Personalia der Woche: Wer Damenärschlein lieber mag und wer mit seinen Kindern im VW-Bus durch die Gegend tuckert

personalia_11-2013

Personalia und Nachrichten dieser Woche – papstfrei, aber dafür mit jeder Menge CDU, so dass quotenmäßig das Konservative reichlich bedient wird. Ansonsten viel Musikalisch-Wissenswertes: Vom angesagten Dumpfrauner aus Frankreich  bis zum „Schamanen“ Bowie und einem Herrn der Volksmusik. Traurig dagegen, was sich in Holland abspielt, wo einem lesbischen Paar das adoptierte Kind wieder weggenommen werden soll …

Ein lesbisches Paar aus Holland ist zusammen mit dem 9-jährigen Adoptivsohn untergetaucht, nachdem die leibliche Mutter – den Eltern war das Baby wegen mangelnder Fürsorge weggenommen worden – nun im TV ihr Kind zurückfordert. Seit längerem fordert eine Gruppe türkischer Politiker, dass Kinder mit türkischen Wurzeln nicht von Christen oder Homosexuellen aufgezogen werden sollen. Nachtrag: Ich hatte geschrieben, die deutschen Medien hätten dies nicht aufgegriffen; haben sie: heute z.B. die „Welt“: „Türkei will lesbischen Müttern Kind wegnehmen“. Am 15.3. konnte man bereits in den „Deutsch-Türkischen-Nachrichten“ lesen: „Angst vor türkischen Behörden: Lesbisches Paar aus Holland taucht mit Pflegekind ab.“

Es geht auch anders …
Das ist richtig süß: Papa hat das Telefonat vom Sohnemann gehört, in dem der mit einem Freund darüber spricht, wie er das mit dem Coming-out gegenüber den Eltern anstellen soll. Und Papa klärt die Sache per Zettelnotiz: „Ich weiß seit deinem Lebensjahr, dass du schwul bist! Ich liebe dich!“ – Verbreitet von „FCKH8“ auf Facebook, in Deutschland von der „SZ“.

Der „Spiegel“ porträtiert eine Regenbogenfamilie. Kritik der Kinder an den beiden Müttern: „Wir hätten wenigstens mal ganz normal Hotelurlaub machen können. Stattdessen sind wir immer mit dem VW Bus durch die Gegend getuckert.“ Na, wenn das mal kein Vorurteil gegenüber Lesben ist.

Passend dazu: In Berlin wurde das bundesweit erste Zentrum für Regenbogenfamilien eröffnet. Derweil – die Zeiten ändern sich – schließt nämlich Berlins älteste Schwulenbar, die Schoppenstube.

Das Berghain dagegen ist genervt vom Wohlstandsgruseln der „FAS“ und „Welt“ angesichts der „Verruchtheit“ der Diskothek: „Gott hilf, es geht wieder um den Freak-Faktor, die Schmuddelkinder der Großstadt: um die Anderen, die Schwulen, die man beglotzen will – nur um sich am Ende zu vergewissern, was für eine geile Nacht man hatte und zum Glück ja ganz anders sei“, schreibt Ulf Lippitz im „Tagesspiegel“.

Sven Gerich, SPD, ist neuer OB von Wiesbaden.

Alexander Voigt, Bundesvorsitzender der Schwulen in der Union (LSU), nannte die Bundestagsdebatte vom Donnerstag ein „beschämendes Trauerspiel (…) insbesondere mit Blick auf die Redebeiträge auf Seiten von CDU und CSU“. Eine Zusammenfassung der Redebeiträge findet man auf „queer.de“.

Stefan Evers, Berliner CDU-Politiker, fühlte sich beleidigt, weil ihn CSU-Wadenbeißer Dobrindt als „schrille Minderheit“ de-klassifiziert. Wir hätten „Halt’s Maul!“ eine gute Reaktion gefunden, aber Evers spricht stattdessen eine Einladung zum CSD aus.

A propos CSU: „‚Dobrindts Wortwahl ist für breite Kreise nicht attraktiv.‘ Damit könne er lediglich noch die sehr, sehr traditionsgebundene Kernwählerschaft mobilisieren“, schreibt die „Welt“  über einen Wandel der Ansichten (auch) in Bayern.

Helmut Metzner, LSVD-Vorstand, flog aus seinem Amt als Büroleiter von Westerwelle („einvernehmlich beendet“), weil er Interna an die US-Botschaft verriet – das qualifiziert in der FDP zum Weitermachen: Er wurde auf Platz 4 der Landesliste der Berliner FDP zur Bundestagswahl gewählt.

Ganz mies! Nach einer aktuellen Umfrage steigt die Ablehnung von Schwulen und Lesben durch die russische Bevölkerung: 67% finden das Verbot sogenannter Homo-Propaganda gut, 43% fordern Zangsheilung und 5% sind für eine „Liquidierung“. In Kurzform bei „Spiegel Online“, ausführlicher bei „Quarteera“.

Nur bedingt besser sieht es derzeit in Ungarn aus. Eine Verfassungsänderung schaltet die Kontrolle durch Gerichte aus und erhöht die Möglichkeiten, gegen Gruppen der Bevölkerung vorzugehen. Außenminister Guido Westerwelle rief das Land zur Einhaltung europäischer Werte auf.

In der „Welt“ ist ein Interview mit Geoffrey Marsh, dem Leiter der Abteilung für Theater und Performance am Londoner Victoria & Albert Museum zu lesen, das eine große Ausstellung über David Bowie zeigt.

Die „Zeit“ müht sich derweil tapfer am Phänomen Yoann Lemoine alias Woodkid (Foto oben) ab – und ignoriert sein Schwulsein völlig. Die Promo-Seite zum Debütalbum „The Golden Age“ kennt das Wort auch nicht.

Ein Dementi – sehr … prägnant … formuliert: „Ich bin nicht homosexuell. Mir ist dann doch das Damenärschlein lieber“, so der, wie wir lernen durften, „neue Star der Volksmusik“, Andreas Gabalier. Sehr schön auch die Überschrift „Nicht schwul, dafür Single“. Stimmt, Schwule sind ja jetzt alle verpartnert und darum schließen sich Schwul- und Singlesein gegenseitig aus.“

Ein musikalisch anderer Akzent: David Daniels, Countertenor, ist unser Woof zum Samstag.

Orlando Cruz, Profi-Boxer, hat auch das zweite Match nach seinem Coming-out gewonnen – mit Boxer-Shorts, auf den auch die Farben der Regenbogenflagge zu sehen waren.

Der verstorbene BBC-Moderator Jimmy Savile hat mehrfach Jugendliche sexuell missbraucht. Ein Untersuchungsbericht kommt zum Schluss, dass dies alles seit den 60er-Jahren bekannt ist, aber wegen der Popularität Saviles bewusst ignoriert wurde.

Rob Portman, Senator im US-Bundesstaat Ohio, ist der erste republikanische Senator, der offen die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützt. Er wolle, dass sein schwuler Sohn das gleiche Glück haben könne wie er.

In memoriam: Wilfried Knight, Porno-Darsteller, hat sich das Leben genommen.

In memoriam: Alfredo Ormando war ein italienischer Schriftsteller, der sich im Januar 1998 aus Protest gegen die Homosexuellenfeindlichkeit der katholischen Kirche auf dem Petersplatz in Rom anzündete. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, starb aber an den Folgen der Verbrennungen. Mit Hilfe der Spendenplattform „Kickstarter“ will der kalifornische Regisseur Andy Abrahams Wilson nun die Postproduktion seines Dokumentarfilms „Alfredo’s Fire“ (YouTube-Trailer) über das Leben und den Kampf Ormandos finanzieren.

Videolink_AlfredosFire


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