Entscheidung des europäischen Menschenrechtsgerichtshofs: Glaube rechtfertigt nicht die Diskriminierung von Schwulen und Lesben

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Klagen zweier britischer Arbeitnehmer zurückgewiesen, die von ihren Arbeitgebern entlassen worden waren, nachdem sie sich – unter Berufung auf ihren christlichen Glauben – geweigert hatten, im Rahmen ihres Berufes mit Homosexuellen zusammenzuarbeiten.
Konkret ging es um den Fall der Standesbeamtin Lillian Ladele, die sich außer Stande sah, nach der Einführung ziviler Lebenspartnerschaften in Großbritannien im Dezember 2005 homosexuelle Paare zu trauen, sowie um Gary McFarlane, einen Sexualtherapeuten, der im März 2008 entlassen worden war, weil er keine schwulen bzw. lesbischen Paare betreuen wollte – obwohl er entsprechende Regelungen des Arbeitsgebers hinsichtlich der Gleichbehandlung unterzeichnet hattte.
Beide Kläger hatten vor britischen Gerichten keinen Erfolg gehabt – nun hat auch der EGMR die Entlassungen für rechtens erklärt.Das Gericht habe zwischen dem Recht der Arbeitgeber, die Rechte anderer Menschen sicherzustellen, und dem Recht der freien Religionsausübung abwägen müssen. In den beiden Fällen sah man aber keine Verletzung des Rechtes auf freie Religionsausübung. Eine Berufung gegen das Urteil ist zugelassen.
„Das Gerricht hat gezeigt, dass die Prinzipien von Gleichheit und Gleichbehandlung nicht mit einem einfachen Verweis auf Religion beschnitten werden dürften“, begrüßte Sophie in ‘t Veld, Vizepräsidentin der schwul-lesbischen Intergroup des EU-Parlaments, das „historische Urteil“.

Link: Pressemitteilung EGMR, Eweida and Others v. the United Kingdom, 15.1.2013 (als PDF)

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