„Came Here For“ – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“

„I came here for love!“, dröhnt es mir aus den Boxen entgegen, als ich endlich am Rande der Tanzfläche stehe und mich mit der rechten Hand an der Bierflasche festhalte. Eine Basswelle von Vatergefühl rauscht mir durch den Körper, als ich die drei jungen Männer vor mir hopsen sehe, auf diese ihnen eigene Art, die ausdrückt, dass sie immer ganz bei sich sind und sei es auch nur für jene 90 Sekunden, bis der DJ schon wieder den nächsten Track hochzieht, damit niemand zu lange auf einer Spur bleiben respektive tanzen kann.

Vor dem Pult des Musikdatenreiters warten die drei jungen Männer zappelnd auf den nächsten Startschuss. Sie sehen alle aus wie Klone eines angesagten pfälzischen Sängers, mit ihrem dünnen 5-Tage-Bärtchen, der schwarzen Hornbrille, die in meiner Jugend als Kassengestell verschrien war, derzeit aber für noch zwei Jahre lang hipp ist, und der artig verkehrt herum aufgesetzten Basecap. Wozu sollte die Sonnenblende an diesem Ort, um diese Uhrzeit auch ihr Gesicht beschirmen? Über ihren weißen T-Shirts tragen alle einen ledernen Schulterharness, ein modisches Accessoire, schließlich ist Ostern traditionell Fetischtreffen in der Stadt. Ich betrachte mich für eine Sekunde lang in einem imaginären Spiegel … an dir ist kein Zeichen einstiger Flucht in den Schutz durch die zweite Haut verblieben. Das erklärt deine Hilflosigkeit …

Eine Gruppe neuangekommener Partynomaden schiebt sich durch das am Tanzflächenrand aufgehäufte Treibgut, blockiert den Blick, mischt die wartenden Körper durcheinander, schubst mich freundlich bestimmt beiseite. Als ich wieder sehen kann, sind die drei jungen Männer bereits weitergezogen, Richtung Cocktailbar. Auch ich ziehe weiter, treibe noch eine Weile durch die wogende Menschenmenge, werde zur zweiten Tanzfläche gespült, die sich eher als kleiner Raum mit Platz in der Mitte entpuppt, fast schon eine Reuse, die einen einfängt und der Stimme ausliefert, die sich aus dem wenig heimeligen House-Gedröhn emanzipiert: „Shut the fuck up!“ Ich schwappe noch eine ganze Weile mit der Brandung hin und her. Inzwischen habe ich vergessen, weshalb ich eigentlich hergekommen bin. / ©RH

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1 Response to “„Came Here For“ – Aus der noch zu schreibenden Erzählung „Die Liebenden“”


  1. 1 Bernd Gaiser April 2, 2018 um 2:01 pm

    Das hört sich sehr vielversprechend an und ist so packend und spannend erzählt, dass ich gerne noch sehr viel mehr darüber in Erfahrung bringen würde.


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