Berlin schlägt wieder zu! Erneut schwules Paar verprügelt

In Berlin-Pankow, im Prenzlberg, wurden – laut Meldung der Berliner Polizei, übernommen vom „Tagesspiegel“ – zwei, 37 und 48 Jahre alte Männer am gestrigen Freitag Abend aus einer Gruppe von Fußballfans heraus erst beleidigt und dann „von einem 28-Jährigen“ geschlagen.Und zwar so massiv, dass einer der Angegriffenen ins Krankenhaus gebracht werden musste, wo seine Verletzungen eine Operation erforderlich machte. Der Täter wurde festgenommen und wurde „nach Identitätsfeststellung“ wieder entlassen. Man fragt sich, was eigentlich die andern aus der angeblich 20-köpfigen Gruppe getan haben: Zugeguckt? Weggeschaut? Applaudiert? Danach entspannt das Fußball-Spiel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion genossen?

Der Vorfall wird weder die verantwortlichen Politiker noch die Homo-Welt der Hauptstadt sonderlich aufregen. Wer sich trotzdem ärgert oder gar bedroht fühlt, hat in der heilen Touri-Welt Berlins nichts zu suchen. In Berlin sind Überfälle auf Homosexuelle nämlich immer Einzelfälle. So wie beispielsweise

– der Vorfall am 29.5.2015, als ein schwules Pärchen von einer Gruppe in Kreuzberg attackiert wurde

– der Vorfall am 17.5.2015, als in Moabit zwei junge Männer von einer Gruppe erst beleidigt, dann geschlagen und ausgeraubt wurden

– der Vorfall vom 3.2.2015, als zwei Lesben von einer Gruppe Männer im Wedding attackiert wurden

– der Vorfall vom 20.3.2015, als ein Mann in Charlottenburg verdroschen wurde, weil er Frauenkleider trug

Das Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo sprach in seinem Jahresbericht 2014 von einem gleichbleibend hohen Niveau der LGBT-feindlichen Übergriffe in Berlin.

Wirklich zu Kenntnis nehmen will das freilich niemand. Es versteht sich anscheinend von selbst, dass wenn irgendwo in der Pampa ein Schwuler verprügelt wird, dies Zeichen von Hassgewalt und struktureller Homophobie ist, die von der rückständigen Landbevölkerung geduldet oder mitgetragen wird. Nicht so in Berlin. Wenn hier ein Trupp verbrecherischer Schläger ein Händchen haltendes Paar zusammenschlägt, dann ist das stets ein bedauerlicher Einzelfall! Denn Homofeindlichkeit, die gibt es ja nur anderswo!

PS: Alles nix Neues – darum sei an diesen Text von Martin Reichert in der „taz“ von 2010 erinnert.

 


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