„Zwischen absurd und schizophren“ CSD Berlin schmeißt CDU aus der Parade

Werbewirksam haben die Organisatoren des Berliner CSD beschlossen, die CDU bei der Parade 2013 nicht zuzulassen. „Dies sei eine Konsequenz der verfassungswidrigen Entscheidungen des letzten CDU-Parteitags, des CDU-Präsidiums und der zunehmend polemischen, diffamierenden und verhetzenden Äußerungen zahlreicher CDU-PolitikerInnen in den letzten Monaten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Gemeint ist damit die Weigerung der CDU, auf irgendeine Weise die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartner voranzubringen – trotz entsprechender Urteile des Bundesverfassungsgerichtes. Weiter heißt es: 

„Bis in die Parteispitze hinein verstiegen sich UnionspolitikerInnen im Ton und schreckten nicht vor beleidigenden, würdelosen und unanständigen Äußerungen zurück. Schwule und Lesben wurden zu ‚Rechtsrandgebieten‘, Menschen einer ‚anderen Qualität‘ und einer ’schrillen Minderheit’mit ‚extremen politischen Vorstellungen‘ degradiert, die sogar den ‚Fortbestand der Menschheit gefährden‘ und ‚die Ehe bedrohen‘.
Zweifel am Demokratieverständnis der Union sind angebracht, denn ihre Haltung ist weder sachlich begründbar noch juristisch haltbar. Es zählten lediglich ideologisches Bauchgefühl und unverhohlene Menschenfeindlichkeit.“
Eine solche Haltung sei mit den Zielen des CSD nicht vereinbar. Man wolle darum verhindern, dass die CDU den CSD „für unlautere Wahlwerbung“ missbrauche. „Mit der Teilnahme am CSD würde die Union quasi gegen sich selbst demonstrieren. Das ist irgendwo zwischen absurd und schizophren“, so Robert Kastl vom Organisationsteam des CSD Berlin.
Gnade gewährt man den Mitgliedern des LSU (den Schwulen in der Union), der wilden 13, also jenen CDU-Politikern, die in einem Aufruf einen aufgeschlosseneren Umgang ihrer Partei mit Schwulen und Lesben gefordert hatten, und auch CDU-Anhängern, die sich klar von der Haltung ihrer Partei distanzieren.
Wie letzterer Punkt geprüft werden soll, erläutert die Pressemitteilung nicht. Bei „queer.de“ kann man noch lesen, dass, laut Kastl, die CDU auch weiterhin zu Diskussionsveranstaltungen und im Rahmenprogramm des CSDs präsent sein solle. „Man werde Vertreter der Partei zu weiteren Aktivitäten einladen, damit die inhaltlichen Positionen dargestellt werden und die Union sich auch der Kritik aus der schwul-lesbischer Community stellen kann.“
Ob nicht Tausende von der Haltung der CDU enttäuschte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Parade originelle Wege finden könnten, ihren Unmut gegen einen in der Parade mitfahrenden Wagen einer Partei zu demonstrieren? Vielleicht wäre das ein der schwulen und lesbischen Tradition angemessenere Weg als ein Ausschluss von oben herab durch die Organisatoren?  Und wieso die FDP anders beurteilen als die CDU – jene FDP, die immer nur das Maul aufreißt, aber ansonsten auch gegen die Gleichstellung stimmt? Aber egal, wie immer ist ja der gemeinsame Nenner: Schön, dass wir eine Diskussion angestoßen haben.
Link: Pressemitteilung CSD Berlin (23.4.2013)


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