Chance für das „Eagle“? Stadt Stuttgart reagiert auf Kritik

Das mögliche Aus der Stuttgarter Kneipe „Eagle“ durch Auflagen der Stadtverwaltung, in denen auch die „Sittlichkeit“ des Lokals als fragwürdig bezeichnet wird, hat ein großes Echo in den sozialen Medien und auch in der Presse gefunden. In die Empörung mischte sich – wie auch in meinem Artikel – Wut und Verärgerung über den Grünen-OB Fritz Kuhn bzw. die Grünen oder „die Politik“ als solches. Nun aber hat die Stadt Stuttgart mit einer Twitter-Nachricht auf die Situation reagiert:

Wie einem Beitrag der „Stuttgarter Zeitung“ zu entnehmen ist, wollte sich Andreas Scharf, der Sprecher der Stadt Stuttgart, zu der Formulierung der Gaststättenbehörde, von der Schwulenbar gehe „eine Gefahr für die Sittlichkeit“ aus, nicht äußern.

Alles in allem zeichnet sich also eine Chance für die neuen Betreiber vom „Eagle“ ab, die einstige Lederkneipe mit Darkroom weiterzuführen. Und es ist wirklich gut, dass die gescholtene Stadt reagiert und eine gemeinsame Suche nach Lösungen anbietet. Es wäre allerdings schade, wenn es bei einem singulären Aufschrei und einer singulären Lösung bliebe. Das „Eagle“ ist ja keine Ausnahmeerscheinung in der ungebrochen in allen Großstädten vorangetriebenen Gentrifizierung mit Verteuerungen und Vertreibungen der angestammten Bewohner und Kneipen aus sanierten Vierteln. Das „Eagle“ ist ja kein Einzelfall in der seit Jahren anhaltenden Welle der Schließungen von Kneipen für queere Menschen. Ich mag den „Schutzraum“-Begriff nicht besonders, aber natürlich geht es darum, Räume für unser Begehren zu erhalten – im Zusammenspiel mit einer intakten Stadtstruktur, die gut für alle Menschen ist und in der Vielfalt, Offenheit, Toleranz nicht vom Status oder dem Einkommen abhängig sind und ein gutes Leben nicht allein den Besserverdienenden vorbehalten bleibt.


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