Die schwulen Filme der Berlinale 2014

Filmstill aus Praia do futuro

Auch die 64. Internationalen Filmfestspiele in Berlin bieten – vom 6.-16.2.2014 – reichlich Filme mit schwul, lesbischer, trans oder queerer Thematik (es mag an meinem Radar liegen, aber das lesbische Moment scheint dieses Mal etwas schwach / Update: Lag wohl nicht an meinem Radar. „Phenomenelle“ veröffentlicht einen Offenen Brief an die Berlinale-Verantwortlichen, in dem die „lesbische Unsichtbarkeit“ kritisiert wird). In guter Tradition auch in diesem Jahr ein Überblick über einen Teil der Filme – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ohne Wertung, nur als Info, um sich im Dschungel von mehr als 400 homo-hetero-bi-a-humansexuellen Filmen zurechtzufinden. Zu jedem Film ein Link zur Internetseite der Berlinale, wo und wann der Film läuft.

Praia do futuro (Brasilien/Deutschland; R: Karim Aïnouz)

Weltpremiere in Berlin und ein schwuler Film im Wettbewerb. An einem Strand der brasilianischen Stadt Fortaleza (eben dem Strand der Zukunft) rettet Donato den Deutschen Konrad vor dem Ertrinken. Sie verlieben sich, Donato zieht nach Berlin, wo er glaubt, ein neues Leben finden zu können. „In seinem neuen Spielfilm folgt der in Berlin lebende brasilianische Regisseur Karim Aïnouz erneut Liebes- und Identitätssuchern, die alles riskieren, um zu sich selbst und zu ihren Gefühlen zu finden.“ / Link Berlinale

Mario Wirz (Deutschland; R: Rosa von Praunheim)

Eine Hommage an den im letzten Jahr verstorbenen Schriftsteller Mario Wirz. Wenige Wochen vor seinem Tod spricht er bei einem Spaziergang mit Regisseur Rosa von Praunheim über den Tod, das Leben und die Liebe. 15-minütiger Vorfilm in der Sektion „Panorama“. / Link Berlinale

Yves Saint-Laurent (Frankreich; R: Jalil Lespert)

Filmisches Porträt des französischen Modemachers und seiner Liebe zu Pierre Bergé. / Trailer (frz.) via YouTube / Link Berlinale

Love Is Strange (USA; R: Ira Sachs)

Ben und George sind seit 39 Jahren ein Paar. Als die gleichgeschlechtliche Ehe in New York erlaubt wird, nehmen sie ihr Recht wahr. Das bleibt nicht ohne Folgen: George wird von der katholischen Schule, an der er arbeitet, gefeuert. Die beiden verlieren ihre Wohnung. Ihrer Liebe steht eine echte Bewährungsprobe bevor. / Link Berlinale

Calvary (Irland/Großbritannien; R: John Michael McDonagh)

Das Berliner Lokalmagazin „Siegessäule“ spricht von „Calvary“ als einem „der sehnlich erwarteten Filme des Festivals“! Na denn: Eine schwarze Komödie über einen Pfarrer, dem im Beichtstuhl ein Mann ankündigt, ihn in einer Woche zu töten – aus Rache, weil der Mann als Kind von einem Geistlichen missbraucht wurde. Der Pfarrer Lavelle macht sich auf eine Spurensuche. Hauptdarsteller Brendan Gleeson könnte es mit dem gepflegten grauen Bart glatt zum Woof zum Samstag schaffen. / Trailer (engl.) via YouTube / Link Berlinale

Felice chi è diverso (Italien; R: Gianni Amelio)

Eine Dokumentation über schwules Leben in Italien seit Ende des Faschismus. Schwule Männer erzählen von ihrem Leben, ihrer Liebe. „Die anthropologische Studie wird zu einer Kulturgeschichte des Landes; die Analyse der sozialen Verhältnisse berührt, macht wütend und lässt keine Gleichgültigkeit zu.“ / Link Berlinale

Test (USA; R: Chris Mason Johnson)

San Francisco 1985: Anhand der Beziehung zwischen den Tänzern Frankie und Todd wird der Ausbruch der Aids-Epidemie mit ihren Folgen für das Leben von Schwulen thematisiert. „Chris Mason Johnsons atmosphärisch dichter Film ruft die ersten großen Filme jener Zeit in Erinnerung, die die Herausforderungen an die Community schilderten: „Buddies“ (1985) und „Parting Glances“ (1986). / Trailer (engl.) via YouTube / Link Berlinale

Viharsarok (Ungarn/Deutschland; R: Ádám Császi)

Szabolcs spielt zunächst in einer deutschen Fußballmannschaft, kehrt dann aber nach Ungarn zurück. In einem kleinen Dorf verliebt er sich in Áron; etwas, was weder Szabolcs Mutter noch die Dorfbewohner zu akzeptieren bereit sind. / Link Berlinale

Unfriend (Philippinen, R: Joselito Altarejos)

Liebe und Gefühle zwischen „echtem“ und „virtuellen“ Leben. Der 15-jährige David lässt über Facebook alle von seiner Liebe zu Jonathan wissen. Die romantische Inszenierung gerät aus den Fugen, als Jonathan am Weihnachtsabend sich mit einem neuen Liebhaber präsentiert. / Link Berlinale

Pierrot Lunaire (Deutschland/Kanada; R: Bruce LaBruce)

„Pierrot Lunaire“ ist ein Gedichtzyklus von Albert Giraud, vertont von Arnold Schönerg. Das Musikstück wird nun vom Regisseurs Bruce LaBruce mit Susanne Sachsse in der Hauptrolle inszeniert. Angesiedelt in Berlin, spielt sie eine junge Frau, die sich als Mann verkleidet und ein junges Mädchen verführt, das keine Ahnung hat, dass ihr Liebhaber das gleiche Geschlecht hat. „Als das Mädchen ihrem Vater den neuen Freund vorstellt, wird dieser skeptisch, deckt den Betrug auf und verbietet, dass die Liebenden sich wiedersehen. In zornigem Wahn, entwickelt der ‚Junge’ einen abenteuerlichen Plan, um dem Vater seiner Geliebten seine ‚Männlichkeit’ zu beweisen.“ / Link Berlinale

Quick Change (Philippinen; R: Eduardo Roy, Jr.)

Blick hinter die Kulissen der Schönheit. Das Geschäft der Trans-Frau Dorina ist es, Menschen zu helfen, die im Miss-Gay- oder Miss-Amazing-Wettbewerb gewinnen wollen: mit Kostümen und Schminke ebenso wie mit Spritzen und Implantationen. „Mit Handkamera an authentischen Schauplätzen fotografiert, versteht sich der Film auch als Zeitbild einer Gesellschaft, die lustvoll schrill und zugleich höchst verletzbar auf dem Vulkan tanzt.“ / Link Berlinale

Wie immer wird zum Ende der Filmfestspiele der Teddy Award für die besten LGBT-Filme bzw. DarstellerInnen vergeben. Mehr dazu auf der Internetseite des Teddy Award.


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