Archive for the 'Alltag' Category

Schein und Sein zum Jahresauftakt

Wegbrechen_sZum Jahresauftakt gab es im Netz die üblichen fröhlichen Instant-Pop-Up-Homosexualitäten, aber ansonsten? Also so „echt“? In „echt“ haben ausgerechnet jene Parteien, die von uns derzeit für ihre queerpolitischen Vorhaben gelobt werden, den realen Projekten den Geldhahn zugedreht.

In Thüringen befürchten LGBTIQ*-Organisationen, dass ihrer Arbeit 200.000 Euro gekürzt werden sollen, in Sachsen schickt man ein queere Schul- und Bildungsprojekt ins Aus. Bezeichnenderweise hieß das Förderprogramm „Weltoffenes Sachsen“, scheinbar ein Widerspruch in sich. Besonders irritiert, dass ausgerechnet die Sozialministerin Petra Köpping (SPD), die ja selbst zuletzt von Corona-Gegnern vor ihrem Wohnhaus mit einem Fackelaufmarsch eingeschüchtert werden sollte, queeren Menschen nicht einmal einen Schutz durch Aufklärung gewähren will. Während also die SPD-geführte Ampelkoalition im Bund hehre Ziele eines nationalen Aktionsplanes gegen Queerfeindlichkeit hat, wird auf Landesebene ausgedünnt, was Prävention gegen eben jene Feindlichkeit bedeuten könnte.

Weiterlesen ‚Schein und Sein zum Jahresauftakt‘

Braucht es eine Kryptowährung für LGBTQ?

Maricoin_LGBT-KryptowährungMit einer LGBTQ-Kryptowährung ist es möglicherweise wie mit queeren Weihnachtsmärkten: braucht niemand wirklich, wäre aber auch seltsam, wenn es sie nicht gäbe.

Nach einem Test mit zehn Unternehmen im queerem Viertel Madrids soll nun die digitale Währung „Maricoin“ eingeführt werden – ein Wortspiel aus dem spanischen Wort „Maricon“ für „Schwuchtel“ und dem englischen Wort „Coin“ für „Münze“. Die virtuellen Transaktionen sollen „trans“ heißen! Mitgegründet hat das Ganze der spanische Friseur und Unternehmer Juan Belmonte. Finanziell gestützt wird das Projekt von einer in Miami ansässigen Risikokapitalfirma, Borderless Capital. „Maricoin“ soll als Zahlungsmittel weltweit eingesetzt werden können, vorzugsweise von Unternehmen wie Hotels, Restaurants, Cafés. Sie alle sollen zuvor ein „equality manifesto“ unterzeichnen und dadurch ihre Unterstützung für die Rechte von LGBTQ zusichern. Die Gründer wollen die wirtschaftliche Macht der Community nützen, um die Welt zu verbessern.

Weiterlesen ‚Braucht es eine Kryptowährung für LGBTQ?‘

Arbeiterwohlfahrt startet Info-Seite zur queer-sensiblen Altenhilfe

queer-im-Alter_Arbeiterwohlfahrt

Gegenüber Alten- und Pflegeheimen bestehen viele Vorbehalte unter Homo-, Bi-, Transsexuellen. Obwohl einerseits im Alter durch Umstände wie Kinderlosigkeit bzw. geringer Unterstützung der Herkunftsfamilie stark auf professionelle Angebote der Altenhilfe angewiesen, lassen andererseits Erfahrungen mit Ausgrenzung viele befürchten, in Heimen nicht geschützt zu sein und die eigene Biografie erneut verheimlichen zu müssen. Die Arbeiterwohlfahrt hat seit 2019 ein Modellprojekt „Queer im Alter“ entwickelt, wie auch LSBTIQ* ein angst- und diskriminierungsfreies Umfeld ermöglicht werden kann, in dem sie akzeptiert und respektiert werden. Und dies nicht nur in den großen Metropolen, sondern flächendeckend und lebensortnah. Die „Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren“ (BISS e. V.) führte an ausgewählten „Modellstandorten“ eine Praxisbegleitung durch.

Weiterlesen ‚Arbeiterwohlfahrt startet Info-Seite zur queer-sensiblen Altenhilfe‘

Schwul & dement? Das Buch „Herausforderung angenommen!“ schildert, wie ein schwules Paar mit einer Demenz-Erkrankung umgeht

Buchcover_Herausforderung-angenommenIn seinem Vortrag „Demenz & Sexualität im Pflegealltag aus LSBTI* Perspektive“ auf einer Fachtagung im Jahr 2019 zum Thema „Demenz und Sexualität“ (PDF) schätzt Dieter Schmidt die Zahl von LSBTI* mit demenziellen Erkrankungen in Deutschland auf 122.000 Menschen. Gefolgt von dem Hinweis, dass es hinsichtlich des Themas „Demenz & LSBTI*“ bislang keine Untersuchungen im deutschsprachigen Raum gebe.
An diesem Befund wird sich wenig geändert haben – und insofern ist es erfreulich und wichtig, dass nun eine Schilderung des Lebens mit einer Demenz-Erkrankung aus der Sicht eines schwulen Paares vorliegt. 2017 erhält Beni Steinauer die Diagnose. Herausforderung angenommen! schildert, wie die Krankheit in ihren zahlreichen Ausprägungen seinen Alltag und das Zusammenleben mit Ehemann Rolf Könemann prägt. Wobei Wert auf die Feststellung gelegt wird, es handele sich um ein „Mutmachbuch“.

Weiterlesen ‚Schwul & dement? Das Buch „Herausforderung angenommen!“ schildert, wie ein schwules Paar mit einer Demenz-Erkrankung umgeht‘

November

HerbstblattGleich den letzten Blättern vom Baum fallen derzeit Unmengen von Artikeln und Podcasts zum Thema Depression, Einsamkeit, psychische Gesundheit, Suizid, Alter und Tod auf uns herab. Und kaum eine Verlautbarung kommt ohne den Rilke-Klassiker „Wer jetzt allein ist, der wird es lange bleiben!“ aus – das ist zwar kompletter Blödsinn, aber so als Tritt in die Weichteile der kuschelbedürftigen Seele verfehlt es seine Wirkung nie. Es ist November – und über die letzten Jahre hat es sich etabliert, dass eine breite mediale Phalanx die traurigen Themen abhakt, bevor dann im Dezember die gleichen, deren Einsamkeit einen gerade so sehr berührt hat, mit Bildern trauter und exklusiver Familien-Harmonie unterm Weihnachtsbaum torpediert werden.

Weiterlesen ‚November‘

Samstag ist ein guter Tag

Regenbogenobst_FotoRH

Samstag ist ein guter Tag … Aber was macht einen guten Tag aus? Noch dazu, wenn es ein Tag zum Schwulsein sein soll, wie der Buchtitel 2005 lautete? Themen wie „Selbstfürsorge“, physische und psychische Gesundheit („mental health“) sind mir in den letzten Jahren wichtiger geworden. Ich vermisse sie als ernsthafte Themen in meiner schwulen/queeren Welt. Sie tauchen meist auf, wenn es um Suizid oder Depressionen geht, werden also, wie fast alles in der LGBTQ-Welt, stets nur im Katastrophenfall wahrgenommen.

Weiterlesen ‚Samstag ist ein guter Tag‘

LGBTQ-Bewegung unterm Regenbogen: Magisch ist hier nix mehr!

regenbogen acht farben

Dafür, dass die Farben der Regenbogenfahne als Zeichen der LGBTQ*-Bewegung einen hauptsächlich spirituellen Hintergrund haben, ist es erstaunlich, wie viel Verachtung und Häme eben diese Bewegung heutzutage dem entgegenbringt, was weitestgehend unter dem Label „Spiritualität“ verstanden werden könnte.

Die Addition von zusätzlichen Farben im letzten Jahrzehnt, die trans pride, intersex und POC repräsentieren sollen, deutet an, dass wir heute Vielfalt hauptsächlich als Vielfalt verschiedener Gruppen (Communities) innerhalb einer sich als gemeinsam/solidarisch verstehenden LGBTQ*-Bewegung wahrnehmen.

Weiterlesen ‚LGBTQ-Bewegung unterm Regenbogen: Magisch ist hier nix mehr!‘


Archiv

Der Samstag anderswo

Der Samstag empfiehlt

Der Samstag empfiehlt