Ein kleiner Dank den Heteros (aber nur den normal gebliebenen!)

Heteros sind mitunter seltsame Wesen. Da geht das Abendland unter, die Deutschen sterben aus und Kinder müssen in den Kindergärten zwangsmasturbieren, aber eine erstaunliche Schicht von Heteros bleibt völlig normal. Ich hab keine Ahnung, wie die das hinkriegen …

Obwohl sie sich mit dem ganzen Job-Kinder-Schule-Kram tagtäglich rumschlagen müssen, flippen sie nicht aus. Ihr berechtigter Ärger, dass die Dinge von Miete bis Schulessen alle teurer werden, scheint in ihnen weder Wut noch Neid auf Schwule und Lesben hervorzurufen. Ist man bei ihnen zum Abendessen eingeladen, kriegt man dieselbe Portion auf den Teller wie alle anderen. Im Haushalt all dieser fundamentalistischen Heile-Familie-Anhänger würde man wahrscheinlich weniger Kartoffeln und vom Fleisch nur die Hälfte bekommen, als demonstrativen Ausgleich dafür, dass man als Homosexueller nichts zum biologischen Erhalt der Nation beiträgt.

Überhaupt: All diese Fragen von der Sündhaftigkeit der Homosexualität, von der Überlegenheit des Christentums, von Unterdrückung des weißen Mannes, das Denken, dass die reaktionären Gemüter pausenlos zu beschäftigen scheint, all dies spielt scheinbar im Leben der normalen Heteros keine Rolle. Sie haben ihre Kinder nicht wegen der Besorgnis über die demografische Entwicklung Deutschlands bekommen, sie wollten es einfach oder auch, weil sie bei der Lust nicht so wirklich drüber nachgedacht haben.

Die normalen Heteros, die ich kenne, kämen nie auf die Idee, ihre eigene Beziehung, ihre Familie geringer zu schätzen oder im Gegenzug aufzuwerten, weil es daneben jetzt auch Homo-Ehen gibt. Und wenn dann die Ehe in die Brüche geht, suchen sie die Verantwortung bei sich selbst und nicht bei den 68ern und nicht im Lamento gegen meinen Lebensstil.

Ich kann mich mit diesen Heteros beispielsweise über das Buchen von Leihmüttern in Indien aufregen, die Diskussion macht sich dann aber nicht an der sexuellen Orientierung fest, sondern an Fragen der Ausbeutung. Eine gute Freundin wundert sich immer noch über besonders feminine Schwule – trotz all meiner Erklärungsversuche der letzten 20 Jahre -, aber es käme ihr nie in den Sinn, daraus eine generelle Theorie für oder gegen etwas abzuleiten oder Menschen deswegen anders zu behandeln.

Anders als die Berufseinpeitscher rechter Parteien, von CSU und CDU, von der katholischen Kirche, von den diversen „Schutz der Familie“-Kampftruppen in Papst-Nachfolge sehen sich diese normalen Heteros nicht einer permanenten Bedrohung ausgesetzt, fühlen sich nicht weniger privilegiert durch die Existenz von Regenbogenfamilien, sondern sind der Ansicht, dass halt jede und jeder irgendwie auf möglichst gute und für alle verträgliche Art durchs Leben kommen muss und soll. Sie sind für gleiche Rechte! Gleichberechtigung sehen sie als Gewinn und nicht als Gefahr, dass ihnen etwas weggenommen wird und sie dadurch weniger berechtigt seien.

Mit manchen Heteros kann man einfach so das Alltagsleben teilen, mit ihnen ins Kino gehen, man kann ihre Sorgen verstehen, wenn es bei ihren Kindern in der Schule nicht klappt, man kann sich bei ihnen ausheulen, wenn die Beziehung dahin ist, man kann mit ihnen reichlich entspannt über Gott und die Welt labern … Das klappt ja noch nicht mal mit manchem schwulen Freund! Heteros sind schon seltsame Wesen und manchmal auf sympathische Weise normal. / ©RH

3 Responses to “Ein kleiner Dank den Heteros (aber nur den normal gebliebenen!)”


  1. 1 Heike Januar 21, 2014 um 10:13 am

    Wow, was für ein toller und wahrer Artikel! Danke an meinen „homosexuellen“😉 besten Freund Rainer, der für mich nie etwas anderes war und sein wird, als ein liebenswerter, intelligenter, liebenswerter und einfühlsamer Freund, auf den man sich immer verlassen kann. Die Diskussionen über Schwule und Lesben im Jahr 2014 – im angeblich fortschrittlichen, demokratischen Deutschland machen einfach nur wütend! Da spielt es wohl auch keine Rolle, dass manch ein Politiker (gerade die CDU hat es da nötig) Frau und Kinder verlässt, nach Berlin geht, dort eine Geliebte hat, die dann das gemeinsame Kind allein großziehen darf, weil der Herr so machtbesessen ist und dann aus diesen Gründen sich wieder an Frau und Kinder erinnert, um politisch aufzusteigen. Na, hauptsache HETERO!
    Heike (auch hetero;-)

  2. 3 HARRY Januar 24, 2014 um 3:39 pm

    Naja immerhin wurde besagte Frau in Berlin von besagtem Mann mit einem hochdotierten Posten versorgt, für den sie vollkommen ungeeignet ist, Auch ganz normal! Schwachsinn ist eben nicht von der sexuellen Ausrichtungen abhängig🙂


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