Erblickt – Die schwul-lesbischen Filme der Berlinale 2013

Hinweis: Wer nach den aktuellen Filmen der Berlinale 2014 sucht, sollte hier klicken!

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(Aktualisiert – Dank an Axel und Daniela für Hinweise!) Seit heute ist das Programm der Sektion „Panorama“ der 63. Internationalen Filmfestspiele in Berlin vollständig. Dort sind traditionell die „LGBTQI“-Filme beheimatet. Hier eine Auswahl von Beiträgen, die das Leben von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender behandeln bzw. von Filmen mit homosexuellen Darstellern resp. Regisseuren. Schon der Eröffnungsfilm des Panorama Special erzählt von einer schwulen Sehnsucht …

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Boven is het stilIt’s all so Quiet (R: Nanouk Leopolds)
Nach einem Roman von Gerbrand Bakker (dt. Oben ist es still; Suhrkamp – via Gaybooks.de), erzählt von Helmer, einem Bauern, der jahrelang nach dem Tod seines Bruders wider Willen, aber den Befehlen seines Vaters folgend, den Hof führt. Als der Vater zum Pflegefall wird, verbannt ihn Helmer ins obere Stockwerk, um die unteren Räume „aufzuräumen“. Was zu einem Rückblick auf die Vergangenheit und verdrängte Leben wird.

Chemi sabnis nakets – A Fold In My Blanket (R: Zaza Rusadze)
Dieser georgische Film eröffnet am 7.2.2013 das Panorama-Hauptprogramm: Er erzählt in „fantasievoller Filmsprache von der Freundschaft zweier Männer aus einer Kultur im Umbruch“: Dimitrij lernt Andrej kennen – dann stellt sich heraus, dass dieser wegen Mordes angeklagt ist.

Interior. Leather Bar (R: Travis Mathews, James Franco)
Die Legende will es so, dass aus dem Film „Cruising“ angeblich – um eine Indizierung zu vermeiden – 40 Minuten Filmmaterial mit schwulem SM-Sex herausgeschnitten und zerstört wurden. Dieses Gerücht hat James Franco zum Gedankenspiel über diese 40 Minuten angeregt (Foto oben). Eine Hommage an einen schwulen Kultfilm und ein Film über das Filmemachen. Trailer auf der englischsprachigen Internetseite zum Film.

Lose Your Head (R: Patrick Schuckmann, Stefan Westerwelle)
Der junge Spanier Luis reist nach Berlin, um ein unbeschwertes Wochenende zu verbringen. Doch schon bald gerät Luis durch seine Ähnlichkeit mit einem seit Wochen vermissten jungen Griechen in den Sog mysteriöser Ereignisse. Was wie ein ausgelassenes Abenteuer beginnt, wird zu einer atemlosen Hetzjagd durch die sommerliche Stadt, bei der Luis immer weniger zwischen Realität und Paranoia unterscheiden kann.
Mehr Infos & Trailer auf der deutsche Internetseite zum Film

Deshora – Belated (R: Barbara Sarasola-Day)
Film der argentinischen Regisseurin Barbara Sarasola-Day: In das Leben von Ernesto und seiner Ehefrau Helena auf einer Tabakplantage in Argentinien tritt Helenas 25-jähriger Cousin Joaquin. Es entwickelt sich ein Dreiecksverhältnis, in dem aber das Verhältnis von Ernesto und Joaquin zunehmend Bedeutung gewinnt.

Paul Bowles: The Cage Door is Always Open (R: Daniel Young)
Doku über den Schriftsteller Paul Bowles, die nicht nur das letzte Interview mit ihm vor dessen Tod 1999 zeigt, sondern auch Gefährten wie Regisseur  John Waters oder Schriftsteller Gore Vidal befragt. (Infos via outnow.ch)

Born This Way (R: Shaun Kadlec, Deb Tullmann)
Nach „Call Me Kuchu“ ein weiterer Film über die Verfolgung von Schwulen und Lesben in Afrika: „Wie fast überall auf der Welt flüchten sich im Kamerun Schwule und Lesben in den Schutz der Stadt, wo Aktivisten ein Zentrum aufgebaut haben, das sie vor der existenzbedrohlichen Homophobie schützen soll. Die Anwältin Alice Nkom kämpft unermüdlich um ihre rechtliche Vertretung.“

Out in Ost-Berlin – Lesben und Schwule in der DDR (R: Jochen Hick)
Schwule und Lesben erzählen ihre Geschichte – von der Emanzipationsarbeit im Arbeitskreis Homosexualität, über Erfahrungen mit Stasi, der Westberliner Homobewegung, über die schwule Szene. Jochen Hick hat beeindruckendes Material gesammelt, so etwa Stasi-Fotos von der ersten Homoaktion in einem kommunistischen Land: So ist der britischeAktivist Peter Tatchell während der Weltjugendfestspiele in Ostberlin 1973 zu sehen.

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Freier Fall (R: Stephan Lacant)
Eröffnungsfilm der Reihe Perspektive Deutsches Kino! Der Film erzählt die Geschichte der beiden Polizisten Marc Borgmann (Hanno Koffler) und Kay Engel (Max Riemelt). Marc erwartet gemeinsam mit seiner Freundin Bettina Bischoff (Katharina Schüttler) gerade das erste Kind als er sich bei einem Lehrgang in Kay verliebt. Als daraus eine heimliche Affäre wird, wird Marc mit der Situation nicht fertig.

Baek Ya (R: Hee-Il LeeSong)
Drama aus Korea über ein Internetdate eines Flugbegleiters mit einem Motorradboten. Im Laufe einer wirren, abenteuerliche Nacht entpuppt sich nach und nach, dass der Stewart eine traumatische Erfahrung erlitten hat.

Exposed (R: Beth B)
Film der Underground-Künstlerin Beth B, der Einblick in die New Yorker Neo-Burlesque-Szene gewährt, die den klassischen, meist auf den männlichen Blick ausgerichteten Striptease neu gestaltet und damit auf humorvolle, hintersinnige und teils auch schockierende Weise gängige Geschlechter-Klischees hinterfragt. (Internetseite der Künstlerin)

Concussion (R: Stacie Passon)
Diesen Film über eine „Lesbe in der Midlife -Crisis“ hat die Kollegin von „phenomenelle“ entdeckt.

Two Girls Against the Rain (R: Sao Sopheak)
Kambodschanischer Film über die Liebe zweier Frauen – läuft als Vorfilm im Panorama-Programm. Trailer via YouTube.

Lovelace (R: Rob Epstein, Jeffrey Friedman)
Film über das Leben der amerikanischen Porno-Darstellerin Linda Susan Boreman alias Linda Lovelace, die uns „Klassiker“ wie „Deep Throat“ bescherte, sich später vom Porno-Geschäft abwandte und sich der Anti-Porno-Bewegung anschloss. Hauptdarstellerin ist Amanda Seyfried, Regie führten die schwulen, mit dem Oscar ausgezeichneten Regisseure Rob Epstein („Milk“) und Jeffrey Friedman („Stories from the Quilt“).

Sing Me the Songs That Say I Love You (R: Lian Luson)
Tribute-Konzert von Rufus und Martha Wainwright für ihre verstorbene Mutter, die Folk-Sängerin Kate McGarrigle – u.a. mit Emmylou Harris und Norah Jones. Rufus Wainwright ist Stargast bei der diesjährigen Teddy-Verleihung am 15. Februar 2013. (Ein akustischer Vorgeschmack via YouTube)

Update 28.1.: Die Macher des Teddy-Award haben natürlich den vollen Überblick und weitere Filme, u.a. den israelischen Film „Beshivhey Hayom“ (In the Praise of the Day), den serbischen (Transgender-)Kurzfilm „Ja kada sam bila klinac, bila sam klinka“ (When I was a boy, I was a girl), den chinesischen Film „Will You Still Me Tomorrow?“, den portugiesischen Film „Reaching for the moon“ über die (lesbische) New Yorker Dichterin Elizabeth Bishop ….
Update 1.2.: Und auch noch „W imie“ („In the name of …“) (Inhalt via „Berliner Zeitung“) und „Vic +Flo ont vu un ours“ (via Teddy Award).

Alle sind damit natürlich potenzielle Kandidaten für den schwul-lesbischen Filmpreis Teddy, der am 15. Februar vergeben wird – mit Sänger Rufus Wainwright als Stargast. Auf der Internetseite des Teddy gibt es Infos zur Gala, Hinweise zu Aufführungsterminen bzw. -orten von Filmen. Und wer das volle Programm will: Internetseite der Berlinale!

3 Responses to “Erblickt – Die schwul-lesbischen Filme der Berlinale 2013”


  1. 1 TKM Februar 1, 2013 um 10:02 am

    Schöne Auflistung, vielen Dank! Hätte da noch zwei Wettbewerbsfilme als Ergänzung:
    Vic + Flo ont vu un ours – Vic + Flo haben einen Bären gesehen
    W imie – In the Name of

    • 2 RH Februar 1, 2013 um 10:17 am

      Danke für die Hinweise – Ich habe die Filme und Links oben unter Updates hinzugefügt. Irgendwann haben wir sie wirklich alle zusammen😉


  1. 1 Lesbenfilme @ Berlinale 2013: Was uns erwartet Trackback zu Januar 24, 2013 um 3:18 pm
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