Berlin: Gesundheitsamtsleiter spricht von Konsens, Impfstoff gegen Affenpocken vorerst nicht präventiv einzusetzen

Nach aktuellen Zahlen des Robert Koch Institus (RKI; Stand: 15.6.2022) sind in Deutschland 263 Affenpockenfälle aus 11 Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen,  Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein) gemeldet. In Berlin (Stand: 14.6.2022) gibt es laut Gesundheitsverwaltung 168 laborbestätigte und 17 hospitalisierte Fälle.

Laut Berliner Amtsarzt und Leiter des Gesundheitsamtes Neukölln, Nicolai Savaskan, soll es – berichtet u.a. die „Berliner Zeitung“ – einen Konsens unter den Gesundheitsämtern der Stadt geben, „dass der Impfstoff erst einmal nicht präventiv bei bestimmten Gruppen eingesetzt werden solle – sondern vor allem bei Menschen, die tatsächlich engen Kontakt zu Infizierten hatten“.

In einer Beschlussvorlage hatte das RKI letzte Woche eine solche präventive Impfung neben Laborpersonal und Menschen, die in engem Kontakt mit bereits Infizierten stehen, auch für Männer, die Sex mit wechselnden Partnern haben, empfohlen (S.i.e.g.T.-Bericht) .

Eine Lieferung von Pockenimpfstoff soll(te) heute erfolgen; wann er nach welchem Schlüssel durch das Bundesgesundheitsamt an die Länder verteilt wird, scheint noch nicht bekannt, so „rbb24“.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO/Europa warnte via Twitter und in einer Pressekonferenz (Bericht auf queer.de), dass der Sommer  mit regem Tourismus, verschiedenen Pride-Veranstaltungen, Musikfestivals und anderen Massenzusammenkünften reichlich Gelegenheiten biete, dass das Virus sich unter jungen, mobilen, sexuell aktiven Menschen ausbreite. Gleichwohl sei das Affenpockenvirus kein Grund, Veranstaltungen abzusagen. Es sei wichtig, zu diesem frühen Zeitpunkt länderübergreifend Erkenntnisse zu gewinnen und weiterzugeben. Steve Taylor, Direktor der European Pride Organisers Association, betonte in der Pressekonferenz: Man wolle mit Fakten darauf hinwirken, dass die Menschen sich, ihre Liebsten und ihre Community schützen könnten. (Quelle: Tagesschau.de)

Die WHO fordert einen fairen Zugang zu Impfstoff für alle Länder und reagiert mit dem Vorschlag eines „Teilhabe-Mechanismus“ auf Kritik, nie einen Impfstoffeinsatz in jenen Teilen Afrikas vorgeschlagen zu haben, in denen das Virus bereits seit Jahren häufig auftrete.

Derweil soll auch ein anderer Name für diese Form der Pockeninfektion gefunden werden. Der Name sei stigmatisierend (weil er auf eine Herkunft aus Afrika hinweisen könne) und außerdem wissenschaftlich ungenau, weil das Virus nach heutigen Erkenntnissen eher unter kleinen Nagetieren verbreitet sei. „Die Affen gelten nur als sogenannter Fehlwirt“, heißt es im „DLF“.


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