„Gute Mischung aus LSU und CDU“ Schwule in der Union nun mit eigenem Wagen auf Berliner CSD

Am Donnerstag meldete der „Tagesspiegel“, dass die LSU (Lesben und Schwule in der Union) einen eigenen Wagen zur CSD-Parade in Berlin am 22. Juni angemeldet habe. Dies wurde am Abend durch eine „Eilmeldung“ auf der Facebook-Seite der Veranstalter bestätigt: „Die LSU wird mit einem eigenen Wagen an der CSD-Parade Berlin teilnehmen. Wir freuen uns!“
Und mit dem LSU-Verband wird auch ein bisschen CDU dabei sein: 
„Wir haben eine gute Mischung aus LSU und CDU auf unserem Wagen“, zitiert der „Tagesspiegel“ den LSU-Landesvorsitzenden Martin Och.
Ende April hatten die Berliner CSD-Veranstalter verkündet, die CDU wegen ihrer „verfassungswidrigen Entscheidungen“ gegen die Gleichstellung von Homosexuellen und „der zunehmend polemischen, diffamierenden und verhetzenden Äußerungen zahlreicher CDU-PolitikerInnen in den letzten Monaten“ von der Teilnahme auszuschließen (S.i.e.g.T.-Bericht). Es wurde wie erwartet diskutiert, in Geheimtreffen wollte man schlichten und in  einer Podiumsdiskussion wurde auf klare Kante gemacht. Dabei war von den Veranstaltern stets betont worden, dass der Ausschluss der CDU nicht die LSU einschließe; der Verband hatte mehrfach die Haltung der Partei kritisiert.
Wie es scheint, will man genau kontrollieren, wer da auf dem LSU-Wagen sitzt, steht, feiert. „Wir wollen auf dem CSD keine Christdemokraten, die sich nicht von der Parteilinie abgrenzen. Alle anderen sind natürlich willkommen“, so CSD-Berlin-Veranstalter Robert Kastl – ebenfalls laut „Tagesspiegel“. Den Berliner Innensenator Frank Henkel werde man nicht verbannen.  Henkel gilt als aufgeschlossen gegenüber einer Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Auf der erwähnten Podiumsdiskussion Anfang Mai hatte Kastl bereits angedeutet, dass ein LSU-Wagen, der nicht Wahlkampf für die CDU mache, vorstellbar sei.
Nachtrag Freitag, 10 Uhr: Wiederum via Facebook verbreiten die Veranstalter einen Standard-Satz der PR: „Der Ausschluss der CDU hat endlich das bewirkt, was wir schon seit Jahren versuchen: Eine Diskussion über Inhalte.“ und die Vorgaben für den LSU-Wagen lauten, man müsse „deutlich erkennen können, dass es sich um einen LSU-Wagen handelt, der sich gegen Diskriminierung einsetzt (so wie dei LSU das ja auch tut, wenn auch bisher mit mäßigem Erfolg)“. Die „vorgelegten Wagendesigns“ unterschieden sich deutlich von den CDU-Fahrzeugen der letzten Jahre.
Wie es scheint, wird es massive Personenkontrollen auf dem diesjährigen CSD in Berlin geben müssen. Hoffentlich planen Katharina Reiche und Norbert Geis nicht, als Drag Queens verkleidet, heimlich den Ausschluss zu umgehen! Aber „so oder so“: Schön, dass wir gestritten haben, schön, dass wir symbolisch die CDU ausgeschlossen haben und dass die guten CDU’ler nun doch mitfahren und mitlaufen dürfen. Gemessen an dem Ärger in Köln, wo sich die rechte, islamfeindliche „Pro Köln“-Bewegung in den CSD einreihen will (und bislang nicht ausgeschlossen wurde), erscheint die Berliner Mischung mit ein bisschen CDU plötzlich als das kleinere Übel. (RH)


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