Konservative Schwule

Gute Homos müssen nicht länger nur Grünen-Wähler, Sozis und noch linkere Linke sein, sondern können auch CDU/CSU wählen. Eigentlich nix Neues, aber neuerdings wird das mit besonderer Aggression vorgebracht und mit der Wendung, dass jetzt die „links“ wählenden Schwulen die Bösen sind, die eigentlich an allem Schuld sind. Ein Versuch, mir klar zu werden, was für Vorurteile gegenüber politisch konservativen Schwulen es mir bislang verwehrt haben, diese neue Lehre zu begreifen. Eine kleine, unvollständige Liste als Anfang zur dringend notwendigen Aufarbeitung …

Konservative Schwule

♦ werden es „den linken“ Schwulen (also vor allem den Grünen und den Sozis) nie verzeihen, dass diese die wesentlichen Rechte für Schwule und Lesben erstritten haben.

♦ können es nicht verwinden, dass sie von einem gesellschaftlichen Klima profitieren, für das sich andere eingesetzt haben.

♦ wissen, dass sie ohne die Arbeit und den Einsatz anderer heute nach wie vor nichts in der CDU/CSU zu sagen hätten.

♦ können sich nur im Windschatten des politisch-gesellschaftlichen Engagements anderer aufspielen.

♦ werden mit ihren Vorstellungen von Rechten Homosexueller von niemandem ernst genommen.

♦ verteufeln „die linken Schwulen“, weil sie sich so besser anbiedern können.

♦ wollen unbemerkt bleiben, aber trotzdem was zu sagen haben.

♦ verbitten sich Kritik.

♦ wollen allein schon Lob fürs Konservativsein, nicht etwa für eine politische Idee oder gar Tat.

♦ sind feige und können nicht zu ihren politischen Ansichten stehen. Dafür machen sie andere verantwortlich.

♦ hoffen aufs Bundesverfassungsgericht, weil sie von ihrer Partei gar nichts in Sachen Gleichstellung erhoffen können.

♦ brauchen immer einen Anführer, hinter dem sie sich verstecken können.

♦ können sich nicht mit anderen solidarisieren, weil sie Solidarität für eine Errungenschaft des Kommunismus halten.

♦ müssen immer betonen, dass sie ihre Homosexualität nicht betonen müssen.

♦ müssen ihren Minderwertigkeitskomplex mit unterschwelliger Aggression kompensieren.

♦ schüren ein Klima der Hetze gegen Linke, damit sie wenigstens irgendeine Funktion für ihre Partei haben.

♦ wollen in schwul-lesbischen Organisationen vertreten sein, ohne je etwas für den Aufbau oder den Erhalt getan zu haben.

♦ können nur das negieren, was andere an gesellschaftlichen Ideen und Projekten entwickeln.

♦ ärgern sich über „linke“ Gesellschaftsmodelle, weil sie selbst keins haben (zumindest keines, in dem sie als Schwule überhaupt vorkämen).

♦ haben noch nie etwas für alle Schwulen und Lesben erreicht.

♦ können sich nur als Opfer „linker“ Übermacht selbst bemitleiden.

♦ gucken sich ihre Jammer-Taktik neuerdings von Rechtspopulisten und Rechtsextremen ab.

♦ wollen gegen schwulenfeindliche Muslime vorgehen, indem sie sich der Parolen von schwulenfeindlichen Deutschen bedienen.

♦ drohen mit der Abwanderung zur AfD.

♦ mögen Muttis, noch mehr aber Überväter, die keinen Widerspruch dulden.

♦ müssen einem immer im trotzigen Ton sagen, dass sie konservativ sind.

♦ wollen auch geliebt werden.

♦ machen es einem dabei aber wirklich schwer.

PS: Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich habe nichts gegen konservative Schwule, ich kenne sogar welche!

6 Responses to “Konservative Schwule”


  1. 1 robertniedermeier November 12, 2014 um 3:11 pm

    Schwarzbraun ist keine Farbe des Regenbogens – gemeinsam gegen Rechtskonservatismus, Sexismus und Chauvinismus. Löckt den Berger-Predigten. Widerspruch tut Not, denn LSBTIQ-Ziele sind unvereinbar mit Rechtskonservatismus.

    Beigefügter Link zu Facebook.

  2. 2 Sven N November 12, 2014 um 5:47 pm

    „Schwarzbraun ist keine Farbe des Regenbogens“ wundeschöner Satz, der meinen Kommentar überflüssig macht.🙂

  3. 3 Ralf November 12, 2014 um 9:33 pm

    Na ja, Dummköpfe, die ihre Feinde wählen, gibt es schon immer. Wenn ich hin und wieder mit schwulen Anhängern der rechten Parteien (CDU/CSU/FDP/AfD) über dieses Thema diskutierte,bekam ich immer zu hören, man sehe Politik umfassend und verenge sie nicht auf persönliche Interessen. Dass die präferierte Partei schwulenfeindlich sei, nehme man in Kauf. Man gewichte deren Ziele auf anderen Politikfeldern eben stärker. – Vielleicht bin ich ja blöd oder ein Egozentriker, dass ich dem nicht folgen kann. Mir kommt es jedenfalls in allererster Linie darauf an, dass ich in jeder Beziehung vollwertiger Bürger bin, und Parteien, die mir das absprechen, sind für mich nicht wählbar, mögen ihre Kompetenzen und Taten auf anderen politischen Ebenen noch so gut sein.

  4. 4 knipserei November 12, 2014 um 10:45 pm

    „… hoffen aufs Bundesverfassungsgericht, weil sie von ihrer Partei gar nichts in Sachen Gleichstellung erhoffen können.“ Ich finde, dass ist die perfekte Zusammenfassung!

  5. 5 Thommen_64 November 14, 2014 um 10:58 am

    Und grad noch obendrauf: Sie wollen die Verantwortung nicht übernehmen! Alles muss von Gott oder einem Führer kommen…


  1. 1 Schwul heißt radikal – eine Homopropaganda | Grauzone Trackback zu November 15, 2014 um 4:10 pm
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