„Wir sind keine Bittsteller!“ Verbände der katholischen Lesben und Schwulen zur Familien-Synode des Vatikans

Das Netzwerk katholischer Lesben (NkaL) und die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) sehen im gestern vorgelegten Schlussbericht der sogenannten Familiensynode im Vatikan nur einen kleinen Schritt beim Aufholen des langjährigen Reformstaus.

Zwei Wochen lang hatten rund 190 (in neueren Meldungen sind es 180) Vertreter nationaler Bischofskonferenzen und des Vatikans zu innerkirchlich strittigen Themen von Ehe und Familie debattiert. Dabei kam auch das Verhältnis der katholischen Kirche zu Schwulen und Lesben zur Sprache. Ein Zwischenbericht des ungarischen Kardinals und Generalberichterstatters der Synode, Peter Erdö, hatte einerseits klargestellt, dass die Kirche weiterhin homosexuelle Partnerschaften nicht als der Ehe von Mann und Frau gleichwertig ansieht. Andererseits war aber davon die Rede, dass es in homosexuellen Gemeinschaften Fälle gebe, „in denen die gegenseitige Hilfe bis hin zum Opfer einen wertvollen Beitrag für das Leben der Partner darstellt“.
Von diesem wertvollen kleinen Beitrag war aber im Schlussbericht nicht mehr die Rede; vielmehr wurden Homosexuelle gar nicht mehr erwähnt.

Immerhin fehle in dem Bericht die frühere heftige Verurteilung von Homosexuellen, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung von NkaL und HuK. Das klingt nach einem ernüchterten Zweckoptimismus. „Die relevanten Fragen, die Lesben und Schwule seit 40 Jahren stellen, sind in der Synode angekommen, doch dann knickt der Weg ab, wenn betont wird, dass homosexuelle Partnerschaften nicht mit der Ehe gleichgestellt werden können“, so NkaL-Sprecherin Manuela Sabozin.

Die Stellungnahme der Synode wird als „dünn“ bezeichnet. Sie enttäusche auch diejenigen Bischöfe, „die Zeichen der Akzeptanz wünschen. Die Synodenmehrheit fühlt sich offenbar durch Lesben und Schwule unter Druck gesetzt“.

Eine Passage, dass Schwulen und Lesben mit „Respekt und Taktgefühl“ begegnet werden solle, hatte nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erzielt, um ins Schlussdokument aufgenommen zu werden. 62 Teilnehmer hatten dagegen gestimmt, 118 dafür – „zwei zuwenig“, berichtet „Die Zeit“.

„Dringender als je zuvor“ sei es, so die Position der beiden Vertretungen lesbischer bzw. schwuler KatholikInnen, das Gespräch mit christlichen LGBTI und mit Kindern, die in Regenbogenfamilien leben, zu führen. „Lesben und Schwule sollten im zweiten Teil der Familiensynode selbst sprechen dürfen“, lautet darum auch eine der Forderungen von Markus Gutfleisch, Sprecher der HuK. Die Fortsetzung der Synode ist für das kommende Jahr geplant. „Lesben und Schwule stehen nicht als Bittsteller vor der Kirchentür. Die katholische Kirche hat noch nicht wirklich erkannt, was sie gewinnt, wenn sie der Vielfalt in den eigenen Reihen Raum gibt. Wir wünschen unserer Kirche, dass sie sich aufrichtig mit der Gender-Theorie und ihren Chancen befasst, anstatt sie vorschnell zu verurteilen.“

Die römisch-katholische Kirche solle endlich aufhören, Schwule und Lesben zu bekämpfen. „Und das alles nicht aus Barmherzigkeit, sondern mit der Bereitschaft zu echter kirchlicher Umkehr.“

Dass daran gezweifelt werden darf, dafür gibt der Papst höchstselbst Anlass. Schon in seiner Zeit als Kardinal in Argentinien hatte er Ehen von Homosexuellen abgelehnt.Nun wurde die weltliche Registrierung von im Ausland geschlossenen homosexuellen Lebenspartnerschaften / Ehen durch den römischen Bürgermeister Ignazio Marino – ein symbolischer Akt, denn Italien erlaubt weder die Ehe noch Lebenspartnerschaften von Homosexuellen – umgehend von Franziskus kritisiert.  Er sei „wenig erfreut“ gewesen, meldet „Radio Vatikan“.

Link: Internetseite der HuK / Internetseite NkaL


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