Personalia der Woche: Wer sich in seiner Branche unwohl fühlt und wer vor dem Kuss noch Drachen erlegt

personalia_9-2013

Personalia und Nachrichten der letzten Woche: Von Politik bis Comic, wobei die Übergänge zunehmend fließender werden! Zu Beginn aber eine kurze Erinnerung an einen schreibenden Kollegen …

In memoriam Peter Jobst, Journalist, Filmkritiker und LGBT-Aktivist, ist am 23. Februar 2013 gestorben. Ich kenne Peter, weil er meine beiden „Samstag“-Bücher rezensiert hat. Das letzte Mal sah ich ihn vor etwa einem Jahr auf dem Treffen schwuler und lesbischer JournalistInnen im Waldschlösschen. Ich habe ihn in Erinnerung als jemanden, der Kultur wertschätzte, sie pflegte und sie in ihrem kritischen wie widerständigen Potenzial verteidigt wissen wollte.
Ein kurzer Nachruf findet sich auf der Internetseite der HOSI Salzburg.

Finnland bleibt das einzige Land ohne gleichgeschlechtliche Ehe. Ein Parlamentsausschuss hat mit der knappen Mehrheit von 9 zu 8 Stimmen einen Entwurf abgewiesen, der eine Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare ermöglicht hätte.

Der deutsche Bundestag hat am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde über die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft debattiert. Eine Zusammenfassung findet man auf „queer.de“.

2  Nachträge zur anhaltenden Debatte in der CDU:  CSU-Chef Horst Seehofer hat kategorisch erklärt, dass es vor Sommer keine weitere Gleichstellung geben wird, „höchstens“ die vom Bundesverfassungsgericht erzwungene Sukzessiv-Adoption. – Und CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble, der doch bislang geblockt hat, sagt dem „Tagesspiegel“, wenn die CDU Volkspartei bleiben wolle, müsse sie veränderte Realitäten zur Kenntnis nehmen.

Das russische Magazin „Afisha“ stellt 27 Schwule und Lesben und gleichgeschlechtliche Paare vor. „Nie zuvor haben sich in Russland so viele Menschen, u.a. aus dem öffentlichen Leben, zu ihrer Homosexualität bekannt“, berichtet die russisch-deutsche Gruppe Quarteera.

Schwule und Lesben im (ländlichen) Brandenburg und wie es sich abseits der Mega-Metropole lebt – dies ist das Thema eines Beitrags des „RBB“. Zu gucken via Mediathek des Senders.

Stefan Niggemeier, Journalist, wiederholt angesichts des – nun vom Bundestag beschlossenen – „Leistungsschutzrechts“ und der Argumente der Befürworter seinen Satz: „Ich habe mich selten so unwohl gefühlt, Mitglied dieser Branche zu sein.“

Bradley Manning, vom US-Militär mit Billigung durch Präsident Obama gefolterter US-Soldat, angeklagt wegen Weitergabe von Dokumenten über den Irak-Krieg, hat im Prozess nun gestanden, Informationen an WikiLeaks weitergegeben zu haben.

Andreas Voßkuhle, Bundesverfassungsgerichtspräsident, hält den Schutz von Minderheiten für eine der herausgehobenen Aufgaben des Verfassungsgerichts.  „Ausdrücklich nannte er einerseits Strafgefangene und Insassen psychiatrischer Anstalten, andererseits aber auch Homosexuelle und Transsexuelle“, schreibt die „Waz“.

Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Verfassungsrichter, der einst in einem Minderheitenvotum sich gegen die Einführung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft ausgesprochen hatte, sieht die Würfel im Streit mittlerweile gefallen: „Eine Privilegierung der Ehe im Ver­hält­nis zur ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft ist recht­lich nicht mehr zu hal­ten“, ließ er „Bild“ wissen, wie auf „Focus“ online steht.

Ines Karl spricht im „taz“-Interview über ihre Arbeit als Ansprechpartnerin für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Staatsanwaltschaft Berlin – und über die geringe Bereitschaft von Schwulen, Straftaten anzuzeigen: „Es waren schon mehrfach Homosexuelle an diesem Ort angegriffen worden, aber erst über den heterosexuellen Mann als zufälliges Opfer haben wir Erkenntnisse darüber gewonnen. Wären die anderen Taten angezeigt worden, hätte man viel eher etwas unternehmen können.“

Keith O’Brien ist von seinem Amt als schottischer Erzbischof – in dem er „natürlich“ Homosexuelle verdammt hat – zurückgetreten. Er soll in früheren Jahren mehrfach Priester sexuell belästigt haben.

Josef Pühringer, Landeshauptmann von Oberösterreich und Mitglied der konservativen ÖVP warnt vor Gleichstellung von homosexuellen Paaren. Für Toleranz ist er aber schon mal! Diese feine Differenzierung mochten die Schläger, die ein schwules Paar in Wien krankenhausreif geprügelt haben, wohl nicht machen.

Friedens(!)nobelpreisträger Lech Walesa hat derweil so seine Vorstellungen, wie man Homosexuelle in Polen nicht gleichstellt: Man sperrt sie hinter eine Mauer!

Die „bulgarischstämmige“ Lesbe und Ex-No-Angels-Sängerin Lucy Diakovska weiß, wie Roma ticken: „Sie können sich nicht in normale Wohnverhältnisse integrieren!“, ließ sie in der Talk-Show von Sandra Maischberger wissen. Fast hätte ich gedacht, sie redet über das lesbische Pärchen in meiner Nachbarschaft!

Homosexualität im Parallel-Universum: Marvels „X-Men“-Ableger „X-Treme X-Men“ beschert uns heldenhafte Homo-Romantik, wie wir sie mögen: Drachen erlegen , dann küssen (siehe oben)! James Howlett (Wolverine) und Hercules können das – zumindest auf Erde TRN 208!

Der amerikanische Bezahlsender „HBO“ verfilmt Larry Kramers „The Normal Heart“. Der schwule Schauspieler Jim Parsons wird die Rolle des Aktivisten Tommy Boatwright  übernehmen, der keine Ahnung wie sexuell orientierte Schauspieler Taylor Kitsch die Rolle des Aids-Aktivisten Bruce Niles.

Und dann hetzte in dieser Woche Polens Ex-Staatspräsident Lech Walesa gegen Homosexuelle, Bundespräsident Joachim Gauck konnte zumindest im Ausland die Rechte von Homosexuellen ansprechen, der Bundesrat hat erneut einen Gesetzesentwurf zur steuerlichen Gleichstellung vorgelegt, und zwei Drittel der Befragten haben sich in einer „Stern“-Umfrage für eine Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft ausgesprochen!


Das Buch zum Blog

Archiv

Kreuz-und-queer-Blog