Murks am Montagmorgen: Malte Lehming

Der Montagmorgen zählt generell nicht zu den beliebtesten Zeiten: Die Woche, der Job fangen an, man weiß noch nicht, ob sich die Bekanntschaft vom Wochenende wieder melden wird. Dann schlägt man die Tageszeitung auf bzw. geht ins Internet und wird gleich mit einer Meldung konfrontiert, die die Laune noch schlechter macht. Den Murks am heutigen Montag verdanken wir: Malte Lehming vom „Tagesspiegel“

Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis oder schiebt das Problem den Migranten zu. So ähnlich muss Malte Lehming gedacht haben, als er für einen Artikel im Berliner „Tagesspiegel“ über das Schlagwort „Sexuelle Vielfalt akzeptieren: Was geht, wenn alles geht“ ins Grübeln geriet. Ausgangspunkt ist das Vorhaben der grün-roten Regierung in Baden-Württemberg, die Akzeptanz in einen Bildungsplan zu schreiben. Lehmings Ansatz ist, näher nachzufragen, was genau unter „sexuelle Vielfalt“ zu verstehen ist, seine Befürchtung ist, dass damit auch „Sadomasochismus, Polygamie, Polyamorie und Inzest“ im Klassenzimmer landen.
Soweit, so schlimm. Aber es geht immer schlimmer …

„Migrantische Homophobie, insbesondere unter arabisch-, türkisch- und russischstämmigen Jugendlichen, ist weit ausgeprägter als die der Einheimischen. (…) Das verstärkt bei vielen Migranten das Gefühl, unter Integration werde stets nur das Überstülpen der Leitkultur und die Verleugnung kultureller Eigenständigkeit verstanden.“

Es mag nicht wirklich einleuchten, warum Lehming hier den Umweg über angeblich besonders homophobe Migranten machen muss. „Überstülpen der Leitkultur“ – einer „linken“ Leitkultur -, bei diesem Stichwort rastet auch ein Großteil bodenständiger Deutscher regelmäßig aus.

Vielleicht ist aber der wirkliche Murks an Malte Lehmings Grübelei, dass sie Schulunterricht als Versuch einer frontalen Gehirnwäsche versteht. Dass „Sexuelle Vielfalt akzeptieren“ auch ein Weg sein kann, in ein Gespräch, in eine Diskussion mit Schülerinnen und Schülern zu kommen, um auch für eine Problematik überhaupt zu sensibilisieren, kommt ihm gar nicht in den Sinn. Oder um es mit Christian Stark, Landesschülersprecher in Baden-Württemberg, zu sagen: „Man kann doch von Glück sprechen, wenn das Thema der sexuellen Vielfalt überhaupt den Weg zu Lehrern und Schülern findet.“ (Das angenehm unaufgeregte Interview kann man hier nachlesen.) / © RH


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