Ausgebloggt bei „Nollendorfblog“ und „Think outside your Box“ ?

So langsam wird das hier aber echt einsam als schwules Blog! Nachdem am Montag bereits Oliver Ritter das Aus seines Nachrichtenblogs „Think outside your box“ verkündet hat, meldete gestern nun auch Johannes Kram eine „Sendepause“ seines „Nollendorfblog“. Zwar nochmals mit heftiger Kritik am LSVD, aber auch ein bisschen ernüchtert:

„Es gäbe viel zu bloggen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich alles, wirklich alles, was ich zu diesen Themen zu sagen hätte, hier schon gesagt habe. Vielleicht sogar schon zu oft.“ Er wolle bei aller Meckerei konstruktiv bleiben, das könne er aber im Moment nicht garantieren. Update 20.2.: Seit kurzem traut Johannes sich das aber doch wieder zu und bloggt zu Maischberger, Matussek und Berliner CSD.

Während das „Nollendorfblog“ sich in den letzten Monaten vor allem in der Auseinandersetzung mit dem LSVD und dem Protest an der Menschenrechtssituation in Russland profiliert hatte, war „Think outside the box“ ein stark nachrichtenorientiertes Blog für LGBT-Themen im deutschsprachigen Raum mit Schwerpunkt Österreich.

„In den letzten Wochen jedoch hat sich gezeigt, dass ich  in der schnelllebigen Welt (im Moment) als Einzelperson einfach nicht mehr die Ressourcen habe, die Qualität aufrecht zu erhalten und sich leider auch niemand gefunden hat, der als regelmäßige(r) AutorIn ebenfalls Beiträge veröffentlichen möchte, um so einen Beitrag für thinkoutsideyourbox.net und die LGBTIQ-Community zu leisten, doch offenbar sind ‚wir weniger Community als erhofft'“, schreibt Macher Oliver Ritter. Update: Und hat sich’s mittlerweile anders überlegt und am 17.1. verkündet: „Ich kam zum Schluss, dass es einfach ‚zu Schade‘ wäre, wenn es das Blog nicht mehr geben sollte.“

Gemeinsam ist beiden Blogs, dass sie 2009 gestartet wurden – das sind immerhin mehr als vier Jahre regelmäßiges Veröffentlichen von Beiträgen, das Sammeln von Informationen, das Formulieren einer eigenen Meinung/Haltung, das Angehen gegen Diskriminierung von Außen als auch Kritik an den Zuständen innerhalb der Szene. (Wobei Letzteres hierzulande fast automatisch zu einer Freund-Feind-Konstellation führt.)

Mir sind die von Oliver und Johannes geäußerten Gründe nicht fremd und aus ähnlichen Überlegungen habe ich ja auch die Arbeit fürs Samstag-Blog erheblich reduziert. Zeit- und Energieaufwand (ohne finanziellen Ausgleich) können auslaugen, ebenso das, was ich den unvermeidlich sich einstellenden Windmühlen-Effekt nennen würde. Das Pfund erfolgreicher Blogs ist sicher die Generierung von Aufmerksamkeit (man kann aber auch schnell wieder ignoriert werden, wenn die Karawane weitergezogen ist), seltener schon die wirkliche Mobilisierung und fast nie konkrete Veränderungen.

Es tut mir leid zu sehen, dass zwei weitere Blogs aufhören bzw. Pause machen. Selbst mit ihrer eher geringen Reichweite sind für mich Blogs ein wichtiger Beitrag zu einer Meinungspluralität, die sich ansonsten zunehmend in den Kommentarspalten von Internetseiten, im dezenten Klicken des „Gefällt mir“-Buttons oder in 140-Zeichen bei „Twitter“ zu erschöpfen scheint. Alle drei Methoden versinken auch sofort wieder im Nirwana des Netzes. Blogartikel bilden dagegen wenigstens so etwas wie ein Archiv, das wiedergefunden werden kann, wenn gewünscht und nötig.

Zunächst Dank an die Blogger-Kollegen für ihre Arbeit und Engagement – und man geht ja niemals so ganz! Soll heißen: Man hört ja nie wirklich auf, Blogger zu sein! / ©RH

und noch ein Nachtrag (19.1.): Manche QueerGEISTer haben jetzt erst recht Lust zu bloggen.

2 Responses to “Ausgebloggt bei „Nollendorfblog“ und „Think outside your Box“ ?”


  1. 1 Charlie Januar 19, 2014 um 3:41 pm

    Dein Artikel hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, weshalb ich blogge. Meine Gedanken habe ich hier festgehalten: http://www.queergeist.com/2014/01/19/ausgebloggt-von-wegen/
    Dein Fazit „Man hört ja nie wirklich auf, Blogger zu sein!“ bringt es meiner Ansicht nach ziemlich gut auf den Punkt. Entweder man ist Blogger und kann gar nicht anders als schreiben, oder man ist es eben nicht. Ich lese dein Blog regelmäßig und freue mich immer über neue Artikel. Daher auch dir besten Dank für dein Engagement und deine Arbeit!

    • 2 RH Januar 19, 2014 um 3:59 pm

      Dein Text ist auch schon als Nachtrag in meinem verlinkt, ebenso wie QueerGEIST in der rechten Menuleiste. Dir weiterhin viel Spaß beim Bloggen. Gruß, Rainer


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