Archive for the 'Blogs & websites' Category

Alte Vorurteile, aktueller Hass – Vom langen Leben der Feindbilder

„Wie bei vielen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bedient sich auch der Hass auf Juden und Homosexuelle aus einem über Jahrhunderte aufgebauten ‚Vorrat‘ an Vorurteilen, Stereotypen, Unterstellungen und Zuschreibungen. Es erschreckt gerade angesichts der jüngsten Übergriffe auf jüdische Mitbürger, wie hartnäckig sich Ressentiments halten und – eigentlich noch schlimmer – wie hartnäckig sich ein Denken (oder ist es eher ein Nicht-Denken?) hält, Ressentiments seien eine Rechtfertigung für Gewalt. Was mich aber noch weit mehr beunruhigt, ist der Umstand, dass dieser ‚Vorrat‘ an Vorurteilen und kollektiven Feindbildern (der Einzelne wird dabei stets für die Gruppe verantwortlich gemacht) weiter aufgefüllt wird …“

→ Meinen Beitrag „Vom langen Leben der Feindbilder“ im „kreuz & queer“-Blog lesen

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Räume des Begehrens und Aufbegehrens – Zu zwei Ausstellungen im Schwulen Museum*

„Schmutziger“ Sex in engen Pissoirs und „reine“ Gedanken in der akademischen Welt. Was beides verbindet, das zeigen zwei Ausstellungen im Schwulen Museum* in Berlin …

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Frontalunterricht? Antidiskriminierungsstelle legt Studie zur Situation von LSBTIQ*- Lehrkräften vor

„43,5 Prozent der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, intergeschlechtlichen und queeren (LSBTIQ*) Lehrkräfte in Deutschland gehen an ihrer Schule offen mit ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität um; etwa ebenso viele (43,6 Prozent) sprechen explizit nicht darüber.“

Das ist eines der in dieser Woche von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) vorgelegten Ergebnisse der Befragung von 835 LSBTIQ*-Lehrkräften aus dem gesamten Bundesgebiet, die überwiegend an öffentlichen Schulen unterrichten. Darunter 336 schwule, 310 lesbische, 110 bisexuelle sowie 28 Trans*- und 8 Inter*-Personen. Die Studie ist nicht repräsentativ, wird aber von der ADS als exemplarisch für Erfahrungen von homo- und bisexuellen Lehrerinnen und Lehrern betrachtet.

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Nachrichten von der Insel – Mayk Opiollas „Momentaufnahmen“

Es ist bereits der vierte Band der „Momentaufnahmen“, den Autor und Bloggerkollege Mayk D. Opiolla nun veröffentlicht hat. Die Kulisse der – wie der Klappentext es formuliert – „kurzen, tagebuchartigen Erzählungen“ bildet die Insel Langeoog. Ein herrlicher Flecken Natur, dem, wie dem Ich-Erzähler selbst, Widrigkeiten nicht erspart bleiben und der auf seine Art zum „Mikrokosmos“ wird, „in dem alles Einzug hält, was einem auch anderswo das Leben verleidet: Wie im Großen, so auch im Kleinen“. Davon abgesehen: Über weite Strecken sind die „Momentaufnahmen“ eine liebevolle Hommage an die Insel. Zugleich aber sind sie – der aktuelle Band wie die vorangegangenen drei Bände – Erlebnisse und Wahrnehmungen des dort lebenden Erzählers im Laufe eines Jahres, Suchbewegungen nach Heimat, nach Liebe, nach einem Partner, nach Sinn, also all dem, was auch den Großstädter umtreiben kann. Der aber bräuchte, um es zuzugeben, erst einmal jene Distanz, die der Erzähler der „Momentaufnahmen“ quasi alltäglich hat.

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Der CSD als Besserungsanstalt?

Neben Bayern und Sachsen gehört auch Baden-Württemberg zu jenen Bundesländern, die sich durch eine unbändige Gier nach Sozialkontrolle und deren Institutionalisierung auszeichnen. Man könnte lachen über die aktuelle Peinlichkeit, die der CSD Stuttgart diesbezüglich zu bieten hat (queer.de vom 24.7.17), wäre es nicht gleichzeitig ein trauriger Beweis, wie weit die Tendenz zur Normierung von LGBT durch eben LGBT vorangeschritten ist und wie weit eine politische Parade bereits zu einem Erziehungsprojekt geworden ist. Dessen Ziel: Schwule und Lesben zu besseren Menschen zu machen.

Zunächst ist da eine arglose Sache: Eine Jury soll beim CSD in Stuttgart am 9. Juli aus den vorbeiziehenden Wagen (Formationen) den besten küren. Kriterien sind politische Botschaft, Kreativität, Umsetzung. So weit, so harmlos. Dann allerdings wird die wahre Intention deutlich, mit einer Wortwahl, die von der Entschlossenheit kündet, künftig die Reihen der Parade noch sauberer zu halten.

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Queer Palm für Aids-Dokudrama

Auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes wurde, wie erwartet, das französische Aids-Dokudrama „120 battements par minute“ (120 Schläge pro Minute) mit der Queer Palm als Bester Film mit einem für LGBT-relevanten Thema ausgezeichnet. Schon im Vorfeld war der Beitrag des Regisseurs Robin Campillo als Favorit gehandelt worden. „120 battements“ erinnert an den Kampf von Aids-Aktivisten im Umfeld der  französische ACT UP-Gruppe im Frankreich der neunziger Jahre.
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Nachtrag

Der gestrige Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie hat wieder unzählige Gruppen und Aktionen inspiriert, Zeichen gegen Hass und Gewalt zu setzen. So haben in Berlin mehrere LSBTI-Gruppen bei Prachtwetter einen Regenbogen vor dem Reichstag schweben lassen (Foto unten). Verbunden ist die Aktion mit einer Online-Petition „Die Vielfalt ist ein sicherer Ort für alle“. Um den Kölner Dom tanzten bunte Luftballons, in zahlreichen Städten informierten LSBTI-Gruppen. Sehr viele Zeitungen und Magazine haben den Tag mit Artikeln begleitet. Zu diesem Tag gehören leider auch Nachrichten von Übergriffen auf Aktivist_Innen; queer.de berichtet von Gewalt und Festnahmen etwa in der Ukraine, Georgien und Peru. Da ist es fast schon ein Lichtblick, dass eine Kundgebung in St. Petersburg wohl ohne Intervention durch staatliche Behörden verlaufen konnte.
Als jemand, der vor dem Schreibtisch saß, während andere an diesem Tag rausgingen, vielen Dank für das tolle Engagement. Es bleibt nur nachzutragen, dass eben jeder Tag ein Tag gegen Homophobie ist und sei es einfach dadurch, dass man sich weigert, das feindliche Gebrülle, das Aufstacheln, das Denunzieren anderer mitzumachen. Ein Vorfall in Berlin, bei dem eine Gruppe Männern von anderen Männern attackiert und homophob beleidigt wurde, zeigt einmal mehr, wie der Mechanismus von Ausgrenzung und Hass funktioniert. Die Angegriffenen gaben gegenüber der Polizei an, gar nicht schwul zu sein. Die Täter machen ihre Opfer zu dem, was ihnen, den Täter, vermeintlich das ‚Recht‘ gibt, zuzuschlagen. Und ist es nicht die sexuelle Orientierung, dann das feminine Auftreten, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nationalität, die politische Meinung gegen irgendeinen ‚Führer‘ in der Welt, dann ist es neuerdings auch schlicht die Armut und Bedürftigkeit von Menschen: Immer häufiger werden Obdachlose zum Ziel menschenverachtender Gewalt. Daran nicht zu verzweifeln, sondern weiterhin Flagge für eine andere Haltung gegenüber den Mitmenschen zu zeigen, das ist eine tägliche Aufgabe. Der gestrige Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie war ein Tag der sichtbaren Solidarität, die jeden Tag neu gelebt werden muss.


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