In Einklang bringen – Rezension zu Livia Prülls autobiografischem Ratgeber „Trans* im Glück“

Buchcover_Trans-im-Glueck_160pxVon und über transsexuelle, transidente Menschen sind meist – und ja auch nicht grundlos – eher leidvolle Biografien zu lesen. Einen anderen Akzent setzt ein Anfang des Jahres erschienenes Buch der Trans*frau Livia Prüll. Schon der Titel „Trans* im Glück“ ist ein Hingucker. Die Unterzeile „Geschlechtsangleichung als Chance“ deutet darauf hin, dass hier jemand eine vollzogene und gelungene Angleichung wertgeschätzt wissen will. Zu oft dominiere der Preis, den Mann/Frau zahlen muss, die Geschichten, sagt Livia Prüll. Dabei könnten sich viele Trans*menschen im neuen Geschlecht freier entfalten.

„Es wird zu wenig berücksichtigt, dass die Schwierigkeiten nicht in der Trans*identität selbst begründet sind, sondern in der fehlenden Akzeptanz durch die Umwelt. In meinem Buch habe ich an meinem eigenen Beispiel gezeigt, wie man sein Leben als transidenter Mensch positiv gestalten kann, wenn das soziale Umfeld einen unterstützt. Ferner habe ich versucht zu schildern, dass dies dann gelingt, wenn man sein äußeres Erscheinungsbild mit der inneren Identität in Einklang bringen kann.“

Livia Prüll arbeitet als Professorin am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Mainz. Ihr Coming-out vollzog sie nach vielen Jahren mit einer klaren Ansage per E-Mail an Arbeitskollegen, an Eltern und Erzieher, Freunde und Bekannte: „Seit drei Jahren weiß ich, dass ich transident bin, das heißt, dass mein körperliches und mein psychisches Geschlecht nicht zusammenpassen. Daher habe ich mich entschlossen, ab 1. März 2014 als Frau zu leben. Ich heiße dann Livia Prüll.“

Die E-Mails sind im vollen Wortlaut im Anhang des Buches abgedruckt unter „Bekanntmachung des Coming-outs“. Generell wartet das Buch neben der persönlichen Geschichte der Autorin mit recht konkreten Hinweisen und Ratschlägen auf – und zwar nicht nur in medizinischer / therapeutischer Hinsicht, nicht nur in Form von Adressen von Gruppen und Beratungsangeboten, sondern auch lebensweltlich konkret mit Kapiteln zu Kleidung, Schminke, Einnahme von Hormonen etc. „Planung“ und „Überlegung“ scheinen die zentralen Momente für Livia Prüll. Nicht überhastet, vorschnell handeln, sondern seine (auch kleinen) Schritte durchdenken, sowohl in ihrer Bedeutung für einen selbst, als auch für Menschen, die einem wichtig sind.

Zudem gibt es ein Kapitel, in dem die diversen Begrifflichkeiten von Transsexuell bis Crossdresser auseinandergedröselt werden, und eine medizingeschichtliche Einordnung des Umgangs mit Menschen, die das Gefühl haben, im falschen Körper, mit dem falschen Geschlecht geboren zu sein. Mit kompakten 200 Seiten ist „Trans* im Glück“ Autobiografie, Sachbuch und Ratgeber in einem. Der zuversichtliche Grundton erscheint mitunter fast zu märchenhaft. Aber wenn man das grimmsche „Hans im Glück“ genau liest, müsste man erkennen, dass die Hauptfigur erst viel hergeben und verlieren muss, um ohne Last das wirkliche Glück zu finden. Aber das wissen ja auch alle Cis*menschen!

Mein Interview mit Livia Prüll, aus dem oben zitiert wurde, kann man im „kreuz & queer“-Blog auf evangelisch.de lesen. Das Buch „Trans* im Glück. Geschlechtsangleichung als Chance“ ist im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen und kostet in der gedruckten Ausgabe 20 Euro.


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