Unternehmer Hans Wall unterstützt AfD – die Firma Wall distanziert sich

Die Wall AG distanziert sich vom politischen Engagement ihres Gründers Hans Wall. Das teil die Firma auf eine Anfrage des S.i.e.g.T.-Blogs mit. Hintergrund ist ein Bericht des „Manager-Magazins“, nach dem der Unternehmer Hans Wall Mitglied der rechtspopulistischen AfD ist und diese finanziell unterstützt.

Die AfD – Alternative für Deutschland – gewinnt immer mehr Unterstützer, auch aus dem deutschen Mittelstand. So berichtet das „Manager-Magazin“, dass neben Heinrich Weiss, Großaktionär des Anlagen- und Maschinenbauers SMS-Group, auch Hans Wall, der Gründer der Firma Wall, sich öffentlich für die AfD ausspricht. Pikant dabei: Die von Wall gegründete Firma Wall, die mit der Vermarktung von Werbeflächen bekannt wurde, ist Mitglied im vom LSVD initiierten Berliner Bündnis gegen Homophobie. Wie passen dieses Firmenengagement und die Haltung des Gründers zusammen?

In einer Erklärung, die S.i.e.g.T. auf eine Bitte um Stellungnahme zugeschickt wurde (Nachtrag: und die inzwischen auch auf der Internetseite des Unternehmens publiziert wurde), heißt es:

„Die Wall AG distanziert sich von dem politischen Engagement des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden. Hans Wall hat seine Anteile an der Wall AG im Jahr 2009 verkauft. Seit März 2012 ist er nicht mehr Mitglied im Aufsichtsrat der Wall AG. Er hat somit keinerlei Anteile, Funktionen oder Verantwortung mehr in der Wall AG und agiert seitdem einzig als Privatperson. Die Wall AG hat aktuell oder in der Vergangenheit nicht an die AfD gespendet und wird dies auch nicht in Zukunft tun.“

Mittlerweile ist Daniel Wall, Sohn von Hans Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG. Unter ihm trat die Firma Ende 2010 dem Bündnis gegen Homophobie bei. In der damaligen Pressemitteilung des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg wird er mit den Worten zitiert:

„Als in Berlin ansässiges Unternehmen setzen wir uns dafür ein, dass sich das Image unserer Stadt als weltoffene, vielfältige, tolerante und friedliche Metropole ebenso im Alltag widerspiegelt. Ausgrenzung, Diskriminierung oder Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität, ihrer Hautfarbe, ihrer Religionszugehörigkeit oder ihres Geschlechts dürfen in Berlin keinen Platz haben.“

Und bei dieser Haltung soll es bleiben, wie Stefanie Wall auf eine Nachfrage gegenüber S.i.e.g.T. erklärt:

„Die Wall AG steht zu 100% hinter ihren sozialen Engagements, so auch dem Bündnis gegen Homophobie. Soziales Engagement ist ein wichtiger Bereich in unserem Unternehmen, getreu unserem Slogan ‚Für Städte. Für Menschen.'“

Welches Signal ist es nun, wenn der Firmengründer sich öffentlich für die AfD ausspricht – und damit für eine Partei, die Resentiments gegen Migranten ebenso zu bedienen weiß wie Resentiments gegen Schwule und Lesben? Der Artikel im „Manager-Magazin“ beleuchtet naturgemäß die wirtschaftlichen Argumente, die Hans Wall zum Wechsel von der FDP zur AfD gebracht haben:

„‚Früher hat mir Westerwelle aus dem Herzen gesprochen‘, sagte er manager magazin. Vor allem die Enttäuschung über den ‚Bail-Out‘ im Rahmen der Eurorettung habe ihn jedoch zum Wechsel bewogen.“

Der gesellschaftspolitische Rechtspopulismus der AfD scheinen Hans Wall wohl weniger relevant. So unterstützt er massiv eine Partei, die die Forderung von Schwulen und Lesben nach rechtlicher Gleichstellung als Ruf nach „Sonderrechten“ denunziert und zugleich radikale Fundamentalisten innerhalb der „Bildungsplan-Gegner“ in Baden-Württemberg unterstützt, die Homosexuelle als Pädophile brandmarken.

Werbung ist alles in unserer Welt des Aufmerksamkeitsdiktats Man kann nur hoffen, dass die Firma Wall bald eine deutlich sichtbare Kampagne gegen Homophobie lanciert, die auch den Gründer Hans Wall überzeugt, dass die Unterstützung einer homophoben Partei keine gute Idee ist. / ©RH


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