Besser wird’s nicht! Warum Schwule und Lesben nicht mehr allzu viel von den Grünen erhoffen sollten

Wie es aussieht, wird Volker Beck dem nächsten Bundestag nicht angehören. Die Grünen NRW haben ihm bei der Wahl der Delegierten einen halbwegs sicheren Platz auf ihrer Landesliste verweigert. Ihm, der bei der letzten Wahl noch ihr Spitzenkandidat war. Vordergründig abgestraft für seinen Drogenkonsum, für die folgenden negativen Schlagzeilen. Man will sauber bleiben bei den Grünen! Aber so ist es halt: Politik ist ein schmutziges Geschäft, es gibt keine Freundschaften, sondern nur Interessen. Wer dachte, das wäre bei den Grünen anders, muss schon sehr naiv sein. Volker Beck, auf der öffentlichen Bühne einst Hauptprotagonist im Kampf für die Eingetragene Lebenspartnerschaft, ist zum Hindernis geworden auf dem Weg der Grünen zum erhofften Regierungsbündnis mit der CDU/CSU und wurde abserviert. Der Vorgang ist ein Vorgeschmack darauf, wie die Grünen nach der nächsten Wahl mit Forderungen von Homosexuellen nach weitergehender Gleichstellung umgehen werden.

Die „Personalie Volker Beck“ sollte aber über den sich abzeichnenden Wandel der Grünen hinaus (der sehr an die FDP erinnerte, die ja auch zugunsten der Machtoption die Position als Menschenrechtspartei aufgab) eine Warnung an politisch engagierte Schwulen und Lesben sein, sich nicht an Personen und auch nicht an eine Partei zu klammern. Wer seine Forderungen an Galionsfiguren knüpft, gibt politische Gestaltungsmöglichkeiten preis. Wer sich zu sehr auf Personen verlässt, übersieht, dass der Einsatz für Homosexuellenrechte inzwischen eine Arbeit an und mit Strukturen ist.

Wer jetzt beklagt, dass kein anderer Politiker solch ein ausgewiesener Kämpfer der Schwulenbewegung ist wie Beck, muss sich fragen, warum das so ist. In Kurzform müsste die Antwort lauten: Die Schwulen und Lesben haben ihren öffentlich-politischen Protagonistinnen und Protagonisten selten Tribut gezollt. Man machte sich lieber mit Hape Kerkeling oder Alfred Biolek gemein, also einem Typus der stillen Homosexuellen. Schwulsein ist nicht abendfüllend, lautet ein Bonmots, schwules Politikersein auch nicht. Interessengeleitete schwule Politiker wie etwa Jens Spahn wissen, wie und wann sie ihr Schwulsein platzieren müssen – also etwa, wenn die Angst von Homosexuellen vor Burkaträgerinnen artikuliert werden soll -, an „Schwulenpolitik“ als solcher sind sie nicht interessiert. Volker Beck ist diesbezüglich ein Dinosaurier. Mit ihm geht eine Ära zu Ende. Seine eindeutige und einseitige Positionierung wird ihm nun zum Verhängnis. Er wird politisch keinen Nachfolger haben, weil Politikern der nächsten Generation (wie der Großteil der Menschen ohnehin) Flexibilität antrainiert wurde. Volker Beck ist Schwulenpolitiker, was nach ihm kommt, ist bestenfalls metrosexuell.

Nicht, dass Volker Beck keinen sicheren Listenplatz mehr bekommen hat, ist die Tragik. Man könnte das Zeichen, das die Grünen mit der Verdrängung von Volker Beck aus dem Bundestag setzen, auch als ein zwar schmerzliches, aber auch heilsames sehen: Künftig wird sich kein Volker Beck als alleiniger Prügelknabe und als Abwurfplatz für homophoben (Selbst-)Hass vor uns stellen. Klar ist auch: Die Grünen werden und wollen diese Lücke nicht füllen. Im Gegenteil. Die Tragik ist, dass die Grünen mit dem Rauswurf störender Personen die Allianz mit CDU/CSU vorbereiten. Damit werden aber alle Forderungen nach tatsächlicher Gleichstellung obsolet: Die Grünen können künftig allerhöchstens für einen Erhalt des Status Quo zur Verfügung stehen. Damit werden wir uns abfinden müssen (und vielleicht wollen wir ja auch längst schon gar nicht mehr). Es ist ein reichlich ernüchterndes Zeichen am Vorabend für den sich abzeichnenden Ansturm auf als sicher geglaubte Rechte von Homosexuellen durch rechtsnationale Parteien und Gruppen.

1 Response to “Besser wird’s nicht! Warum Schwule und Lesben nicht mehr allzu viel von den Grünen erhoffen sollten”


  1. 1 fred Dezember 3, 2016 um 4:54 pm

    Allen, die es immer noch nicht glauben wollen, sei es ins Stammbuch geschrieben: Die Grünen sind schon lange eine „etablierte“ Partei wie alle anderen. Und die lassen uns im Zeichen des ‚höheren Interesses‘ genauso über die Klinge springen, wie die FDP und die SPD es vor ihnen getan haben.


Comments are currently closed.



Das Buch zum Blog

Archiv

Kreuz-und-queer-Blog