Archive for the 'Literatur' Category

„Better the devil you know“ – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“

Das nahende Fetischtreffen warf seine Schatten voraus. Allerdings nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, in Gestalt von Lederkerlen, die durch ihre bullige Statur das Sonnenlicht blockiert hätten. Das Lokal, in dem wir nach der Veranstaltung noch etwas trinken und eine Kleinigkeit essen gehen wollten, hatte die Speisekarte umgestellt und für einen Zeitraum von zwei Wochen die Preise erhöht. Berlin in seiner zeitgenössischen Ausprägung und die Kehrseite von „Events“: Alle, auch die seit Jahren in der Stadt Lebenden wie die Stammkunden von Schwulenlokalen, werden zu Touristen, die sich abzocken lassen müssen. Ein Grund, warum diese Events niemals Heimat bieten werden. Ihr Safe Space hat seinen Preis und das einzige Versprechen, das er zu halten vermag, ist, dass man am Ende wieder vor die Tür und auf den Boden der Realität gesetzt wird.

Die dreiste Geschäftstüchtigkeit wurde aber von der Runde schnell wegrationalisiert. „Naja, das ist für die ja auch Mehrarbeit. Bestimmt müssen sie noch eine Kraft zusätzlich anstellen in der Zeit.“ Innerlich akzeptierten wir den Stiefel der Ökonomisierung, nicht so dagegen den Lederstiefel, der mit dem Verweis aufs Fetischtreffen ebenfalls evoziert worden war.

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Geheimnisvoller Edward II.

Autor Markus Dullin ist eigentlich für seine im Querverlag veröffentlichten Kriminalromane bekannt. Mit dem historischen Roman „Wilhelm der Waliser“ wechselt er zwar das Genre, freilich ohne seine Lust an Rätselhaft-Mehrdeutigem aufzugeben. Ausgangspunkt ist ihm der ungeklärte Tod des englischen Königs Edward II. 1327, nachdem dieser gewaltsam zur Abdankung gezwungen worden war. Obwohl offiziell eines natürlichen Todes gestorben, halten sich bis heute zwei andere Gerüchte: Die eine besagt, Edward sei ermordet worden – durch eine glühende Eisenstange, die man ihm in den After schob, um ihn damit auch für seine Homosexualität abzustrafen; die andere, dass er aus der Gefangenschaft befreit und als William le Galeys (Wilhelm der Waliser) durch Europa gereist und schließlich als Einsiedler in der Lombardei gestorben sei. Handelte es sich um den echten Edward oder um einen Hochstapler, der sich als Edward ausgab?

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Edmund White, Christopher Isherwood, Walt Whitman – Queer Poetry in Berlin

Vom 14.-20 Juni 2019 findet, veranstaltet vom Haus für Poesie, das 20. poesiefestival berlin mit einem Programmpunkt Queer Poetry / Stonewall statt – zugleich eröffnet das Schwule Museum eine Isherwood & Bachardy-Ausstellung. Also jede Menge Literatur und Poesie in der Hauptstadt, die gerade am Vorabend des 50. Jahrestages des Stonewall-Aufstandes sowohl einen Blick zurück als auch nach vorne erlaubt.

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Essen als Bedrohung – In „Ich habe es satt“ thematisiert Nils Binnberg Körperscham und krankhaften Kontrollzwang

„Da traf mich sein Blick. Vielmehr traf sein Blick meinen Bauch. Prüfend.“ Der Blick des Freundes und die Waage sind die Auslöser, die Autor Nils Binnberg bewegen, eine Diät zu beginnen. So weit, so trivial, so nahezu jedem vertraut. Nur dass sich bei Nils Binnberg die Suche nach dem perfekten Weg zum Abnehmen zur Sucht nach gesundem Essen wird. Selbst ein Name hat sich für die daraus resultierende Essstörung schon gefunden: „Orthorexie“. Nils Binnberg wird zum „Kontrollfreak, zerrissen zwischen Zwang und Scham“, getrieben von einem „obsessiven Wunsch nach Schlankheit und Körperkontrolle“. Zuletzt isst er nur noch fünf Lebensmittel: Räucherlachs, Avocado, Fleisch, Salat und ein paar Nüsse.

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Laguz – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“

Freitagmorgen. Ich ziehe im Schwimmbad meine Bahnen. Am Beckenrand wird der Nachwuchs gerade von den Eltern abgerichtet: abtauchen und apportieren. Der Vater wirft einen schwarzen Ring ins Wasser, der Junge muss ihn dann vom Boden heraufholen und der Mama überreichen. Die übergibt ihn dann wieder ihrem Ehemann, damit er ihn erneut versenken kann.

Es sind nicht allzu viele Schwimmer im Becken, darunter auch das unvermeidliche Frauenpaar, das andächtig, Köpfchen in die Höh, nebeneinander vorwärts plantscht – und zwar in genau in einem solchen Abstand, dass man weder in der Lücke zwischen beiden durch-, noch problemlos um sie herumschwimmen kann. Alle anderen drehen scheinbar solo, jedenfalls ohne Gesprächspartner an der Seite, ihre Runden.

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Vom Geist der Insel – Mayk D. Opiollas neue, fünfte „Momentaufnahmen“

Ein Jahr ist vorüber und abermals lässt Autor, Blogger und Inselbewohner May D. Opiolla in seinen literarischen „Momentaufnahmen“ Revue passieren. Band 5 ist es mittlerweile und er verspricht im Untertitel „Neues von Langeoog, Gott und die Welt“.

So wirklich ist der Ich-Erzähler immer noch nicht über das Ende einer Liebe hinweg. Ein Thema, das bereits den letzten Band prägte. Doch dieses Mal sind die Übungen im Loslassen verbunden mit einer Hinwendung zu einer neuen Liebe, die sich in Ansätzen auch schon in vorhergehenden Texten ankündigte: …

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Liebesklärungen – Angelika Overaths neuer Roman „Ein Winter in Istanbul“

Wie schon unlängst Christoph Hein in „Verwirrnis“ stellt nun auch Angelika Overath die Liebe zwischen zwei Männern ins Zentrum ihres neuesten Romans. „Ein Winter in Istanbul“ (Luchterhand Verlag) erzählt von Cla, einem Deutsch- und Religionslehrer aus dem Engadin, der mithilfe des Stipendiums einer Schweizer Privatbank im heutigen Istanbul zum Dialog zwischen den Religionen forschen soll. Kern seiner Studien ist die Konstantinopel-Mission des deutschen Universalgelehrten Nikolaus von Cusanus 1437. In einem Café lernt Cla den Kellner Baran kennen und verliebt sich in ihn – im Roman einmal mit „Sekundenglücks-Erschrecken über unverhoffte Nähe“ umschrieben. Gemeinsam erkunden sie die Stadt, besuchen einen Hamam ebenso wie ein geheimes Treffen von tanzenden Derwischen. Das geradezu schwärmerische Eintauchen in die Mystik der Stadt, des Sufismus wie in die Sexualität mit einem Mann trifft auf eine von Cla schuldbewusst verdrängte Realität, als Clas Verlobte Alva zu Besuch kommt und ihn an ihre geplante gemeinsame Zukunft erinnert. Wenn es gegen Ende heißen wird „Wir waren unser Byzanz“, dann ist damit die überaus große Dimension von Eroberung und Fall umschrieben – historisch wie zwischenmenschlich.

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