US-Botschafter Richard Grenell sollte sein Amt sofort aufgeben!

Es ist die Normalität, die wir uns immer gewünscht haben: Richard Grenell, der neue US-Botschafter für Deutschland, wird nicht nur im Weißen Haus im Beisein seines Partners vereidigt, er bringt ihn auch gleich mit zum Bundespräsidenten Steinmeier, wenn er in Berlin seine Akkreditierung erhält.

Zu dieser Normalität gehört allerdings auch, dass der neue US-Botschafter Republikaner und ergebener Vasall seines Präsidenten Trump ist, dass er von einem expliziten Homo-Feind, vom US-Vizepräsidenten Mike Pence, vereidigt wurde.

Zur Normalität gehört, dass Richard Grenell sein Amt als Botschafter nicht im Hinblick auf ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika sieht, sondern als Vorposten der dreisten Rhetorik seines Präsidenten. Dessen Absage an den Iran-Deal war noch kaum ausgesprochen, da drohte Richard Grenell unverhohlen und mit nie gekannter Klarheit der deutschen Wirtschaft – natürlich per Twitter, wie es auch sein Boss tut. Sie müsse sofort („immediately“) die Geschäfte mit dem Iran einstellen. Mit Richard Grenell haben wir einen US-Botschafter, der das Unwesen seines Präsidenten nach Deutschland trägt: Unfrieden stiften, aufstacheln. Es gab auch Kritik an seiner Äußerung, wie „Spiegel online“ berichtet, allerdings ohne Folgen: „Auf Nachfrage, was er denn zu dem Tweet sage, antwortete Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwochvormittag ziemlich schmallippig: ‚Nichts‘.“

Zur Normalität gehört für Richard Grenell als Botschafter anscheinend, dass Politik nicht Debatte, sondern Drohung und demagogisches Kriegshandwerk ist.

Er gehört zur Klasse der Upper-Class-Schwulen, die die Freiheiten, für die ausschließlich andere gekämpft haben und verfolgt wurden, selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen, aber genauso selbstverständlich auf die Distanz zu Schwulen und Lesben achten. „Für LGBTI-Rechte hat sich Grenell bislang nicht offen eingesetzt“, stellt queer.de in lakonischer Knappheit fest. In den USA explodiert die Gewalt gegen Homo-, vor allem aber gegen Transsexuelle bzw. Trans*Personen. Wiederum ist es queer.de, die darüber berichtet: Die National Coalition of Anti-Violence Programs (NCAVP) zählte 2017 52 Morde, die aus Hass auf sexuelle oder geschlechtliche Minderheiten verübt wurden. Im Jahr 2016 waren es 28 „individuelle“ Morde, dabei wurden die Toten des Orlando-Massakers (49 Tote) allerdings nicht mitgezählt. „Mit 40 Prozent der Opfer machen Trans-Frauen in dieser Statistik die größte Gruppe aus.“

Richard Grenell ist also nicht nur politisch auf Konfrontationskurs zu unserer Demokratie und versucht sie schon am ersten Tag seines Amtsantritts zu attackieren, indem er selbstherrlich Befehle erteilt. Er ist nicht um ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft bemüht, sofern man darunter nicht Wegducken versteht. Er ist einer jener auf Karriere bedachten Wohlstands-Homosexuellen, die gerne Feigenblatt für LGBT-feindliche Politik sind. Die wegschauen und schweigen, wenn Morde an anderen Homosexuellen begangen werden. Die wegschauen und schweigen, wenn in den USA durch Trump und seine Republikaner Rechte von LGBT geschliffen werden.

Homosexualität ist normal geworden. Richard Grenell im Amt des US-Botschafters für Deutschland ist es definitiv nicht. / ©RH

Weitere Artikel (Nachtrag 10.5.).:

• Die „Welt“ über Grenell mit Verweis auf Jens Spahn

• „Washington Post“ über Grenells Affront gegenüber dem Gastland

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6 Responses to “US-Botschafter Richard Grenell sollte sein Amt sofort aufgeben!”


  1. 1 Ralf Mai 10, 2018 um 8:31 am

    Wäre unsere Bundeskanzlerin nicht so elend feige, wie sie nun mal ist, und nicht so vollkommen desinteressiert an Wohl und Wehe unseres Landes und Volkes, wie sie ist, dann hätte sie nicht gezögert, diesen Botschafter öffentlich zurechtzuweisen. Dass das ein ehem. Staatssekretär an ihrer Stelle tut, während sie schweigt, als hätte es diesen Angriff auf unsere Souveränität und die Freiheit unseres Handels nicht gegeben, ist ein Armutszeugnis für die Bundesregeriung und ein weiterer Beleg für die absolute Unfähigkeit von Angela Merkel.

    Was Grenell persönlich angeht, erinnert er an Guido Westerwelle, Udo Walz und ähnliche charakterlose Figuren, die rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz nicht fördern oder sie gar bekämpfen (siehe beider Auftreten nicht etwa gegen die Ehe, sondern schon gegen die Lebenspartnerschaft in deren Schmalspurform) und zufrieden sind, die Hofnarren unserer Gegner zu spielen – aber dann hinterher von den gegen sie erkämpften Erfolgen Gebrauch machen, also z.B. sich verpartnern. Solche Typen sind nicht schwul, sondern bestenfalls homophil, denn zum Schwulsein gehört, dass man weiß, wer man ist, und dass man daraus die Folgerung zieht, die eigene Identität selbstbewusst zu leben und öffentlich zu vertreten. Auf solche rückgratlosen Trittbrettfahrer, die stolz sind, wenn ihnen ihr Lebenspartner die Bibel halten darf oder wenn sie mit ihrem Lebenspartner an den Tisch von Angela Merkel eingeladen werden, und denen das schon als Vollendung der Emazipation gilt, können wir verzichten. Für diese Leute gibt es ein Wort: Kollaborateure!

    • 2 RH Mai 10, 2018 um 8:47 am

      Es gibt sicher nicht wenige, die würden jetzt sagen, dass diese Form des „privaten Netzwerkens“ weitaus erfolgreicher für Akzeptanz (gewesen) sei als alle irgendwie politisch-öffentlichen Debatten. Mir gefällt dein Wort von der „Vollendung der Emanzipation“. Fürr mich schließt sich daran die Frage an: Was war es eigentlich nochmal, was „wir“ wollten oder noch wollen? Grenell scheint mir ein Beispiel für eigentlich 1 Schritt vor und doch (politisch) 2 zurück, wobei die 2 Schritte zurück leider zum Nachteil aller sind.

  2. 3 tulitikku Mai 11, 2018 um 6:46 am

    Hat in letzten 15 Monaten ein Botschafter gefehlt? Nein. Es wird interessant werden, ob er beim Straßenfest oder CSD auftaucht.

    • 4 RH Mai 11, 2018 um 8:20 am

      In Zeiten von Twitter-Politik, zu der wohl auch Grenell neigt (abgesehen von Aussagen via „Bild“), finde ich Menschen, die im Hintergrund besonnen das Gespräch und die Vermittlung suchen, wichtiger denn je. Insofern glaube ich, ja, ein kluger, umsichtiger (!) Botschafter hat gefehlt und fehlt noch. Zum CSD/Straßenfest: Gute Frage. Ich wette mal, er wird es nicht.
      PS: Sehr schöner Foto-Blog von dir! Kannte ich noch nicht.

      • 5 tulitikku Mai 11, 2018 um 8:28 am

        Von den Trumpisten war kein diplomatischer Botschafter zu erwarten, sieht man daran, dass Grenell, kaum im Amt, schon beginnt „gute“ Ratschläge zu geben. Das kann noch sehr anstrengend werden.

        Danke für das Kompliment, mache den Blog jetzt seit knapp acht Jahren mit einem täglichen Post.

  3. 6 Ralf Mai 11, 2018 um 11:19 am

    In München und Frankfurt haben bisher die Generalkonsulate der USA am CSD teilgenommen. Ich bin gespannt, ob das so bleibt oder ob Pompeo es ihnen verbieten wird.


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