Udo Walz braucht nun wirklich keine Kinder mehr – und Angela Merkel gibt sie ihm auch nicht!

Wir hatten ja gedacht, die Kanzlerin würde in ihrem – wie es scheint – effektiven, aber jeglichem Grundverständnis von diskursiver Demokratie Hohn sprechendem Wahlkampf Themen, die Schwule und Lesben betreffen, ignorieren. Es wäre das mindeste gewesen, was man an Respekt hätte erwarten können. Wenigstens schweigen, wenn man denn schon Homosexuelle als Menschen zweiter Klasse verachtet und in den letzten vier Jahren mit kriecherischer Duldung der FDP eine Politik betrieben hat, die Homosexuellen nur auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichtes millimeterweise gleiche Rechte zugesteht – und auch das nur flankiert von reaktionären Hetztiraden à la Geis und Steinbach.
Nun hat sie sich aber doch nicht lumpen lassen und doch noch nachgetreten … 

Ausgerechnet sie, die in Sachen EU-Krise, demographischer Wandel, Asyl, Miteinanderleben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen außer vernebelnden Phrasen nichts zu sagen hat, findet ausgerechnet bei einem Thema, das die schwul-lesbische Minderheit betrifft, klare Worte. Der Katholischen Nachrichtenagentur gegenüber – zitiert als Meldung u.a. in der „Welt“ – betonte sie, dass die CDU kein Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartner einführen will. Sie tut dies wie gehabt mit Verweis auf den Schutz von Ehe und Familie, wie er im Grundgesetz verankert sei (und das ist für Merkel und die CDU nur die heterosexuelle Ehe). Damit die Diskriminierung nicht ganz so diskriminierend klingt, sagt Merkel natürlich auch, dass Diskriminierung von Homosexuellen inakzeptabel sei. Warum sie sich das Recht rausnimmt, es trotzdem zu tun, bleibt ihr Geheimnis. Vielleicht fällt es ihr so leicht, weil Diskriminierung immer nur die Diskriminierten spüren?

Wo doch noch nicht mal alle Diskriminierten die Diskriminierung als solche spüren / spüren wollen. Hat Merkel, die natürlich nichts gegen Homosexuelle hat und sogar ein paar ganz persönlich kennt, erkannt, dass die guten Homosexuellen auch gar keine Kinder wollen? Guido Westerwelle hat doch nun wirklich keine Zeit übrig, sich auch noch um ein kleines Gör zu kümmern. Und Udo Walz? Erklärter CDU-Anhänger und prominenter Frontmann im Kampf für den erneuten Sieg von Angela Merkel,* der sich bis zum Tag seiner eigenen Verpartnerung gegen ein solches Recht für sich und die Mitschwulen ausgesprochen hat – der Mann ist 69 Jahre! Da braucht man doch wirklich keine Kinder mehr!! (Es sei denn, man heißt Elton John!) Wenn also Udo Walz in seiner Partnerschaft keine Kinder adoptieren will – was wir mal annehmen, denn er wird seiner geschätzten Kanzlerin kaum in den Rücken fallen -, dann braucht es der Rest der Homo-Partnerschaften auch nicht!

Man kann natürlich schon ahnen, wer an dem Tag, da das Bundesverfassungsgericht schwulen und lesbischen Ehen/Partnerschaften das Adoptionsrecht zuspricht, als allererstes mit einem Söhnchen oder Töchterchen medial wirksam in die Kamera der „Bild“ lächelt. Und wenn man sich das so vorstellt, dann muss man Frau Merkel irgendwie auch ein bisschen dankbar sein, dass sie einen als Menschen zweiter Klasse vor den unangenehmen Folgen echter Gleichstellung bewahrt!  RH

* Was es zum Wahlkampf schwuler Promis für die CDU zu sagen gibt, lässt sich im Nollendorfblog von Johannes Kram nachlesen.


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