NSU-Prozess: Befragung von Carsten S. fortgesetzt

Am sechsten Verhandlungstag im NSU-Prozess wurde die Befragung des Angeklagten Carsten S. fortgesetzt …

Neben dem Hauptanklagepunkt, eine der Waffen für die späteren Morde der NSU-Terrorzelle besorgt zu haben, ging es auch um Carsten S. frühere politische Haltung und seine Tätigkeiten als Sympathisant und Unterstützer der NPD bzw. der rechten Szene in den neunziger Jahren. Das Feindbild seien Migranten gewesen, Carsten S. war dabei, als Dönerbuden beschädigt wurden und als die Nazi-Clique zwei junge Männer verprügelte.  Er habe auch ein- oder zweimal zugetreten – er wisse es nicht genau.
Mit dem mutmaßlichen Terror-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe will er vor deren Untertauchen kaum Kontakt gehabt. „Erst später habe der Mitangeklagte Ralf Wohlleben ihn zum Verbindungsmann gemacht, weil er selbst davon ausging, dass er überwacht würde“, gibt die „Stuttgarter Zeitung“ S. Aussagen wieder. Ralf Wohlleben ist im Prozess wie Carsten S. wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt.
Die Berichterstattung von Hannelore Crolly und Per Hinrichs in der „Welt“ formuliert folgenden Eindruck: „Die von Carsten S. versprochene umfängliche Aussage ist womöglich doch nicht so umfassend. Wenn es um Motive, seine ideologischen Beweggründe und Überzeugungen geht, windet er sich, hält sich klug an eine reine Faktenschilderung. An vieles kann er sich angeblich nicht mehr oder nur bruchstückhaft erinnern. Oder er stellt den Spaß und die Suche nach Anerkennung in den Vordergrund.“ Er scheine von seinen Anwälten gut vorbereitet worden zu sein.
Ähnlich auch der Eindruck von Anna Fischhaber, die für die „Süddeutsche“ im Blog über den Prozess berichtet. Sie findet Carsten S.‘ „Geschichten von seiner eigenen Rolle in der rechten Szene“ seltsam: „Carsten S. versucht, diese Rolle kleinzureden.“
Und auf „Tagesschau.de“ äußert der Jurist Frank Bräutigam im Interview: „Dass sich S. an keine Gedanken von damals erinnere, scheint Götzl ihm nicht recht zu glauben, war mein Eindruck.“
Auch bei weiteren Fragen zum Kauf der Mordwaffe bleibt Carsten S. Antworten schuldig. Er kann oder will scheinbar nichts zu den Motiven des Waffenkaufs sagen, auch nicht, als der Richter ihn darauf hinweist, dass es keine „Spielzeugpistole“, sondern eine scharfe Waffe gewesen ist, die Carsten S. besorgt hat. „Sie werden beauftragt, eine Straftat zu begehen und dann fragen Sie nicht nach?“ Die „SZ“ schreibt, Carsten S. habe Probleme damit, plausibel zu erklären, warum der dem NSU-Trio die Waffe geliefert habe.
Weil sich Carsten S. erschöpft zeigte, wurde der Prozess auf Antrag der Verteidiger für heute beendet.

Link: S.i.e.g.T.-Bericht zum gestrigen Prozess


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