Archive for the 'Aktuell' Category

Am Morgen nach Halle

Der „Einzeltäter“ … wer, wenn nicht wir Homosexuellen, wüsste, dass Hass und Gewalt nicht einfach so entsteht, sondern auf eine jahrhundertelange „Tradition“ von homophoben Haltungen zurückgreifen kann und sich durch sie legitimiert glaubt. Der „Einzeltäter“ von Halle, dessen Versuch, eine Synagoge zu stürmen misslang, aber dennoch zum Tod zweier Menschen führte, steht in einer „Tradition“ des Antisemitismus und der Holocaust-Leugnung. Wer oder was bringt einen 27-Jährigen dazu, dass er meint, die Juden wären sein Problem, das er mit Gewalt lösen muss? Doch das Rätseln über den Täter ist nur eine Seite, vielleicht noch nicht einmal die wichtigste.

Es ist mmer leicht, anderen kluge Ratschläge zu geben, wenn die es sind, die im Zweifel eins drauf kriegen. Trotzdem: „Never going back“ heißt ein Slogan der queeren Geschichte – nie wieder zurück in den „Schrank“ des Verheimlichens, des Versteckens, sondern raus in die Öffentlichkeit, sichtbar sein. An diesem Morgen nach der Tat von Halle hoffe ich, dass jüdisches Leben mehr und deutlicher sichtbar wird in Deutschland. Denn bei aller Angst, neben der sachlichen Vermittlung von Geschichtswissen und der Aufklärung über Mechanismen des Stereotyps hilft nur das Miteinander im Alltag, die geschätzte und gepflegte Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens, der wohlwollende Blick aufeinander. Never going back!

Bayern erhält Beratungsstelle für Betroffene von homophober Gewalt

Bayern erhält eine Online- und Telefonberatung für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden. Das meldet das Sub, Münchens schwules Kommunikations- und Kulturzentrum. Im Lichte der aktuellen Berichte über gewalttätige Schläger auf dem Oktoberfest, die in ihrem Hass auf Homosexuelle auf alles einprügeln, was ihrer Ansicht nach schwul aussieht, erscheint die Notwendigkeit und Dringlichkeit eines solchen Angebots besonders deutlich. Wie das Sub in einer Pressemitteilung vom 4. Oktober 2019 schreibt: Weiterlesen ‚Bayern erhält Beratungsstelle für Betroffene von homophober Gewalt‘

Nichts, worüber man sich aufregen müsste

Wir wollen die gute Nachricht nicht verschweigen, sie ist bei queer.de zu finden: 86% der Berliner halten Homosexualität für „etwas völlig Normales“. So „normal“ wie die Gewalt gegen Homosexuelle und gegen Trans*Menschen, die dann wohl irgendwie aus dem Pool der übrigen 14% kommen muss. Und das in steigender Zahl, wie es scheint:

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Das Jahr der Singles

Der / die / das Homosexuelle existiert mittlerweile nur noch als Ehepaar. Ist er/sie Single, dann bleibt auch die sexuelle Orientierung unsichtbar.

Das lässt sich aktuell am Nachruf auf Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben in der Tagesschau bzw. auf tagesschau.de nachvollziehen. Er war nicht verheiratet, also bleibt seine Homosexualität (mit der er selbst nach dem Outing durch Inge Meysel offen umging) unerwähnt. „Ich hatte noch nie eine feste Beziehung, nur lockere. Ich habe keinen getroffen, mit dem ich mein Leben verbringen wollte.“ Dieser Satz in einem Interview von 2006 – warum sollte er nicht in einem öffentlich-rechtlichen Nachruf auftauchen? Er lebte also allein – hatte aber, wie es scheint, durchaus Freundinnen und Freunde. Damit dürfte Wieben dem Gros der Schwulen entsprechen.

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Edmund White, Christopher Isherwood, Walt Whitman – Queer Poetry in Berlin

Vom 14.-20 Juni 2019 findet, veranstaltet vom Haus für Poesie, das 20. poesiefestival berlin mit einem Programmpunkt Queer Poetry / Stonewall statt – zugleich eröffnet das Schwule Museum eine Isherwood & Bachardy-Ausstellung. Also jede Menge Literatur und Poesie in der Hauptstadt, die gerade am Vorabend des 50. Jahrestages des Stonewall-Aufstandes sowohl einen Blick zurück als auch nach vorne erlaubt.

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Tabu Einsamkeit: Wo der queere Aktivismus gerne wegschaut

Es ist bezeichnend, dass Einsamkeit in Deutschland vor allem als Kostenfaktor zum Thema wird. Noch bezeichnender ist, dass ein Thema wie Einsamkeit in der schwulen Welt überhaupt nicht vorkommt. In den queeren Medien gibt es nur eine Weise, Community zu betrachten, und das ist eine politische. Identitätsdebatten, Kampf gegen Diskriminierung und Forderungen nach politischen Bündnissen gegen Rassismus, Sexismus etc. überlagern alles. Selbst dort, wo es um ein so wichtiges Thema wie das Leben von Homo-/Transsexuellen im Alter geht, wird der Fokus auf einige wenige Wohnprojekte und – typisch Berlin! – den Kampf Schwule gegen Lesben gerichtet. Es müssen erst alte Grabenkämpfe ausgefochten werden, bevor dringend erforderliches gemeinsames Handeln möglich scheint. Zudem wird die Dimension des Themas wie des Problems völlig verkannt. Einige Leuchttürme, in die letztlich wenige Homosexuelle einziehen können, werden den Bedarf der kommenden Jahre und Jahrzehnte kaum decken.

So wie die Community und ihre politischen Verbände beim Thema Alter versagen bzw. sich im gehobenen Wegschauen üben, werden soziale Themen generell missachtet, gelten als Tabu.

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Ablenkungsmanöver – Warum der Ärger über Gabalier und Polunin richtig ist, aber möglicherweise auch die Ursachen verfehlt

Gabalier, Polunin, WDR 5 … die faschistoid-homophobe Selbstverständlichkeit feiert neue Urstände in Kultur und Medien und wird bagatellisiert. Wie immer empört man sich – was soll man auch sonst tun? Das Folgende sind unfertige Gedankenfragmente, entstanden aus dem Bedürfnis, mich zwar an aktuellen Geschehnissen abzuarbeiten, aber nicht der Versuchung zu erliegen, sie zur Ursache von tiefer liegenden Veränderungen zu machen.

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