Anschlag auf schwulen Club in Orlando: 50 Tote

Titelbild_Orlando-Trauer

50 Tote und 53 Verletzte – damit ist der nächtliche Angriff auf den schwulen Club „Pulse“ in Orlando im US-Bundesstaat Florida eines der brutalsten Verbrechen, die es bislang gegen Homosexuelle in den USA gab. / Aktualisiert Montag, 13.6.

Orlando-Shooting_ABCscreen

Stand: 12.6.2016; 14 Uhr: Sonntagnachts, gegen 2 Uhr Ortszeit, eröffnete ein bislang unidentifizierter Mann mit einem Gewehr das Feuer auf Gäste vor dem Club, drang danach in die Räume ein, wo er weiter um sich schoss. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich rund 300 Gäste im „Pulse“ aufgehalten haben. Etwa drei Stunden später stürmte die Polizei das Gebäude, um die dort noch eingeschlossenen, als Geiseln gehaltenen Menschen zu befreien. Der Attentäter wurde bei der Polizeiaktion erschossen.
Die Tat wird von der Polizei als „Terrorakt“ bewertet. Der Schütze sei „gut vorbereitet“ gewesen. Bürgermeister Buddy Dyer sprach von einem Verbrechen, das nicht ohne Auswirkungen bleiben könne. Aber: „Unsere Community ist stark. Wir werden uns gegenseitig unterstützen müssen, dies durchzustehen.“ („Our community is strong. We will need to help each other’s get through this.“)

Stand: 12.6.; 16.15 Uhr: Mehrere Medien berichten, dass ein 29-Jähriger US-Amerikaner namens Omar Mateen als Attentäter identifiziert worden sei. Seine Eltern sollen aus Afghanistan stammen, Omar soll „auf dem Radar“ von US-Behörden, aber nicht Ziel von Nachforschungen gewesen sein, so ABC News: „Mateen’s parents were born in Afghanistan, and he was „on the radar“ of U.S. officials for some time, but was not the target of a specific investigation, law enforcement officials told ABC News.“

Post auf der Facebook-Seite des „Pulse“:

Orlando_PULSE-Facebook

Stand: 12.6.; 16.40 Uhr: In einer zweiten Pressekonferenz gibt Bürgermeister Dyer die Zahl der Toten mit 50, die der Verletzten mit 53 an. Der Chef der Polizei, John Mina, spricht von einer der schlimmsten Massenerschießungen in der amerikanischen Geschichte „One of the worst mass shootings in our nation’s history.“ Bei der PK spricht auch der Imam Orlandos, Muhammad Musri. Auch auf seiner Facebook-Seite spricht er den Angehörigen der Opfer das Beileid im Namen der amerikanischen Muslime aus. Ein Vertreter der LGBT-Community ist auf der Pressekonferenz nicht zugegen.

Orlando_Imam_Facebook

Derweil hat das GLBT Community Center in Orlando eine Notfall-Hotline eingerichtet. „Wir stehen zusammen um unseren Freunden und ihren Familien alle mögliche Hilfe zu geben nach diesem sinnlosen Tat.“

Orlando_GLBTCommunityCenter_Facebook

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Stand: 12.6.; 17.30 Uhr: „Towleroad“ zitiert eine NBC-Meldung, nach der der Vater des Attentäters in einem Interview geäußert habe, die Tat habe keine religiösen Hintergründe. Als möglichen Grund gab er an, sein Sohn sei vor Monaten sehr wütend geworden, als er in Miami gesehen habe, wie sich zwei Männer küssten.

19 Uhr: Selbst die Bundesregierung bekundet durch Regierungssprecher Seibert Anteilnahme:

Bundesregierung

20 Uhr: US-Präsident Obama hat den Anschlag von Orlando als „Akt des Terrors und des Hasses“ bezeichnet. „This is a heartbreaking day for our fellow americans that are gay, lesbian, bisexual or transgender.“ Ein Anschlag auf einen Treffpunkt von LGBT sei ein Anschlag auf alle amerikanischen Bürgerinnen und Bürger.

Montag, 13.6., morgens: „Buzzfeed“ erinnert an die Toten des Massakers, nennt ihre Namen, zeigt Fotos. Der Täters scheint sich in den letzten Jahren radikalisiert zu haben. Aus dem Pulse-Club heraus rief er noch die Polizei an, um der Terror-Organisation IS Treue zu schwören. Denkbar sei, „dass er das Reizwort „IS“ nur nutzte, um größtmögliche Aufmerksamkeit für seinen Blutrausch zu erzeugen“, schreibt SpOn.
Derweil haben Tausende an einer Mahnwache am legendären Stonewall Inn in New York teilgenommen. Auf CSD-Paraden, wie etwa in L.A., wurde den Opfern gedacht. Kleinere Kundgebungen der Anteilnahme gab es in Rom und Tel Aviv. In Berlin ruft der LSVD für heute, 12 Uhr zu einem Stillen Gedenken vor der Amerikanischen Boftschaft am Pariser Platz auf. In Hamburg ruft Hamburg Pride zu einer Mahnwache um 18 Uhr vor dem US-Generalkonsulat am Alsterufer auf. In Köln soll eine Mahnwache an den Domtreppen um 19 Uhr stattfinden.
International wurde Trauer und Bestürzung angesichts des Massakers geäußert. Während ihrer Peking-Reise sagte Kanzlerin Angela Merkel: „Auch wenn solche mörderischen Anschläge uns in tiefe Trauer versetzen, sind wir doch fest entschlossen, unser offenes, tolerantes Leben fortzusetzen.“ Die Worte „schwul“, „lesbisch“ kamen ihr nicht über die Lippen. Anders dagegen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit einer klaren Aussage: „To the LGBT community: please know that you have millions of allies across our country. I am one of them.“


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