Archive for the 'Literatur' Category

Verbundenheit! „Aids als kollektives Trauma“ von Patrick Henze-Lindhorst betrachtet schwule Geschichte(n) und berührt zentrale Fragen von heute

Cover_AidsalskollektivesTraumaWas ist es, das die schwule Welt zusammenhält? Das war die Ausgangsfrage für das Büchlein (und Blog-Namensgeber) „Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein“; dies auch vor dem Hintergrund des Gefühls einer schwindenden Diskriminierung und wachsenden Akzeptanz von LGBT durch die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft. Was vereint uns über eine geteilte sexuelle Orientierung hinaus, wenn „der äußere Feind“ abhandenkommt?**
Positive Antworten sind bis heute rar. Umso interessanter ist es, dass Patrick Henze-Lindhorst als Anlass für seinen im Querverlag erschienenen Essay „Aids als kollektives Trauma“ die Annahme formuliert, „dass es doch etwas Kollektives geben könnte, das ‚uns‘ Schwule verbindet“.

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Selbstermächtigung eines schwulen Rom. Gianni Jovanovics „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“

Cover_GianniJovanovic„Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“ ist die Biografie und politische Verortung eines Mannes, der sich selbst ermächtigt, zu einer Stimme in der Öffentlichkeit, im Diskurs zu werden. „Als bekennender Deutsch-Roma mache ich heute auf die prekäre Lage meiner Geschwister aufmerksam.“ Und da Gianni Jovanovic zugleich auch Unternehmer, schwul, zweifacher Großvater und damit quasi Familien-Experte ist, wird noch jede Menge anderes mittransportiert. Alles in einem sehr zugewandten, bei aller Bestimmtheit im Detail zugänglichen, erläuternden Duktus, dem es heutigem „Aktivismus“ oft mangelt.

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Plädoyer für ein anderes Miteinander – „Konsenskultur“ von Joris Kern

Cover_KonsenskulturIn einer Zeit, in der „die Community“ Deutschlands weitgehend mit hysterisch-belanglosem Celebrity-Talking beschäftigt ist, in der Queerness anscheinend nur noch anhand von Disney-Figuren thematisiert werden kann, in der jeder Ansatz zur Formulierung eigener Sehnsüchte wie Ängste durch akademische Inquisitionsschriften und rechte Unterwanderung allzuschnell kaltgestellt wird – in einer solchen Zeit ist es eine angenehme Überraschung, wenn jemand sich noch über ein queeres Miteinander und wie es klappen könnte Gedanken macht.

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Zwischentöne in schwarz-weiß – Der achte Band von Mayk D. Opiollas „Momentaufnahmen“

cover_Momentaufnahmen8Im achten Band seiner Momentaufnahmen erweitert Mayk D. Opiolla das literarische Festhalten von Situationen, Gedanken im Jahreslauf auf der Insel Langeoog um die fototechnische Möglichkeit des Aufzeichnens eines Augenblicks. Es ist gewissermaßen nur folgerichtig, wenn ein auf seinem Blog lang praktiziertes Verfahren, Literatur und Fotografie zu verknüpfen, nun auch Eingang in die gedruckte Ausgabe findet. Mit der kleinen Einschränkung, dass aus Kostengründen die Abbildungen im Buch schwarz-weiß sind, während man im Internet zumeist farbige zu sehen bekommt.
Zugleich deutet das erste Kapitel – und es heißt denn auch „Schwarzweiß“ – an, dass Fotografien auch zu Indizien einer brüchig gewordenen Realität werden können. Herangezogen als Moment der Versicherung in Zeiten der Unsicherheit, ob Liebgewonnenes Bestand haben kann. Scheinbar trauen sich die Sprache und der Ich-Erzähler nicht mehr so ganz und wollen sich durch ein technisches, seinerseits ja nur scheinbar dauerhaft verlässliches Medium absichern. Oder wie es im Kapitel Winterzauber heißt: „Ich wähnte mich inmitten einer wunderschönen, über viele Generationen vererbten Schwarzweißaufnahme.“

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Schwul & dement? Das Buch „Herausforderung angenommen!“ schildert, wie ein schwules Paar mit einer Demenz-Erkrankung umgeht

Buchcover_Herausforderung-angenommenIn seinem Vortrag „Demenz & Sexualität im Pflegealltag aus LSBTI* Perspektive“ auf einer Fachtagung im Jahr 2019 zum Thema „Demenz und Sexualität“ (PDF) schätzt Dieter Schmidt die Zahl von LSBTI* mit demenziellen Erkrankungen in Deutschland auf 122.000 Menschen. Gefolgt von dem Hinweis, dass es hinsichtlich des Themas „Demenz & LSBTI*“ bislang keine Untersuchungen im deutschsprachigen Raum gebe.
An diesem Befund wird sich wenig geändert haben – und insofern ist es erfreulich und wichtig, dass nun eine Schilderung des Lebens mit einer Demenz-Erkrankung aus der Sicht eines schwulen Paares vorliegt. 2017 erhält Beni Steinauer die Diagnose. Herausforderung angenommen! schildert, wie die Krankheit in ihren zahlreichen Ausprägungen seinen Alltag und das Zusammenleben mit Ehemann Rolf Könemann prägt. Wobei Wert auf die Feststellung gelegt wird, es handele sich um ein „Mutmachbuch“.

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Spiel der Wahrheit(en) – Pajtim Statovcis Roman „Grenzgänge“

Grenzgaenge_BuchcoverDas Spiel mit Identitäten ist literarisch gesehen nichts Neues und auch nichts Ungewöhnliches. Nicht erst seit Virginia Woolfs Orlando ist es ein Indikator für Umbrüche in der Gesellschaft, die Auseinandersetzung mit herrschender Moral und Norm auch und gerade in Bezug auf sexuelle und geschlechtliche Identität. Zuschreibungen von „Heimat“ und „Nationalität“ geraten zusätzlich in den Fokus, wenn Menschen etwa durch Krieg oder wirtschaftliche Ungleichheiten gezwungen werden, sie zu wechseln. Das Spiel mit Wahrheit(en) wird – physisch wie psychisch – zur Überlebensstrategie.

So gesehen legt Pajtim Statovci, der vom Verlag als finnisch-kosovarischer Schriftsteller vorgestellt wird, mit Grenzgänge ein aktualisiertes und aktuelles Spiel mit Identitäten vor.

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Schwule Krimis für den Bücher-Herbst

KrimisZu zwei Krimis aus dem Querverlag habe ich auch ein klitzekleinwenig beigetragen und bin insofern möglicherweise ein bisschen befangen, gleichwohl seien sie geneigten Leser*innen empfohlen. Beide sind zeitlich im Herbst/Winter angesiedelt, das macht sie geradezu ideal für die Jahreszeit, wo man sich ohne Rechtfertigung mit Buch aufs Sofa, Bett oder an sonstigen ungestörten Lieblingsort zurückziehen kann. Wobei für Fans des Krimi-Genres eigentlich jederzeit die richtige Zeit für die Untiefen des Menschen ist! Es geht um neue Krimis von Felix Haß und Roland Gramling …

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