Geheimnisvoller Edward II.

Autor Markus Dullin ist eigentlich für seine im Querverlag veröffentlichten Kriminalromane bekannt. Mit dem historischen Roman „Wilhelm der Waliser“ wechselt er zwar das Genre, freilich ohne seine Lust an Rätselhaft-Mehrdeutigem aufzugeben. Ausgangspunkt ist ihm der ungeklärte Tod des englischen Königs Edward II. 1327, nachdem dieser gewaltsam zur Abdankung gezwungen worden war. Obwohl offiziell eines natürlichen Todes gestorben, halten sich bis heute zwei andere Gerüchte: Die eine besagt, Edward sei ermordet worden – durch eine glühende Eisenstange, die man ihm in den After schob, um ihn damit auch für seine Homosexualität abzustrafen; die andere, dass er aus der Gefangenschaft befreit und als William le Galeys (Wilhelm der Waliser) durch Europa gereist und schließlich als Einsiedler in der Lombardei gestorben sei. Handelte es sich um den echten Edward oder um einen Hochstapler, der sich als Edward ausgab?

Markus Dullin gestaltet letztere These aus: Aus der Sicht Wilhelm des Walisers, eines armen Mönchs, erzählt, schildert er ein Treffen auf der Rhein-Insel Niederwerth im September 1338. Dort soll der mutmaßliche Edward II. seinen Sohn, Edward III., der nun England regiert, sprechen können. Eine für den König nicht ungefährliche Begegnung, denn wäre dieser ominöse Wilhelm wirklich sein Vater, dann könnte dieser Ansprüche auf den Thron erheben. Um die Wahrheit herauszufinden, reist auch Isabella an, die einstige Gemahlin Edward II. – maßgeblich an dessen Sturz beteiligt, nicht zuletzt weil ihr Ehemann den jungen Hugh le Despenser bevorzugte. So findet sich Wilhelm der Waliser wie die Leser*innen nicht nur in verwandtschaftlichen Verstrickungen, sondern auch in einem politischen Spiel um Macht wieder.

Indem sich Markus Dullin auf das Treffen auf der Insel konzentriert und seine Protagonist*innen auf engstem Raum aufeinandertreffen lässt, erhält das Geschehen einen kammerspielartigen Charakter. Der Vater-Sohn-Konflikt, die Hassliebe einer Ehe, die Homosexualität und die von Erinnerungen geprägten Gefühle Wilhelm des Walisers für seinen jungen Helfer Piers, die Interessen von Kirche und Königen, all das sorgt für psychologische Dichte und Spannung im Gewand des historischen Romans.

Buchinfo: Markus Dullin: Wilhelm der Waliser. Das geheime Leben König Edwards II. von England, Oeverbos Verlag, 344 Seiten, 14,90 € (Paperback); 9,49 € (e-book). Link zur Verlags-Website

 


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