“The Daily Beast” jagt schwule Athleten

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Nico Hines, ein heterosexueller Journalist und Familienvater, machte sich in Rio während der Olympischen Spiele einen besonderen “Spaß”. Er suchte mit Hilfe der Dating-App Grindr im Olympischen Dorf nach schwulen Athleten. Ausgerechnet die renommierte Nachrichtenwebsite „The Daily Beast“ veröffentlichte seinen reißerischen Artikel, in dem sich Hines damit brüstet, innerhalb einer Stunde drei schwule Athleten zum Sex-Date gelockt zu haben. Ein Jäger beziffert seine Beute! Zwar nannte der Artikel keine Namen, aber dafür zahlreiche genaue Angaben über Sportart, Größe, Gewicht, Herkunftsland der Sportler, so dass es kein Problem wäre, die Identität herauszufinden. Nach massiver Kritik löschte „The Daily Beast“ den Artikel und postete stattdessen eine Entschuldigung, man habe mit dem Artikel niemanden aus der LGBT-Community verletzen wollen.

Tatsächlich aber nähern sich „The Daily Beast“ und Autor Nico Hines dem Boulevardblatt an, das 2014 in Uganda auf der Titelseite die Namen und Fotos von mutmaßlichen Homosexuellen veröffentlichte.

Der Artikel von Nico Hines ist in doppelter Hinsicht ein Versagen: Nicht nur, dass er sich nicht an journalistische Standards hält und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Informationen zur Bloßstellung des Privatlebens erschleicht; Nico Hines und sein Artikel sind zutiefst homophob. Homosexuelle sind für Nico Hines Tiere in einem Zoo. Sie existieren für ihn nur zum Zweck der Belustigung. Er führt Homosexuelle als sexgeile Wesen vor. Mal abgesehen davon, dass jeder Mensch Sex suchen darf, ist es keine originelle Entdeckung, dass auf einer schwulen Dating-App Schwule nach Sex mit anderen Schwulen suchen. Nico Hines präpariert das aber als Sonderfall heraus. Warum hat der brave Familienvater nicht ausprobiert, wie viele heterosexuelle Sportlerinnen er rum- und potenziell ins Bett kriegen kann? Sicher wären auch ein paar verheiratete Athletinnen darunter gewesen, die man dann – journalistisch pädagogisch – auf die „Gefährlichkeit“ ihres Tuns hinweisen hätte können.

Nach dem Massaker von Orlando ist die Frage nach Schutzräumen für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender wieder virulent. „The Daily Beast“ schickt eine klare Botschaft: Es gibt sie nicht! Wir kriegen euch, egal wo! Und sei es für eine reißerische Schlagzeile, eine geile Story über euch sexgeile Homos.

Vermutlich wird die Debatte befeuert, inwieweit der Gebrauch bestimmter Apps zur Selbstgefährdung beitragen … und damit die Community auf einen Stand weit vor den siebziger Jahren zurückwerfen. Dass ein Magazin wie „The Daily Beast“ die Jagd auf Schwule für veröffentlichenswert hält, macht deutlich, wie wenig wir im Ringen um Emanzipation und Gleichstellung vorangekommen sind. Eine Welt, in der Homosexuelle Angst haben müssen, bloßgestellt zu werden, weil sie homosexuell sind und – ja! – Sex haben wollen, ist nicht die Welt, in der wir leben können. / ©RH

Links:

„Why that Daily Beast Piece on Gay Sex Apps Is More Poisonous Than the Water“ by J. Bryan Lowder / Slate-Magazin, Online 11.8.2016

„Out Olympian Denounces Daily Beast’s Grindr-Article by Trudy Ring / Advocate.com 12.8.2016

1 Response to ““The Daily Beast” jagt schwule Athleten”


  1. 1 Ralf August 13, 2016 um 8:35 am

    Ich warte nur darauf, dass jetzt noch schwulen Sportlern und lesbischen Sportlerinnen, die sich geoutet haben (manche gerade eben erst), der Vorwurf gemacht wird, damit diesen Schmierenjournalisten auf seine Idee gebracht zu haben. Andererseits: Nur wer sich versteckt, kann gesucht und enttarnt werden. Wiederum andererseits: Wer sich versteckt, weil er sonst im eigenen Land verfolgt würde, darf auf keinen Fall öffentlich gemacht werden. Die Situation ist also nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick vielleicht aussieht, und vor allem eignet sie sich nicht, die Geltungssucht eines Pamphletisten, der von sich reden machen will, und eines nicht minder charakterschwachen Presseorgans zu befriedigen. Aber Schwulen und Lesben gegenüber ist ja bekanntlich nach wie vor alles erlaubt. Das ist der Grund, weshalb er es nicht mit Hetero-Frauen und Hetero-Männern gemacht hat. Pöbelhelden gehen immer den Weg des geringsten zu erwartenden Widerstandes und den des größten zu erwartenden öffentlichen Schenkelklopfens.


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