Bayern erhält Beratungsstelle für Betroffene von homophober Gewalt

Bayern erhält eine Online- und Telefonberatung für schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von Gewalt wurden. Das meldet das Sub, Münchens schwules Kommunikations- und Kulturzentrum. Im Lichte der aktuellen Berichte über gewalttätige Schläger auf dem Oktoberfest, die in ihrem Hass auf Homosexuelle auf alles einprügeln, was ihrer Ansicht nach schwul aussieht, erscheint die Notwendigkeit und Dringlichkeit eines solchen Angebots besonders deutlich. Wie das Sub in einer Pressemitteilung vom 4. Oktober 2019 schreibt:

„Das Thema männlicher Gewaltbetroffenheit ist generell schambesetzt und steht bisher kaum im sozialen und politischen Fokus. Insbesondere schwule, bisexuelle und queere Männer*, die Opfer von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt, Diskriminierung oder Mobbing wurden, brauchen Beratungsangebote; niedrigschwellig, unkompliziert und anonym.“ Es sei Behörden oft nicht ersichtlich, ob Gewalttaten einen homophoben Hintergrund haben. Durch den Aufbau des Online- und Beratungsangebots verspicht man sich im Sub, neben einer zielgruppengerechten Hilfestellung für Betroffene auch einen Beitrag zu validen Zahlen bezüglich homophober Übergriffe leisten zu können.

Die Förderung des Aufbaus einer bayernweiten Beratung ist Teil eines Drei-Stufen-Plans der Bayerische Staatsregierung zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention um. Jährlich fließen in das Gesamtprojekt vier Millionen Euro, die für den Schutz und die Prävention von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt gegen Männer vorgesehen sind. 83.000 € davon gehen an das Sub, wo man sich vom Beratungsprojekt auch einen „Vorbildcharakter“ für andere Bundesländer erhofft.

Hassverbrechen aufgrund sexueller Orientierung und/oder Geschlechtsidentität werden von den Bundesländern nicht gesondert erfasst und auch nicht öffentlich gemeldet. Eine Ausnahme bildet Berlin. Hier gibt es zudem eigene Ansprechpartner bei Polizei und Staatsanwaltschaft. Mit Maneo besitzt die Hauptstadt auch ein eigenes Anti-Gewalt-Projekt. Für 2019 wird bereits jetzt eine starke Zunahme Gewalttaten gegen LSBTI bundesweit gemeldet. In Berlin häufen sich Meldungen von Verbrechen mit homophobem Hintergrund. (Darüber, dass dies ohne nennenswerte Reaktionen von seiten der Politik oder der Community bleibt, haben wir uns kürzlich nicht aufgeregt.)

Link: SUB – Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V.


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