Archive for the 'Gesellschaft' Category

Die Szene wird es künftig nur noch für wenige geben

Corona ist durch, weil es die Wirtschaft so will. Mit den ersten Öffnungen von Einzelhandel und Hotelbetrieben ist der Damm der Eindämmung gebrochen. Auch die Infrastruktur für Lesben und Schwule wird sich aufrappeln und „irgendwie“ wieder öffnen. Aktivisten streiten zwar noch um die richtige Form des CSD, Idealisten malen sich noch aus, dass wir ganz toll was gelernt haben und jetzt aber wirklich, wirklich zusammenstehen und uns füreinander interessieren, aber das kann man sich vielleicht schon wieder in die Haare schmieren, die ab sofort wieder vom schwulen Friseur des Vertrauens geschnitten werden und nicht mehr vom Lebenspartner. Von all den hehren Utopien und dem guten Gefühl, dass manche mit wirklich engagierten und voller Optimismus produzierten Online-Events verbreitet haben, wird in der Realität wenig übrigbleiben. Das, was an realer Infrastruktur überlebt, wird künftig nur noch einer begrenzten Zahl von queeren Menschen offenstehen. Was bislang immer gern verschwiegen wurde (genau: ein Tabuthema!), wird nun deutlich und schroffer zutage treten: Die queere Szene ist eine Zwei-Klassen-Welt.

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Die Angst vor der Urangst: Wie die Corona-Pandemie unser „Anderssein“ herausfordern kann

Die Corona-Pandemie ist für viele Menschen auf vielen Ebenen – körperlich wie mental, individuell wie für unser Gemeinwesen – eine Herausforderung. Es wird zu „sozialer Distanz“ aufgerufen, gemeint ist aber „räumliche Distanz in der Öffentlichkeit“. Um eine Verbreitung der Infektion zu verlangsamen, müssen wir aktuell genug Raum zwischen uns lassen. Das heißt aber nicht, dass wir die Sorge füreinander, das Soziale einstellen müssen.

Gleichwohl: Die Flut der Meldungen über Isolation, Selbstisolation, Quarantäne, Ausgangssperre ist dazu angetan, bei queeren Menschen, bei Homo- und Transsexuellen negative Emotionen zu verstärken oder wachzurufen, weil diese Begrifflichkeiten an existenzielle Bedingungen unseres Selbst, an grundlegende Urängste rühren.

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Ein Virus geht um … und unsere Geschichte lehrt uns, worauf es jetzt ankommt

Die Corona-Pandemie trifft nun auch die queere Community in Deutschland mit voller Wucht. In Berlin denkt man über eine Absage oder Verschiebung des CSD nach, das Schwule Museum hat bis mindestens 19. April seine Türen geschlossen, die Schwulenberatung muss ihr Angebot einschränken. In Stuttgart bleiben im schwulen Buchladen Erlkönig die Kunden aus, das Lesbenfrühlingstreffen in Heidelberg wurde abgesagt. Ganz zu schweigen von den unzähligen kulturellen Veranstaltungen, Lesungen, Ausstellungen, die bundesweit abgesagt werden. Und nicht nur in der Hauptstadt wird inzwischen erwogen, Bars, Cafés und Clubs generell zu schließen. Auch das beliebte Städte-Hopping von Event zu Event bleibt nicht unberührt: Das „Große Bärengehege“ bei der Gaydelight auf dem Stuttgarter Frühlingsfest im Mai ist ebenso abgesagt wie die Veranstaltungen vom MLC auf dem Münchner Starkbierfest oder das Fetischtreffen zu Ostern in Berlin.

Sprung über den Teich:

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„Noch Fragen?“ Die Linke hofiert LGBT-feindliche Propaganda aus Russland

Die Partei Die Linke und auch die in ihr agierende (oder agitierende) Linke.Queer geben sich hierzulande gern als Kämpfer*innen für die Rechte und die Gleichstellung von Homo- und Transsexuellen. Mag sein. Mit Politikern wie Klaus Lederer hat man in Berlin auch eine engagierte schwule Persönlichkeit im Senat.

Doch genauso wahr ist, dass Die Linke eines der – hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten – brutalsten Regime unterstützt: Russland unter Präsident Putin. Wie jetzt im „Spiegel“ nachzulesen ist, lud die Bundestagsfraktion der Linken Natalia Kovalevskaja von der Fakultät für Internationale Beziehungen an der Universität St. Petersburg zu einem Gespräch über die deutsch-russischen Beziehungen. Dabei wurde nicht nur die völkerrechtswidrige Annexion der Krim relativiert, sondern auch die LGBT-feindliche Politik Russlands verharmlost. Auf Nachfrage erklärte Natalia Kovalevskaja generös, dass Homosexualität in Russland nicht unter Strafe stehe. Was faktisch stimmt, auch wenn die Lebenswirklichkeit anders aussieht. Verboten sei nur Propaganda von Homosexualität und Pädophilie gegenüber Jugendlichen. Zitat:

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Zuquatschen statt zutexten: Zur Popularität von Podcasts

Der zeitgenössische queere Mann hört jetzt Podcasts – vorzugsweise im Fitnessstudio, in der U-Bahn oder in der schwulen Kneipe, sofern er überhaupt in eine Kneipe geht. Er tut das, weil er informiert sein will, weil ihn die Meinungen anderer interessieren und weil es alle machen.

Podcast erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Das liegt zum einen an der Geschäftstüchtigkeit von Streamingdiensten, die das Ohr der Abonnenten nicht mehr länger nur mit Musik, sondern auch mit Wort zukleistern wollen, um längere Verweildauer zu erzwingen.

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Unruhige Zeiten (auch) auf der Insel – Band 6 von Mayk D. Opiollas „Momentaufnahmen“

So verlässlich wie Weihnachten und Silvester verschönert auch ein neuer Band von Autor und Bloggerkollege Mayk D. Opiolla das Jahresende. Es ist das sechste Jahr, das der Ich-Erzähler der „Momentaufnahmen“auf Langeoog verbracht hat, und in 33 neuen Geschichten und Impressionen kann der Leser mit ihm die Zeit ebenso kurzweilig wie tiefsinnig Revue passieren lassen. (Über die beiden Jahre zuvor bzw. die Bände 4 und 5 kann man hier und hier im Samstag-Blog lesen.)
Man kann fast nicht glauben, dass sich im ersten Band noch der Satz „Ich bin kein gläubiger Mensch“ findet, denn mittlerweile hat sich das religiöse Bekenntnis des Erzählers gefestigt, was keineswegs heißt, dass sich damit auch das Hadern mit der Kirche als Institution erledigt hätte. Nur noch eher sporadisch, wenn auch auf irritierende Weise doch immer wieder der Erwähnung wert, geistert die irdische Liebe mit ihren Enttäuschungen und der Entsagung durch die Erzählungen.

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Wo bleibt die digitale Community?

Wahrscheinlich denken die meisten bei digitaler Community an Dating-Apps und an Internetportale, auf denen steht, wie man zur nächsten Party kommt. Aber vielleicht ginge ja noch etwas mehr, etwas anderes?

Kürzlich gab es in München, in der Reihe Männerakademie des SUB, einen Vortrag, der mich thematisch sehr interessiert hätte: „Selbstinszenierung als Herausforderung schwuler Männlichkeit“. Schade, dachte ich, dass es keinen Live-Stream oder eine öffentlich zugängliche Aufzeichnung gibt.

Warum eigentlich nicht? Das ist jetzt keine Frage/Kritik ans SUB, sondern konzeptionell an „die Zukunft“ „unserer“ „Community“. Dreimal Anführungszeichen, weil natürlich alle drei Begrifflichkeiten problematisch sind. Aber fürs Folgende sei gesagt, dass ich alle drei Begriffe wichtig und die Vorstellung einer lebendigen Gemeinschaft nicht obsolet finde, selbst wenn aktuell so ziemlich alles dagegen spricht.

Und vorneweg: Mir ist klar, dass digitale Community Geld, Equipment und viel Engagement von denen braucht, die sowieso schon was auf die Beine stellen. Also einerseits Mehrarbeit/Mehraufwand, andererseits aber auch die Chance, Diskussionen, Vorträge – schlichtweg: Wissen – über die lokale Community hinaus zugänglich zu machen.

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#Pride2020

Neue IWWIT/DAH-Broschüre: „Schwul. Trans*. Teil der Szene“

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