In den Tod geprügelt: trans Mann Malte C. stirbt nach Attacke beim CSD Münster / Tatverdächtiger festgenommen / Tausende bei Gedenkkundgebung

Was für eine schockierende und traurige Nachricht: Der 25-jährige Malte C., der vor einer Woche beim CSD Münster von einem Unbekannten brutal attackiert worden war (Bericht queer.de, 29.8.22), ist seinen Verletzungen erlegen.

Malte C. hatte sich gegen einen unbekannten Mann gestellt, als dieser lesbische CSD-Teilnehmerinnen (verbal) bedroht hatte. Daraufhin prügelte der Mann auf Malte C. ein, bis dieser das Bewusstsein verlor, zu Boden stürzte und mit dem Kopf auf den Asphalt aufschlug. Nach Tagen im Koma ist Malte C. am heutigen Freitagmorgen gestorben.

In Münster findet heute um 18 Uhr eine Kundgebung am Rathaus „gegen Gewalt an queeren Menschen“ statt.

Fahndung der Polizei Münster nach dem Täter:

„Der Tatverdächtige ist fußläufig mit einem Begleiter in Richtung Industriestraße geflüchtet. Zeugen beschrieben ihn als 1,70 bis 1,80 Meter großen 18 bis 20 Jahre alten Heranwachsenden mit schmächtiger Statur und einem Bart. Er sei mit einer Jeans mit breit ausgestellten Beinen, einem T-Shirt und einem Anglerhut bekleidet gewesen. Sein Begleiter soll gleichen Alters, ebenfalls männlich und mit einem weißen T-Shirt bekleidet gewesen sein.

Die Polizei fragt: Gibt es weitere Personen, die Hinweise zur Identifizierung des Täters, seines Begleiters, zum Tatverlauf oder zu den Tatumständen geben können? Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 0251 275-0 entgegen.“ (Quelle: PM Polizei Münster; Stand: 2.9.22)

Update 1: 20-jähriger Tatverdächtiger festgenommen

„Einsatzkräfte einer Mordkommission werteten mehrere Zeugenhinweise aus der Bevölkerung und umfangreiches Bild- und Videomaterial aus. Die Beamten fanden Bilder vom mutmaßlichen Täter. Im Rahmen der Fahndung erkannte eine Ermittlerin der Mordkommission den Tatverdächtigen am Hauptbahnhof und nahm ihn fest.
Die Staatsanwaltschaft Münster beabsichtigt, beim Amtsgericht einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu stellen. Die Vorführung des 20-Jährigen soll noch am Samstag erfolgen.“ (Ouelle: PM Polizei und Staatsanwaltschaft Münster)

Update 2: Große Kundgebung in Münster / Reaktionen

Mehrere tausend Menschen haben sich am Abend zur Kundgebung gegen Gewalt an queeren Menschen und zum Gedenken an Malte C. versammelt. Die Stadt Münster will Flaggen an städtischen Gebäuden auf Halbmast setzen und Trauerbeflaggung am Rathaus anbringen. Auch aus der Bundespolitik zahlreiche Mitleidsbekundungen. Bericht via queer.de

6 Antworten to “In den Tod geprügelt: trans Mann Malte C. stirbt nach Attacke beim CSD Münster / Tatverdächtiger festgenommen / Tausende bei Gedenkkundgebung”


  1. 1 Bernd Gaiser September 3, 2022 um 4:37 am

    Solche Entsetzen und Trauer auslösenden, schwer begreiflichen Ereignisse, wie der Tod Maltes, sind nur im Zusammenhang des Hasses gegen Menschen wie ihn nachvollziehbar, der sich auf vielfältige Weise äußert. Um in diesem Fall, dem eines Tranmannes, im gewaltsamen Tod des Betroffenen zu enden. Wo bleibt der Aufschrei, wenn Angehörige der Partei AfD, wie Beatrix von Storch, die Gelegenheit der Diskussion zum Dritten Geschlechtseintrag im Rahmen des Personenstandsgesetzes im Bundestag zum Anlass nehmen, Menschen wie ihn zu pathologisieren. Um damit an einer Tradition anzuknüpfen, die daran erinnert, dass wir als Schwule beispielsweise vor kaum mehr as vierzig Jahren vom Vorwurf betroffen waren, entweder krank oder kriminell zu sein. Heute bin ich dankbar dafür und glücklich darüber, dass Deutschland nicht mehr in Gänze das Land ist, in dem geboren und aufgewachsen bin. Ohne zu vergessen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir agieren. Was mich, wie im Fall Maltes, fassungslos macht.

  2. 2 Geflügel mit Worten September 5, 2022 um 7:19 am

    Danke für Deinen Beitrag. Wie viel in der Gesellschaft noch zu tun ist, zeigt sich spätestens nach Lektüre der Kommentarspalten bei facebook. Ein Mann wurde totgeprügelt, weil er Frauen helfen wollte? — Erster Kommentar: „Das war ’ne Frau!“. Man möchte schreiend im Kreis rennen. Als würde bei trans* Personen jede andere Eigenschaft null und nichtig.

  3. 3 Ralf September 6, 2022 um 9:25 am

    Wenn man bedenkt, welch großen Aufschrei landesweit es gab und wie ausführlich medial davon berichtet wurde und wie eifrig Entsetzens- und Beileidskundgebungen aus der Politik sich vernehmen ließen, als seinerzeit jener Mann, dessen Namen ich leider nicht präsent habe, in ähnlicher Situation an einer S-Bahnhaltestelle totgeprügelt worden war, nimmt man doch einen deutlichen Unterschied wahr. Bei jenem heterosexuellen Cis-Mann war Deutschland geschockt und empört, bei einem Transmenschen nimmt es die Sache eher unbewegt zur Kenntnis und hakt sie ab. Damals lief es auf der Skala zu Wert 10 auf, heute reicht es gerade mal zu Wert 2, ehrenwerte lokale Reaktionen ausgenommen. Jener Mann damals erhielt postum das Bundesverdienstkreuz… hört man heute was aus dem Hause Steinmeier…? Ein Gewaltopfer ist halt im biedermeierlichen Deutschland kein richtiges Gewaltopfer, wenn ihm doch irgendwie der Ruch pfuibäh angeheftet werden kann. Und wie wir schon wissen: Der Fall hat bereits Schule gemacht.

  4. 4 Ralf September 10, 2022 um 8:45 am

    Warum schreibt SiegT eigentlich nicht, dass es sich beim mutmaßlichen Täter um eine Person mit kaukasisch-muslimischem Migrationshintergrund handelt, zumal sich aus der Herkunft aus der extrem queerfeindlichen russischen Republik Tschetschenien aller Wahrscheinlichkeit nach das Tatmotiv ergibt?

    • 5 RH September 10, 2022 um 10:36 am

      Zum Zeitpunkt, da ich den Post verfasste, wusste ich es nicht (da gab es gerade mal die Polizeimeldung, dass ein Tatverdächtiger gefasst worden ist). Aber allgemein: Was soll dieses Bashing gegen mich? Diese blödsinnige Unterstellung (suggeriert durch den Tonfall der Formulierung), ich würde jetzt ganz absichtlich was unterdrücken?

      • 6 Ralf September 10, 2022 um 12:11 pm

        Simple Frage, harsche Antwort. Nicht jede Frage, lieber Rainer, enthält gleichzeitig eine böswillige Unterstellung. Meine z.B. enthielt keine. Aber ich erkläre gern den Hintergrund meiner Frage: Ganz zu Recht machte Jan Fleischhauer gestern Abend in Servus TV (nein, ich bin kein Fan dieses verschwörungstmythologischen Senders und nicht mal grundsätzlich Gesinnungsfreund von Jan Fleischhauer, den ich in einem Leserbrief an den Spiegel, für den er damals eine LGBTI-giftige Kolumne geschrieben hatte, als Rechtsausleger bezeichnete, aber leider hat der Mann doch allzu oft recht, wenn er linke Heuchelei entlarvt, und kleidet das auch in sprachlich feine Form)… also J.F. machte darauf aufmerksam, dass antiqueere Gewalt überproportional auf muslimische Migranten zurückgeht und dazu gerne Schweigen in Politik und Publizistik herrscht bei denen, die sonst so gerne das Volk zur Akzeptanz erziehen wollen. Deshalb meine Frage. Dass dieser Sachverhalt Dir bei der Abfassung des Artikels noch nicht bekannt war (ehrlich gesagt konnte sich’s der erfahrene Beobachter aber fast denken, was indes für einen sachlichen Artikel natürlich fehl am Platze gewesen wäre), ist ja eine befriedigende Antwort auf eine neugierige Frage. Freilich… nach zwei Updates hätte einem dritten nichts im Wege gestanden… Aber so weit dachte ich bei Fragestellung gar nicht. Ich bin selbst schon Zielscheibe von Drohungen und von Gewalt gewesen und mir nahestehende Personen auch – soll man’s glauben: Die Täter waren mit einer einzigen Ausnahme muslimische Migranten. Das macht mich sensibel für das von J.F. angesprochene Schweigen. Gleichwohl bleibt es dabei: Das war eine Frage, keine Unterstellung.


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