommt sie, aber sie kommt: Das Bundeskabinett hat in dieser Woche den Gesetzesentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas zur Rehabilitierung der aufgrund des §175 Verurteilen nach 1945 beschlossen. Vorneweg wurde bereits der Punkt „Kollektiventschädigung“ abgehakt. Darüber, wohin dieses Geld fließt, gab es bislang keine Debatte. Schade, denn so wird die Chance vertan, Betroffenen und künftigen Generationen von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender wirklich zu helfen.

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Politiker im Fadenkreuz des iranischen Geheimdienstes – Nicht schwul genug für eine Meldung

Eine Meldung, die es nicht in die gängigen schwulen Medien schaffen wird:

Der SPD-Politiker Reinhold Robbe wurde, davon geht die Bundesanwaltschaft aus, „als mögliches Ziel für ein Attentat vom iranischen Geheimdienst ausspioniert“. Dies zu einem Zeitpunkt, als Robbe noch Präsident der Deutsch-Israelische Gesellschaft war. „Als Motiv für die möglichen Anschlagsplanungen vermuten Sicherheitsbehörden, dass Iran im Falle von israelischen Luftschlägen gegen iranische Atomanlagen mit Anschlägen auf Institutionen und Personen, die Israel eng verbunden sind, Vergeltung geübt hätte“, heißt es im Bericht der „S.Z.“

Reinhold Robbe ist schwul. Ein Umstand, den er selbst lange nicht öffentlich machte, der dann aber im Zuge seiner Verpartnerung publik wurde. Seitdem hat Robbe beherzt Partei u.a. für die Ehe-Öffnung ergriffen. Wenn also ein offen schwuler Politiker Ziel eines Attentats war, könnte man vermuten, dass wenigstens eine Zeile darüber in den schwulen Medien verloren wird, selbst wenn der Grund für das Ausspionieren nicht primär sein Schwulsein gewesen sein wird. Aber dem ist nicht so: Hierzulande interessiert eher, was das schwule Promi-Paar aus Hollywood dem Nachwuchs zur Halloween-Feier angezogen hat. Wer Botox spritzt und mit Schauspieler XY im Bett war, schafft es zum Aufmacher. Wer seinen nackten Hintern am Strand in Tel Aviv auf Instagram postet, kann sich tags drauf auf der Internetseite eines männlichen Magazins wiederfinden.

Aber im Falle der Meldung über Robbe …

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Auf dem Weg ins neue Jahr liegt der Unerledigt-Stapel

Tick, Tick, Tick … Der Druck wächst, in den letzten Stunden des Jahres noch alles abzuschließen, den Stapel Unerledigtes wenigstens zu minimieren. Rasch noch die losen Beziehungsfäden, die wenigen, die entstanden, aufheben, verknüpfen. Dabei will ich gar nicht zurückdenken an dieses Jahr, das ein vergebliches war. Ich ignoriere den Aufschrei, das Jahr sei so schlimm gewesen, weil so viele Promis starben (schwule Ikonen von David Bowie über Prince bis George Michael). Das also ist es, was den Leuten ein Jahr verdirbt? Dann kann der Rest ja nicht so schlimm gewesen sein.

Zum Jahresende in Berlin werden wieder vermehrt Übergriffe auf Homosexuelle gemeldet. Kein Terroranschlag in diesem Jahr – allesamt auch Anschläge auf unsere, meine Art zu leben, zu fühlen, zu sehnen, zu lieben -, kein Terroranschlag lässt die Schlägertrupps des Alltags innehalten. Gewalt gegen schutzsuchende Flüchtlinge, gegen Frauen, die die Treppe zur U-Bahn hinabgehen, gegen Juden, die in Berlin nicht mehr wagen, Kippa zu tragen. Nicht erst in diesem Jahr eine Unerträglichkeit. Eine breite Mehrheit verurteilt solche Gewalt. Ein sich verfestigender Prozentsatz bejubelt allerdings die Aktionen gegen all das, „was nervt“, und schiebt den Opfern eine Mitschuld zu: Warum muss ein Mann auch Frauenklamotten tragen? Die liberale Gegenfrage – Warum auch nicht? – dringt mitunter gar nicht mehr durch gegen die dumpfe Sehnsucht nach „Ordnung“.

Also jetzt noch schnell anschreiben gegen diese Gewalt, gegen jede Gewalt, gegen eine drohende Veränderung? Anschreiben gegen die eigene Trägheit, Bequemlichkeit der letzten Monate – und diese dabei gleich den anderen unterstellen? Eine Auswahl aus dem Unerledigt-Stapel, die als „Merkzettel“ ins neue Jahr mitgenommen wird, und eine Erinnerung …

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Besser wird’s nicht! Warum Schwule und Lesben nicht mehr allzu viel von den Grünen erhoffen sollten

Wie es aussieht, wird Volker Beck dem nächsten Bundestag nicht angehören. Die Grünen NRW haben ihm bei der Wahl der Delegierten einen halbwegs sicheren Platz auf ihrer Landesliste verweigert. Ihm, der bei der letzten Wahl noch ihr Spitzenkandidat war. Vordergründig abgestraft für seinen Drogenkonsum, für die folgenden negativen Schlagzeilen. Man will sauber bleiben bei den Grünen! Aber so ist es halt: Politik ist ein schmutziges Geschäft, es gibt keine Freundschaften, sondern nur Interessen. Wer dachte, das wäre bei den Grünen anders, muss schon sehr naiv sein. Volker Beck, auf der öffentlichen Bühne einst Hauptprotagonist im Kampf für die Eingetragene Lebenspartnerschaft, ist zum Hindernis geworden auf dem Weg der Grünen zum erhofften Regierungsbündnis mit der CDU/CSU und wurde abserviert. Der Vorgang ist ein Vorgeschmack darauf, wie die Grünen nach der nächsten Wahl mit Forderungen von Homosexuellen nach weitergehender Gleichstellung umgehen werden.

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„Vielfalt der Zugehörigkeiten“ – Zur Friedenspreis-Rede von Carolin Emcke

carolinemcke Gestern erhielt Carolin Emcke den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In einem Beitrag auf evangelisch.de habe ich dem „Queeren“ und dem Christlichen ihrer Rede zur Verleihung nachgespürt.
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Zitat des Tages

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Zum Nachlesen auf der Internetseite des Friedenspreises

Eine Aufzeichnung der Rede u.a. hier („Hessenschau.de“)

Die Zeit drängt – Zur Aufhebung der §175-Urteile nach 1945

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Mittlerweile kommen erste Stimmen aus der CDU, dass man das Gesetz zur Rehabilitierung von nach 1945 aufgrund des §175 verurteilten Homosexuellen nicht weiter blockieren will. Allerdings will man Entschädigung nur im Einzelfall zahlen. Eine kollektive Entschädigungsregel, wie sie der Entwurf von Justizminister Heiko Maas vorsieht, will sie nicht. Doch die Betroffenen haben keine Zeit mehr, als dass durch eine solche Frage die überfällige Aufhebung der Urteile weiter hinausgezögert werden dürfte.
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