Schwule Krimis für den Bücher-Herbst

KrimisZu zwei Krimis aus dem Querverlag habe ich auch ein klitzekleinwenig beigetragen und bin insofern möglicherweise ein bisschen befangen, gleichwohl seien sie geneigten Leser*innen empfohlen. Beide sind zeitlich im Herbst/Winter angesiedelt, das macht sie geradezu ideal für die Jahreszeit, wo man sich ohne Rechtfertigung mit Buch aufs Sofa, Bett oder an sonstigen ungestörten Lieblingsort zurückziehen kann. Wobei für Fans des Krimi-Genres eigentlich jederzeit die richtige Zeit für die Untiefen des Menschen ist! Es geht um neue Krimis von Felix Haß und Roland Gramling …

Felix-Haß_BlankBereits im Frühjahr erschien „Blank“ von Felix Haß. Hier beginnt alles in einer Sauna in Berlin-Pankow, die es tatsächlich einmal in die Schlagzeilen der Tagespresse schaffte, weil sie ihren „Herren-Tag“ aussetzen wollte. Nun findet sich hier ein nackter Mann höchst unlebendig und wird zum Fall für Kommissar Steffen Lentz. Zwar wird bald ein Verdächtiger ermittelt, der leidet aber an einer speziellen Form des Gedächtnisverlustes. Sein Versuch, durch freundschaftliche Annäherung mehr über den behelfsweise Fabio genannten Mann zu erfahren, zieht alsbald den Kommissar selbst in ungeahnte Schwierigkeiten. Die Grenzen zwischen Privatem und Dienstlichem verschwimmen und fördern in der Tat verdrängte Erinnerungen hervor.

Ganz unbescheiden sei auch auf den Kulturfritzen-Podcast verwiesen, in dem Marc Lippuner sich mit Felix Haß über den Krimi unterhält und in dem der Autor netterweise Nettes über seinen Lektor sagt.

Roland-Gramling_Tote-foltern-nichtIm September erschienen ist Roland Gramlings „Tote foltern nicht“. Hier sieht sich der schwule Privatdetektiv Sören Petersen zunächst in die Suche nach dem verschwundenen Sohn einer bekannten Politikerin und wenig später in bizarre Mordfälle verwickelt. Nach und nach enthüllt sich ein mysteriös-verschwörerisches Motiv hinter den Taten, dessen Aufklärung Sören Petersen in einen schwer zu durchschauenden Sumpf sowohl innerhalb der queeren Szene wie auch in den Polit-Zirkeln der Hauptstadt zieht. Erst sehr spät wird dem Detektiv klar, dass hier jemand seit langem einer höchst eigenwilligen Weltsicht folgt und auch er Teil eines Plans ist, der seinen Ursprung in den Abgründen der menschlichen Seele hat.

Während Felix Haß seinen Krimi-Plot anhand weniger Personen und mit viel Empathie und Neugier für deren Verhalten erzählt, breitet Roland Gramling ein großes Tableau aus und verwebt äußerst geschickt viele kleine Einzelgeschichten miteinander. Beiden Krimis gemeinsam ist, dass sie von der Figur des sachlich distanzierten Aufklärers Abschied genommen haben und der Kommissar bzw. der Privatdetektiv auf dem Weg zur Lösung des Falls mit seinen eigenen Schwächen und Stärken konfrontiert wird. Die jeweiligen schwul-queeren Vorlieben können dabei des Rätsels Lösung durchaus in die Quere kommen.

Buchinfos:

Felix Haß: Blank. Krimi, Querverlag 2021, 272 Seiten, 14 €.

Roland Gramling: Tote foltern nicht. Krimi, Querverlag 2021, 568 Seiten, 18 €.


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