Anschlag auf Schwules Museum in Berlin

Die queere Community Berlins steht weiterhin unter Beschuss – auch wortwörtlich. Am Morgen des 24. Februar haben Mitarbeiter*innen des Schwulen Museums im Bezirk Tiergarten sechs Einschussstellen an der Hausfront festgestellt – das teilte das Museum gestern, vier Tage nach der Tat, mit. Zwei Fensterscheiben, der Leuchtschriftzug und ein Kunstwerk vor der Eingangstür wurden dabei beschädigt. Zu möglichen Tätern gibt es derzeit keine Erkenntnisse. Der Vorstand des Schwule Museums geht von einem gezielten Angriff auf das Museum aus.

Es ist nicht der erste Anschlag auf das Schwule Museum: Im April 2020 wurde das Gebäude mit Steinwürfen attackiert, 2016 wurde es mit Metallkugeln beschossen.

Das Schwule Museum ist eines der größten LGBTQ-Museen der Welt und wird von Tausenden Interessierten jährlich besucht. Der erneute Anschlag reiht sich ein in eine Welle steigender Gewalt gegen queere Menschen in der Hauptstadt, die allerdings bislang ohne nennenswerte Reaktionen durch Politik und Gesellschaft blieb. Neben der Gewalt gegen Einzelne steht der Anschlag auf das Schwule Museum für den Versuch, auch die Safer Spaces der Community zu bedrohen.

Quelle: PM des Schwulen Museums (28.2.2023)

1 Antwort to “Anschlag auf Schwules Museum in Berlin”


  1. 1 Ralf März 4, 2023 um 9:58 am

    … zunehmende Welle der Gewalt … keine Reaktion aus Politik und Gesellschaft…

    Wen wundert das in einem Land, in dem die Regierungschefin 16 Jahre lang unwidersprochen ihr Mantra öffentlich predigen konnte, dass Vielfalt lediglich die der „Kulturen und Religionen“ ist; in dem auch 78 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft queere Menschen als einzige Opfergruppe noch immer nicht von Verfassungs wegen geschützt sind, so dass das vermeintliche Recht politischer und religiöser Hetzer auf „Meinungsäußerung“ schwerer wiegt als Würde und Grundrechte von LSBTI; in dem allgemein die Eheöffnung als endgültiger Abschluss des Emanzipationsprozesses angesehen wird, nach dem es nichts mehr zu verbessern gibt – und in dem es dem queeren Aktivismus breitmehrheitlich seit Jahrzehnten nur noch darum geht, uns in der Masse der Bevölkerung kaum noch wahrnehmbar verschwinden zu lassen, während eine Minderheit der Bewegung sich darauf konzentriert, einen ebenso ermüdenden wie für unsere Akzeptanz nicht ungefährlichen Kreuzzug um Sternchen und Schluckauflaut zu führen statt um unsere Rechte und unsere Sicherheit.


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