Eine kurze Notiz zum Tod Alfred Bioleks

Am heutigen Freitagmorgen ist der Entertainer Alfred Biolek im Alter von 87 Jahren gestorben. Er sei friedlich eingeschlafen, zitieren die Agenturen Bioleks Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie.

In der Zeit, als Alfred Biolek mit Sendungen wie „Bio’s Bahnhof“ bekannt wurde – Ende siebziger, Anfang achtziger Jahre -, liegt mein schwules Coming-out und die mehrjährige Arbeit in einer Schwulengruppe und einer Aids-Hilfe. Mein Vater hatte einen besseren Gaydar als ich („Der Biolek ist ein bisschen feminin!“), die Sendungen von Biolek waren gleichwohl Bestandteil des Familienfernsehens!). Als Alfred Biolek dann 1991 in einer TV-Show von Filmemacher Rosa von Praunheim geoutet wurde, erhitzte sich auch mein Gemüt an der Frage, ob man das durfte, aber noch mehr an der tiefen Enttäuschung über das Schweigen und das Wegducken von Biolek. „Offen, aber nicht öffentlich“, lautete (s)eine Formel. Dafür hatte ich damals kein Verständnis. Seiner Popularität hat das Outing Bioleks keinen Abbruch getan. Die Koch- und Plauderszene „alfredissimo!“ war lange Zeit überaus erfolgreich.

Es ist wahrscheinlich eine besondere Ironie der schwulen Geschichte, dass jemand, der sich in einer für Homosexuelle dunklen Zeit zunächst wegduckte, letzten Endes viel für die Akzeptanz von Homosexualität bewirkt hat. /©RH


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