Archive for the 'Schwule Geschichte' Category

Ehe für alle, die es wollen

Ein schöner Tag: Mit einer Mehrheit von 393 Stimmen (bei 226 Gegenstimmen und 4 Enthaltungen) hat der Bundestag heute die Ehe für alle beschlossen!

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Das Ende der Geschichte

Aus meiner Jugendzeit in schwäbischen Gefilden ist mir der Spruch „Jetzt ging’s aber auch schnell!“ oder „Jetzt hat er/sie aber schnell gemacht!“ in Erinnerung. Das wurde gesagt, wenn sich ein Sterbender nicht lange mit Sterben aufhielt, sondern eben ziemlich rasch und schneller als von den Lebenden vermutet ins Jenseits wechselte.

Mit der Ehe für alle scheint es nun irgendwie auch rasch zu gehen – allerdings vom längst Totgeglaubten ins Diesseits. Es ist ja auch ein glückliches und lebensbejahendes Moment, wenn schwule und lesbische Paare endlich heiraten statt sich nur verpartnern dürfen und damit der Hetero-Ehe gleichgestellt sind. Die Kanzlerin hat mal rasch einen Schwenk in ihrer Haltung vollzogen, die SPD hat – ein kühner Schachzug, den man von den Sozis gar nicht erwartet hätte – die Drehgeschwindigkeit beschleunigt und gesagt, wieso bis nach der Bundestagswahl warten – wie es Angela Merkel wollte. Wenn der Fraktionszwang im Bundestag bei dieser Frage aufgehoben ist, dann können wir es auch gleich hinter uns bringen.

So ganz mag ich es noch gar nicht glauben, dass es nun also durch sein soll mit der Ehe … aber durch die diversen Kanälen schwappt die Euphorie und Blogger-Kollegen wie Johannes Kram klopfen im Überschwang an die Brust des kollektiven Wir, gedenken der Kämpfer und lassen das Wort „Stolz“ erschallen. Nichts gegen, auch wenn es (im Moment?) so gar nicht meine Gefühlslage treffen will.

Der Moment, in dem die Ehe für Homo- wie Heterosexuelle in Deutschland Gesetz sein wird, ist zwar tatsächlich ein Kulminationspunkt. Er wird aber – ja, ja, Höhepunkt und kleiner Tod – auch das Ende der homosexuellen Geschichte in Deutschland bedeuten. Danach kommt nichts mehr.

Natürlich werden wir noch jahrzehntelang unsere CSD-Paraden feiern, Diskriminierung beklagen und je nach Bauchgefühl die jeweils aktuelle Gewalt gegen LGBTI in anderen Ländern kritisieren. Aber wir hier haben fertig. Der Rest ist Verwaltung. Mit der Ehe für alle siegt die Folklore und setzt sich als alles durchdringende Kraft fest. Was bislang hauptsächlich dem Tourismus diente, herrscht jetzt in den homosexuellen vier Wänden. Die Ehe für alle war der letzte gemeinsame Nenner, auf den sich die Community, die tatsächliche wie die phänomenologische, einigen konnte. Eine Vision von Gesellschaft, von Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft, die über den Ehe-Wunsch hinausführt / hinausführen könnte, hat „die“ Szene, „die“ Community, „die“ Bewegung nie entwickelt. Die gerade jüngst wieder beherzt vorgebrachten Bündnis-Politiken – in all ihrer verqueeren Kompliziertheit – sind jetzt schon Schnee von gestern.

Doch, wie ich das hier so runtertippe am PC … ich freue mich! Es ist schön, dass es nun endlich die Ehe für alle geben soll, dass sie greifbar nahe ist (Bitte keine weiteren Enttäuschungen jetzt!). Wir sind da, wo die meisten hingewollt haben. Es kommt etwas zu seinem Ende. Und das ist dann auch irgendwie gut so. / ©RH

Queer Palm für Aids-Dokudrama

Auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes wurde, wie erwartet, das französische Aids-Dokudrama „120 battements par minute“ (120 Schläge pro Minute) mit der Queer Palm als Bester Film mit einem für LGBT-relevanten Thema ausgezeichnet. Schon im Vorfeld war der Beitrag des Regisseurs Robin Campillo als Favorit gehandelt worden. „120 battements“ erinnert an den Kampf von Aids-Aktivisten im Umfeld der  französische ACT UP-Gruppe im Frankreich der neunziger Jahre.
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„Love is Love“: Anthologie in Erinnerung an Orlando-Attentat für Comic-Preis nominiert

Die Comic-Anthologie „Love is Love“ in Erinnerung an die Opfer des Massakers im Puls-Club in Orlando ist für den Will Eisner Award 2017 in der Kategorie Beste Anthologie nominiert.

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„Die nie vergessene Angst …“ – Didier Eribons Buch „Rückkehr nach Reims“ über Herkunft und Homosexualität

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Über Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ sind schon so viele lobende Rezensionen geschrieben worden, dass sich eine weitere fast erübrigt. Das Buch nicht im Samstag-Blog zu besprechen, wäre allerdings ein echtes Versäumnis. Es hat mich sehr beeindruckt – sowohl auf einer persönlichen Ebene als auch hinsichtlich seiner politisch-sozialen Dimension. „Rückkehr nach Reims“ ist einerseits Autobiografie und zugleich Essay und Studie über den Zusammenhang von Herkunft, Homosexualität und aktueller neokonservativer Wende in Frankreich …

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Zum Tag des Mauerbaus

MauernachzeichnungZum Thema 55. Jahrestag des Mauerbaus ein kursorischer Rückblick DDR / Homosexualität / Kirche: Günter Litfin zähle zu den ersten Todesopfern der Grenze. Die DDR-Presse denunzierte ihn damals als schwulen Stricher.
→ Weiterlesen im „kreuz & queer“-Blog

Kurator Frank Wagner gestorben

Im Alter von 57 Jahren ist gestern der Kurator Frank Wagner gestorben. Ende 1988 organisierte er in Berlin „Vollbild Aids“, die erste Ausstellung zum Thema Aids und Kunst in Europa. Immer wieder thematisierte er den Umgang mit Krankheit und Tod. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) initiierte er die Reihe „Unterbrochene Karrieren“, die KünstlerInnen porträtierte, deren Schaffen frühzeitig durch eine Krebserkrankung oder die Folgen von Aids beendet wurde. Weiterlesen ‚Kurator Frank Wagner gestorben‘


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