Geht noch was? Interview mit HuK-Sprecher Markus Gutfleisch

MarkusGutfleisch_HuKAm Wochenende veröffentliche die Bischofssynode im Vatikan ein Abschlussdokument zu den Themen Ehe und Familie. Für Lesben und Schwule ist wenig drin in diesem Papier, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die Enttäuschung war also, wie es im Börsenjargon heißt, bereits eingepreist. Insofern bleibt auch Markus Gutfleisch, Sprecher der HuK (Homosexuelle und Kirche) nüchtern und plädiert kirchenintern für geduldiges Weiterbohren dicker Bretter und die Kooperation mit denen, die etwas in der Kirche bewegen wollen. → Das Interview im „kreuz & queer“-Blog

4 Responses to “Geht noch was? Interview mit HuK-Sprecher Markus Gutfleisch”


  1. 1 Ralf Oktober 27, 2015 um 11:31 am

    Entweder man ist schwul oder man ist katholisch. Beides gleichzeitig geht nicht. Wie sollte das auch funktionieren: einerseits für Freiheit und Vielfalt eintreten, andererseits für eine totalitäre Ideologie? Welcher Schwarze tritt schon in den Ku-Klux-Klan ein und welcher Jude in die NSDAP in der Erwartung, beide Organisationen mögen sich von Rassismus und Antisemitismus distanzieren und die Akzeptanz von Schwarzen und Juden ausrufen? Wie bescheuert, realitätsblind und würdelos kann man eigentlich sein?

    • 2 RH Oktober 27, 2015 um 2:10 pm

      Lieber Ralf, den anderen für „bescheuert“ zu erklären, ist nicht nur beleidigend, es ist auch ein guter Grund, sich nicht weiter zu unterhalten. Den Vergleich mit der NSDAP finde ich überzogen. Rainer

  2. 3 Ralf Oktober 27, 2015 um 5:22 pm

    Dann ziehe ich das Wort „bescheuert“ mit dem Ausdruck des Bedauens zurück.

    Es bleibt indes Zeichen von Realitätsverweigerung und Würdelosigkeit, eine Organisation, die seit fast 2 000 Jahren Hass gegen Schwule verbreitet und damit schwerste Schuld auf sich geladen hat und noch immer auf sich lädt für Ausgrenzung, Entrechtung und Gewalt, anzubetteln, sie möge doch endlich ein kleines bisschen Gnade walten lassen und und sich ein wenig bremsen.

    Auch der Vergleich mit der NSDAP ist angemessen. Beide, kath. Kirche und die genannte Partei, haben im 20. Jh. Schwule in Deutschland auf das härteste verfolgt. Fast wöchentlich gelangen Ausfälle kath. Bischöfe an die Öffentlichkeit, die an Menschenverachtung und Hass nicht zu überbieten sind. In Afrika tritt die kath.Kirche für staatliche Verfolgungsmaßnahmen ein, die in ihrer Brutalität und Kriminalität hinter denen des Dritten Reiches nicht zurückbleiben.

    Ich akzeptiere natürlich, dass ich mich in diesem Blog an Deine Regeln halten muss, und ich möchte ausdrücklich meinen Respekt bezeugen dafür, dass Du eine Meinungsäußerung veröffentlichst, mit der Du sichtlich nicht einverstanden bist. Allerdings: „Ich bin wütend auf all jene […] Kirchenvertreter, die […] Gewalt unterstützen, indem sie Hasspredigten halten und mit großer Regelmäßigkei über Homosexuelle herziehen […].“ (R.H., Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein, S. 43) – „Hofiert wird hier ein Mann [Joseph Ratzinger], dessen Vollstrecker unablässig seit Jahrzehnten Schwule und Lesben bei jeder sich bietenden Gelegenheit denunzieren, die unaufhörlich Ressentiments schüren und die -im Bewusstsein, dass die Kirche in Deutschland ganz legal eine rechtsfreie Zone besitzt […]- ganz konkret und ganz bewusst Homosexuelle schikanieren und ihnen das Leben zur Hölle machen.“ (R.H., Immer wieder samstags, S. 107) Das liest sich doch nicht gar so milde.

    Mein Mann war kath. Pfarrer, und ich habe täglichen Anschauungsunterricht, was das System Kirche aus Menschen macht, indem sie ihre Macht übers Gewissen in verwerflicher Weise ausübt, Minderwertigkeitsgefühle und Sündenangst in menschliche Seelen pflanzt, die dort noch nach Jahrzehnten irrsinnige Blüten treiben. Und ich habe auch schon genug Schlafzimmer kath. Amts- und Würdenträger von innen gesehen, um die elende Heuchelei zu kennen, auf der das alles beruht.

    • 4 RH Oktober 27, 2015 um 6:23 pm

      Ufff …. und Bischof Overbeck sagt heutzutage noch in einer Talkshow der lesbischen Moderatorin ins Gesicht, dass sie unnatürlich sei, und ihn trifft leider kein Monty-Python-Fingerzeig aus dem Himmel und leider hat ihm auch Anne Will (vermutlich aus souveräner Klugheit) keine geknallt für diese Unverschämtheit. „Die“ Kirchen / „die“ Religion als Argument haben durch die Jahrhunderte unglaubliche Verbrechen begangen und begehen sie noch. Aber gerade die Synoden zeigen ja, dass selbst die kath Kirche mit einem Führer/Hirten-Prinzip längst kein monolithischer Block mehr ist. Und natürlich ist der Homo-Hass immer noch ein scheinbar gutes und billiges Mittel, sich selbst zum Besser-Menschen zu machen und von der eigenen, jedem Männerbund unterliegenden Homo-Erotik abzulenken.
      Natürlich bin ich nicht milde – und im Interview müsste auch ein wenig angeklungen sein, dass ich das mit dem Dialog längst nicht so sehe wie Markus -, aber ich kann nachvollziehen, dass jemand innerhalb einer Organisation seine Rechte einfordert und dann sagt, wir kooperieren mit denen, die die Dinge ähnlich sehen wie wir. Zwischen Gläubigen und ihrer Kirche gab es schon immer eine Differenz, die im besten Fall produktiv ist.
      So, jetzt kriege ich einen Pluspunkt, weil ich den Mitbewerber um Gottes Gunst verteidige, und du kriegst einen dafür, dass du mein Buch so genau gelesen hast, und dafür, dass es anscheinend griffbereit in deinem Buchregal steht!


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