„Sicherheitsinteressen“ Pro Köln meldet sich für CSD-Parade in Köln an

Die rechte, islamfeindliche Bewegung Pro Köln, der vom Verfassungsschutz NRW „tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen“ bescheinigt werden, hat sich für die Teilnahme am Kölner CSD angemeldet. Mit einem Wagen unter dem Motto „Proud to be kölsch“ will man die Forderungen der CSD-Veranstalter unterstützen und gegen die Diskriminierung von Minderheiten demonstrieren. Wobei Pro Köln mit „Minderheit“ eher sich selbst meint:
„Denn obwohl es im Jahr 2013 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass es kein Verbrechen ist, homosexuell zu sein oder einer unbequemen Oppositionspartei wie Pro Köln anzugehören“, heißt es auf der Internetseite der Bewegung (zu der wir jetzt mal absichtlich nicht verlinken). Durch besondere Homo-Freundlichkeit oder einem sensiblen Umgang mit anderen Minderheiten ist Pro Köln jedenfalls bislang nicht aufgefallen – und nur nebenbei sei erwähnt, dass die Bewegung den CSD eigentlich auch mal abschaffen wollte! Nun aber schreibt sich Pro Köln den meta-sexuellen „Einsatz für mehr Sicherheit und Sauberkeit in Köln“ auf die Fahnen. Der schwule Schauspieler und Pro Kölner Michael Gabel freut sich schon „außerordentlich“ auf den CSD und dankt den Organisatoren für ihre „parteipolitisch strikt neutrale Haltung“. Soviel Schadenfreude muss sein. Denn bei den CSD-Veranstaltern ist man alles andere als glücklich mit dem Coup von Pro Köln. „Wir wollen Gleichstellung für alle Menschen – nicht nur die Gleichstellung deutscher Minderheiten““, zitiert der „Kölner Stadtanzeiger“ Jörg Kalitowitsch vom CSD-Verein Klust. Man sei schockiert und mache sich nun Sorgen um die Sicherheit aller CSD-Teilnehmer. Man wolle die Situation zunächst mit der Polizei besprechen. Auf „queer.de“ distanziert sich Kalitowitsch von pro Köln, deren Inhalte stünden „konträr zum CSD“. Eine Möglichkeit, Pro Köln von der Demonstration auszuschließen, sieht man anscheinend bei den CSD-Veranstaltern nicht.
Die PR-Aktion von Pro Köln ist eine wohlkalkulierte Provokation zur Sprengung der traditionellen Feier von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender. Pro Köln gehört nicht auf den CSD! In der Debatte um den Ausschluss der CDU vom Berliner CSD habe ich geschrieben: „Ob nicht Tausende von der Haltung der CDU enttäuschte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Parade originelle Wege [als den Ausschluss] finden könnten, ihren Unmut gegen einen in der Parade mitfahrenden Wagen einer Partei zu demonstrieren?“ Für die Kölner Veranstalter und die TeilnehmerInnen der Parade bleibt – falls es keinen Ausschluss gibt oder Pro Köln die Teilnahme zurückzieht! – genug Zeit, sich eine den friedlichen Absichten des CSD angemessene Reaktion während der Parade auszudenken, um sich sichtbar, hörbar von einer Hetze wie der durch Pro Köln zu distanzieren. (RH)

6 Responses to “„Sicherheitsinteressen“ Pro Köln meldet sich für CSD-Parade in Köln an”


  1. 1 hulrich Mai 16, 2013 um 1:08 pm

    Wundert uns das? Die Kölner CSD-Karnevalisten lassen doch alles zu. Da könnten auch Kardinal Meisner oder Mahmud Ahmadinejad mitlaufen. Der Kölner CSD hat mit einer poltischen Demonstration doch soviel zu tun wie die CDU mit LGBT-Rechten – nix!

  2. 2 RH Mai 16, 2013 um 1:27 pm

    Wenn man es so sieht, dann ist der jetzige Vorgang vielleicht ein heilsamer Schock? (allerdings einer, auf den man trotzdem gern verzichtet hätte)

  3. 3 Thomas7 Mai 16, 2013 um 2:19 pm

    Wieso sollte der Veranstalter des Aufzugs nicht in der Lage sein, diesen braunen Verein auszuschließen?

  4. 4 sampo Mai 18, 2013 um 5:23 am

    Man muss sich für den Kölner CSD-Trägerverein schämen. Wenn man bedenkt, dass der CSD als Demonstration angemeldet wird, ist es interessant, dass sich der veranstaltende Verein einer politischen Positionierung verweigert.

    Aber ich denke, das ist nur konsequent, wenn aus einer ehemals polititschen Veranstaltung eine Lifestyle-Verantstaltung wird und genau dieses propagiert wird und somit man keine Verantwortung für die Bestandteile der Parade übernimmt.

    • 5 Stefan M. Gerlach Mai 19, 2013 um 3:21 am

      @sampo: Ja, ganz genau. Mich trägt aber – vielleicht naiverweise – die Hoffnung, dass Herr Kalitowitsch doch noch die „Kurve“ als Verantwortlicher des CSD Köln nehmen, d. h. seine Angst in den Griff bekommen wird, und er eine angemessene Reaktion auf „Pro Köln“ realisieren wird. Denn wenn er nichts nachzuliefern hat und bei dieser Haltung bleibt, taugt er nicht als Kopf des CSD, weil er dessen (politischem) Ansehen schadet.

      • 6 tulitikku Mai 19, 2013 um 7:31 am

        Wenn ich so die Diskussion betrachte, die es zu CDU-Wagen auf dem CSD gab und dazu die Äußerungen aus Köln sehe, dann dieses Larifari-Motto des CSDs, habe ich das Gefühl, dass die Kölner eigentlich niemandem weh tun möchten und jegliche klare Positionierung vermeiden wollen.

        Aber wenn jetzt nicht endlich mal eine klare Stellung bezogen wird, sollte man wirklich nachdenken, ob da die richtigen Organisatoren am Werk sind.

        Und diese Frage sollten sich eigentlich auch die Organisatoren stellen, ob sie damit nicht überfordert sind und an der falschen Stelle sitzen, denn schließlich ist es immer noch, Tourismus hin oder her, eine politische Veranstaltung.


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