Wir waren schon so nah dran … Wie unsere Gleichstellung Jahr für Jahr an ein paar Fetzen Stoff scheitert!

Wir könnten schon so weit sein! An entsprechenden Signalen aus der Politik und der Gesellschaft mangelt es jedenfalls nicht. Hinter vorgehaltener Hand sind ja selbst die CDU und die CSU bereit, uns die Ehe und das volle Adoptionsrecht zu geben. „Die Homosexuellen haben sich so anständig bemüht die letzten Jahre“, ist es immer wieder von selbst erzkonservativen Politikern zu hören, „die haben jetzt mal eine Belohnung verdient“. Aber leider stehen wir Homosexuellen uns selbst im Weg! Unsere Geschichte müsste nicht länger eine voller Missverständnisse, sondern könnte eine des strahlend-totalitären Erfolges sein … wenn, ja wenn sich ein paar Existenzen endlich mal am Riemen reißen und wenigstens eine Hose tragen könnten bei den CSD-Paraden!

Es wird gemunkelt, dass sich unsere Kanzlerin beim Durchblättern des CSD-Fotoalbums 2014 sehr angetan gezeigt haben soll. „Das sieht doch übersichtlich aus“, soll sie beim Betrachten der Aufnahmen aus Berlin gesagt haben. Geschmunzelt haben soll sie beim Anblick der schwulen Polizisten. „Da könnte man glatt denken, das sind wirklich Männer!“ Gefallen hat ihr möglicherweise der politisch engagierte Wagen der US-Botschaft („Ach, die Amis!“); putzig fand sie die Gruppe der Schwulen 50+, weil dies doch ein guter Beleg für die tolle Rentenpolitik der Regierung sei. Sogar selbstkritisches war zu vernehmen: Obwohl zunächst nicht begeistert, dass die Regenbogeneltern ihre Kleinen im Kinderwagen vor sich her durchs Paraden-Gedränge schubsten. Kinder gehören nicht auf Demos, aber das Kita- und Babysitter-Angebot ist in Deutschland noch nicht optimal. „Da müssen wir dranbleiben“, wird die Kanzlerin von gut informierten Kreisen zitiert, „damit auch die alleinerziehende lesbische Mutter ihr Kind während des CSD zuhause lassen kann“. Als Alternative wäre möglich, das unstrittige Adoptionsrecht für Homo-Paare an den Nachbeweis für adäquate Kinderbetreuung in der CSD-Saison zu knüpfen. Kurzum – alles prima, bis die Kanzlerin weiterblätterte und das Foto des Mannes mit nacktem Arsch in Lederchaps sah.

„Das geht gar nicht!“ Und aus war es mit den Rechten für Homosexuelle.

Die Kanzlerin sei sehr wütend gewesen. Ein Sprecher, der ungenannt bleiben will, relativiert, dass die Kanzlerin selbstverständlich auch ein solches Auftreten akzeptiere, wenn, ja wenn der Mann in Chaps ohne was drunter ein Model der Pornoindustrie ist: 1,90 groß, Sixpack, geile Fresse mit Urban Beard und wilden Tribal-Tattoos. Das würde dann wenigstens Steuergelder bringen, weil die anständigen Homos scharenweise die Porno-DVD kaufen oder den Stream ordentlich nach Bezahlen im Internet runterladen würden. Aber ein alter Sack mit fetter Wampe und Falten am Arsch – da hört sich echt alles auf. Noch schlimmer, wenn sich solche Leute in enges Latex zwängen. Gar nicht anfangen will ich von den armseligen Trümmertransen, die immer noch der Meinung sind, feminine Seiten dürften durchs bloße Tragen von Frauenkleidern ausgelebt werden. Ekelhaft. Auch hier gelten Standards für Fummel und Federboa, die einzuhalten doch nicht so schwer sein kann! (In Kurzform: Fragt der Fotograf von GQ, ob er knipsen darf, dann ist es okay, weil dann der Transen-Chic auch Hetero-Männern gefällt.) Wenn, ja wenn sich solche Leute nur ein wenig – und zu unser aller Genuss – benehmen könnten, dann wäre der Traum von 100% Homo-Rechten längst erfüllt.

Wie der Politik geht es sicher der Mehrheit der Gesellschaft und 90% der anständigen Homosexuellen: Demonstrieren und Parolen von vor 20 Jahren brüllen schön und gut, aber es sollte im 21. Jahrhundert halt vor allem schön sein! Nicht das Denken bestimmt die politischen Entscheidungen, sondern die Ästhetik und das gesunde Volksempfinden. Lässt sich denn bestreiten, dass es mit den Homo-Rechten aufwärts geht, seid man nicht mehr diese eklig kränkelnden Aids-Gestalten auf dem Wagen sehen muss? Gäbe es doch wenigstens auch eine bessere Medikation für unsexy Schwule. Also für die, wo das Fitnessstudio auch nicht mehr reicht.
Für jene, die zu faul für ein klein wenig Körperarbeit sind oder ihre Schrillheit nicht mit Medikamenten unterdrücken können, um wenigstens ansatzweise beim Auftreten im öffentlichen Raum unsere Standards für eine homogen normal-ästhetische Homo-Community zu erfüllen, sollten 48-Stunden-Hausarrest, bis der CSD vorbei ist, kein Tabu-Thema sein!

Das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist. Denn es tut diesen unansehnlichen Fettärschen, den zu klein geratenen Depri-Fetisch-Verrückten, den Huch-„Moi?“-Tunten sowie all den unnormalen Existenzen, die ihre Triebe nicht beherrschen können oder gar meinen, sie könnten mal ihre Fantasie ausleben (statt nur den Porno zu kaufen), doch auch gut, mal in Ruhe über sich und wie sie unseren Erfolg verhindern nachdenken zu können. Im Hausarrest könnten sie uns und unserem Erfolg zumindest nicht schaden. Meinetwegen sollen sie auch einen Kleidungsgutschein erhalten, um sich eine passable Ganz-Bein-Männer(!)-Hose kaufen zu können. Man muss auch mal ans Gemeinwohl denken – an das der Homos wie der Heteros. Die Tage, da sich Homosexuelle über Sexualität und eine aufgeklärte Haltung zur Sexualität definierten, sind im Zeitalter der Kreditkarten-Homosexualität nun mal vorbei! Gelassenheit haben wir uns lange genug geleistet!

Aber weil nach wie vor eine Handvoll Menschen mit nacktem Arsch auf dem CSD mitlaufen dürfen, hat die Kanzlerin wohl den Stift in Regenbogenfarben, den sie für den Bundespräsidenten zum Unterzeichnen des Gesetzes zur Ehegleichstellung und zum vollen Adoptionsrecht ausgewählt hatte, wieder in die Schublade zurückgeschmissen.

Wir waren so nah dran ….

©RH

3 Responses to “Wir waren schon so nah dran … Wie unsere Gleichstellung Jahr für Jahr an ein paar Fetzen Stoff scheitert!”


  1. 1 martinframee Juli 3, 2014 um 11:52 am

    Schön böse.

  2. 2 henrik Juli 3, 2014 um 12:54 pm

    dies..“das geht GAR nicht..“ – seitens der kanzlerin ist herrlich- sich selbst aber zu ehren der wagner-festspiele in einen polyestersack zwängen und die oberweite präsentieren GEHT dann wieder…ok- in dieser dimension ihrer realität möchte ich auch nicht leben….tsssss*

  3. 3 fink Juli 4, 2014 um 4:11 pm

    es ist doch jedes jahr das selbe.

    die selbsterklärten mitte-der-gesellschaft-homos erklären uns im chor, dass wir doch so viel effektiver für vielfalt werben könnten, wenn wir diese vielfalt einfach nicht zeigen würden, und dass wir die akzeptanz der gesellschaft total leicht erhöhen könnten, indem wir einfach selber die hälfte unserer bewegung zum unerwünschten ballast erklären. die grausige paradoxie dieser argumentation fällt ihnen nicht mal auf.

    das ärgerlichste dabei ist für mich, dass diese leute nicht nur nicht merken, wie diskriminierend ihr eigenes verhalten ist, sondern dass sie sich auch noch zu opfern derjenigen stilisieren, die sie selber so aggressiv abwerten.

    herzlichen dank, Rainer, für diesen schönen, punktgenauen beitrag.


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