Mehr Irland wagen! Es ist Zeit für die Ehe-Öffnung in Deutschland!

IrlandEin historisches Ereignis: Als erstes Land der Welt hat Irland in einem Referendum mit großer Mehrheit die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Und wie es scheint, mit einer geradezu überwältigenden Mehrheit (Update: 62% stimmten für die Ehe-Öffnung / Wahlbeteiligung: 60,5%!). Was für ein wundervoller Tag in einem Land, in dem bis 1993 Homosexualität noch verboten war und das erst 2010 die zivilrechtliche Partnerschaft eingeführt hat.

In einem Land, das mehrheitlich von heterosexuellen Menschen bewohnt wird, von denen, rein formal, über drei Viertel der römisch-katholischen Kirche angehören!!!

Irland hat Ja gesagt zur Öffnung der Ehe, aber mehr noch hat das Land zu sich selbst Ja gesagt. Ja zu einem toleranten, engagierten Land, das keine Lust mehr hat, sich mit den Ungleichheiten von gestern abzugeben.

Mit einem demokratischen Referendum FÜR und nicht gegen irgendwas, mit einem Entscheid des Volkes und nicht durch juristische Winkelzüge hat sich Irland für die Ehe – unabhängig vom Geschlecht der beiden Personen – entschieden.

Was für eine wunderbare Aktion, was für eine in allen Reaktionen, etwa auf Twitter unter dem #MarRef, spürbare Anteilnahme an einer sozialen Revolution, die den reaktionären Mief von Jahrhunderten hinter sich lässt.

Angesichts der irischen Entscheidung sollte es an der Zeit sein, endlich auch in Deutschland die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu erlauben statt weiterhin mühsam das Konstrukt Lebenspartnerschaft nachzubessern.*

Natürlich kann man eine Ehe-Öffnung nicht gegen die Kanzlerin durchsetzen, die uns in Deutschland in einem Zustand des gesellschaftlichen Rückstands hält, weil sie ihr Bauchgefühl über die politische Einsicht stellt. Aber es muss darum gehen, eine breite, engagierte Öffentlichkeit wie in Irland zu bewegen. Von der Kanzlerin eine Änderung zu fordern, heißt, wie stets (und ganz deutsch) nach oben zu starren. Wir sollten die in der Bevölkerung ja längst vorhandene Mehrheit für eine Ehe-Öffnung aktivieren.

Ich wünschte mir, dass auch Deutschland das furchtsame Klein-Klein und das giftige Raunen vom rechten Rand hinter sich lässt. Die Ehe-Öffnung ist nicht die Lösung und nicht das Ende von Alltagsdiskriminierung, sie ist nicht das Paradies. Aber sie ist ein Symbol, dass Deutschland sich verändert – mutig, zuversichtlich, in der demokratischen Überzeugung, dass in unserem Land jede und jeder ihr/sein Glück finden kann.

Ich bin kein Kampagnen-Mensch. Ich bin persönlich nicht mal der „Heirats-Typ“. Aber Irland ist ein schönes Beispiel für eine positive Stimmung, die eine politische Veränderung trägt.

Deutschland sollte etwas mehr Irland wagen. Deutschland sollte die Ehe für homosexuelle Paare öffnen.

Jetzt!

——–
*Nachtrag 24.5.: Und es passiert genau das. Justizminister Heiko Maas will, laut „Spiegel Online“, am Mittwoch einen Entwurf im Bundeskabinett einbringen, um „in 23 verschiedenen Gesetzen und Verordnungen die Vorschriften für die Ehe auf Lebenspartnerschaft ausdehnen“.


Foto: SteuveFE / Wikimedia Commons CC BY 2.0

8 Responses to “Mehr Irland wagen! Es ist Zeit für die Ehe-Öffnung in Deutschland!”


  1. 1 Ralf Mai 23, 2015 um 12:12 pm

    Schön geschrieben – aber vergiss es. In Deutschland wird es keine Gleichstellung geben, denn anders als in Irland regiert hier nicht das Volk, sondern die katholische Kirche durch Angela Merkel und den Deutschen Bundestag, dessen 80%ige Mehrheit gegen die Gleichstellung unverrückbar feststeht. Es gibt nun mal Länder, in denen die Ansichten von Volk und Regierung weit auseinanderklaffen und in denen die Ansicht der Regierung entscheidet… Kuba, China, Syrien, Iran, Deutschland, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.

  2. 2 RH Mai 23, 2015 um 12:25 pm

    Dir ist aber schon klar, lieber Ralf, dass das ein sehr „deutscher“ Kommentar zu meinem irischen Hochgefühl ist??!!😉

  3. 3 Ralf Mai 23, 2015 um 3:41 pm

    Tut mir leid, Dich aus dem irischen Stimmungshoch in die harte deutsche Wirklichkeit zurückgeholt zu haben. (*bittergrummel*)

    Seit Jahren tönt der LSVD: „Die Bundesregierung muss jetzt endlich…“ Gar nichts „muss“ sie. Sie will nicht, sie macht nicht, basta. Du schreibst vom rechten Rand, der giftig raune. Nee, Rainer, der „rechte Rand“ ist die politische Mitte, sprich der liberale Flügel der Union und die Bundes-SPD. Das sind die Mehrheitsbeschaffer der Frau Merkel-Bauchgefühl. Das sind diejenigen, die entschieden haben, dass das Äußerste an Zugeständnissen für Lesben und Schwule erreicht sei und jetzt um jeden Preis die Front gehalten werden muss – und wenn Deutschland dermaleinst das letzte Land der EU sein wird, in dem Menschen nach ihrer sexuellen Orientierung in erste und zweite Klasse eingeordnet werden – vielleicht noch mit Ungarn und Litauen zusammen.

    Auch parteipolitisch gibt es einen großen Unterschied zwischen Irland und Deutschland. Alle irischen Parteien haben sich (so liest man jedenfalls) für die Eheöffnung eingesetzt. In Deutschland tun das auf Bundesebene nur zwei Kleinparteien, Grüne und Linke. Die überwältigende Mehrheit des Parteienspektrums lehnt sie ab. Und es glaube bitte niemand, all diejenigen Menschen, die für eine Gleichstellung sind und sich bei einem Volksentscheid (den es natürlich auch nicht geben wird, weil Deutschland nun mal keine Demokratie ist) auch dafür aussprechen würden, allein deswegen plötzlich alle grün oder links wählen. Nein,die werden weiter hauptsächlich Union und zum geringeren Teil SPD wählen. Und das heißt: Deutschland hängt sich ab von der westlichen Wertegemeinschaft.

    • 4 Reinhold Henss Mai 24, 2015 um 11:10 am

      Ich sehe das etwas differenzierter. Auch innerhalb der „Volksparteien“ rumort es in dieser Frage. Dranbleiben ist die Devise, nicht bittergalliges intellektuell verbrämtes Verzagen!

  4. 5 Stefan Mai 24, 2015 um 7:01 pm

    Die deutschen Parteien sind vollständig von den Kirchen unterwandert. Schaut mal nach wie viele führende Politiker gleichzeitig Kirchenfunktionäre sind. Die sitzen in den Führungsgremien von Vereinen wie dem Zentralkommittee Deutscher Katholiken, irgendwelchen evangelischen Synoden oder gar in ultra-fundementalisitischen Organisationen wie die Deutsche Evangelikale Allianz.

    Das ist höchstgradig erschreckend. Anders als in den USA halten sich hier die meisten Politiker mit allzu offensichtlichem Gott-Geschwafel zurück. Aber das versteckt nur wie religiös und of fundamentalistisch viele von ihnen sind. Die CDU ist vollständig auf allen eben von solchen Personen bevölkert. Unter SPD Politikern ist es auch weit verbreitetet. Und gar die Grünen sind mittlerweile von den Kirchen unterwandert. Wie gesagt, Deutschland ist ein Kirchenstaat. Und die meisten Leute merken ist nicht.

    • 6 RH Mai 24, 2015 um 9:06 pm

      Dazu die ironisch-lakonische Bemerkung: Deswegen schreibe ich wahrscheinlich auch auf evangelisch.de, damit ich es im Kirchenstaat noch weit bringe. Ansonsten schließe ich mich, was die These einer Allmacht der Kirche angeht, dem an, was R. Henss oben geschrieben hat: Man muss die Dinge schon etwas differenzierter sehen.

  5. 7 Bernd Gaiser Mai 25, 2015 um 5:14 am

    Wer packt es an? Linke ? Grüne? LSVD? Auf die SPD ist als Mitglied der GroKo kaum Verlass, dank Kanzlerinnen-Vasallentreue. Wir selbst? Und wer soll das sein? Eine Außerparlamentarische Aktion parallel zur parlamentarischen Initiative. Jetzt wäre die alte Bürgerrechtsbewegung nützlich.,

  6. 8 Ralf Mai 25, 2015 um 11:24 am

    Ich höre natürlich auch nicht auf, die Forderung nach vollständiger Gleichstellung zu erheben. Aber ich sehe doch, dass sie auf lange Zeit (wahrscheinlich weit über unser aller Lebenszeit hinaus) nicht erfüllt werden wird.


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