Archive for the 'Literatur' Category

Liebesklärungen – Angelika Overaths neuer Roman „Ein Winter in Istanbul“

Wie schon unlängst Christoph Hein in „Verwirrnis“ stellt nun auch Angelika Overath die Liebe zwischen zwei Männern ins Zentrum ihres neuesten Romans. „Ein Winter in Istanbul“ (Luchterhand Verlag) erzählt von Cla, einem Deutsch- und Religionslehrer aus dem Engadin, der mithilfe des Stipendiums einer Schweizer Privatbank im heutigen Istanbul zum Dialog zwischen den Religionen forschen soll. Kern seiner Studien ist die Konstantinopel-Mission des deutschen Universalgelehrten Nikolaus von Cusanus 1437. In einem Café lernt Cla den Kellner Baran kennen und verliebt sich in ihn – im Roman einmal mit „Sekundenglücks-Erschrecken über unverhoffte Nähe“ umschrieben. Gemeinsam erkunden sie die Stadt, besuchen einen Hamam ebenso wie ein geheimes Treffen von tanzenden Derwischen. Das geradezu schwärmerische Eintauchen in die Mystik der Stadt, des Sufismus wie in die Sexualität mit einem Mann trifft auf eine von Cla schuldbewusst verdrängte Realität, als Clas Verlobte Alva zu Besuch kommt und ihn an ihre geplante gemeinsame Zukunft erinnert. Wenn es gegen Ende heißen wird „Wir waren unser Byzanz“, dann ist damit die überaus große Dimension von Eroberung und Fall umschrieben – historisch wie zwischenmenschlich.

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Irrungen und Wirrungen – Christoph Heins Roman „Verwirrnis“ über eine homosexuelle Liebe in der DDR

Deutschland, Anfang der fünfziger Jahre: Als Wolfgang und Friedeward, die beiden Protagonisten des Romans, von Friedewards Vater in flagranti miteinander im Bett überrascht werden, versucht Wolfgang die Situation mit Verweis auf Thomas Mann zu retten. Sie hätten doch nur ausprobieren wollen, was sie in Büchern gelesen hätten, etwa in Tonio Kröger oder in Musils Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Die Literatur wird den beiden jungen Männern aber als Ausrede nichts nutzen: Wolfgang muss die Stadt verlassen und auf eine andere Schule gehen, Friedeward wird von seinem Vater Pius (!) blutig gepeitscht. Doch mit den literarischen Verweisen sind gleich zu Beginn Themenfelder benannt, die den neuen Roman von Christoph Hein prägen: der Versuch, Homosexualität (Künstlertum) mit der bürgerlichen Welt zu vereinbaren und die Verstrickung in die gesellschaftlichen Mechanismen von Gewalt, Kontrolle, Unterwerfung.

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Showdown – Thomas Mohrs Krimi „Mord beim ESC“

Das Finale vom Eurovision Song Contest steht bevor. Passend dazu die jüngste Veröffentlichung in der „Quer Criminal“-Reihe des Querverlags: Thomas Mohrs Kriminalroman „Anders ermittelt – Mord beim ESC“. Der Hamburger Kommissar Anders Lövgren, eigentlich ahnungslos in Sachen ESC, wird eher widerwillig hineingezogen in die Welt der Stars und Sternchen, der musikalischen Völkerverständigung, der vielfältigen Fan-Kultur.

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Ist „Weniger“ wirklich mehr? Andrew Sean Greers Roman „Mister Weniger“

Um es vorneweg zu sagen: Das grandiose Werk, der „Roman des Jahres“, zu dem manche „Mister Weniger“ hochjazzen, ist der mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete Roman des amerikanischen Autors Andrew Sean Greer nicht. Wer mit etwas weniger (sic!) auskommt, der darf sich auf einen schönen, lesbaren und überaus witzigen Roman freuen.

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„Came Here For“ – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“

„I came here for love!“, dröhnt es mir aus den Boxen entgegen, als ich endlich am Rande der Tanzfläche stehe und mich mit der rechten Hand an der Bierflasche festhalte. Eine Basswelle von Vatergefühl rauscht mir durch den Körper, als ich die drei jungen Männer vor mir hopsen sehe, auf diese ihnen eigene Art, die ausdrückt, dass sie immer ganz bei sich sind und sei es auch nur für jene 90 Sekunden, bis der DJ schon wieder den nächsten Track hochzieht, damit niemand zu lange auf einer Spur bleiben respektive tanzen kann.

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Go Tell it on the Mountain – James Baldwins Debütroman in neuer Übersetzung

Unter dem etwas lauen Titel „Von dieser Welt“ ist der Debütroman „Go Tell it on the Mountain“ von James Baldwin in neuer Übersetzung bei dtv veröffentlicht worden. Meine Buch-Empfehlung im „kreuz & queer“-Blog lesen

Märchenhafte Ernüchterung – Michael Cunninghams „Ein wilder Schwan“

„Die meisten von uns“, heißt es gleich zu Beginn von Michael Cunninghams Erzählungsband Ein wilder Schwan, „führen ihr Verderben recht zuverlässig selbst herbei.“ Man mag zwar von Seiten Dritter noch überlegen, ob durch Flüche und Beschwörungen nachgeholfen werden kann, aber eigentlich ist das längst obsolet. So heißt der einleitende Text nicht zufällig „Ent. Zaubern“, und er umreißt in gewisser Weise das Schreibspiel, das der Autor sich und den Lesern anhand einiger Beispiele aus dem (westlichen) Kanon von Märchen gönnt.

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