Der Woof zum Samstag – Matthias Schoenaerts

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Spätestens seit dem Film „Rundskop“ – der 2011 auch auf der Auswahlliste des Teddy Award stand -, scheint der belgische Schauspieler Matthias Schoenaerts auf die Rolle des „sensiblen Mannes in einem grobschlächtigen Körper“ festgelegt. Anscheinend nicht ohne Reiz fürs Publikum. Der sachliche „Guardian“ fragte, ob Schoenaerts nicht gar der „sexiest man in Antwerpen“ sei. Seit dieser Woche ist der 35-Jährige in „Der Geschmack von Rost und Knochen“ an der Seite von Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard zu sehen. Den Film zu gucken ist Teil des Samstagabendprogramms vom Samstag. Einen Woof für Schoenaerts gibt es schon mal vorab! Nebst Trailer zum neuen Film und – als Nachtrag am Sonntag – meiner Filmkritik

Schon lange habe ich keinen Film mehr gesehen, der in seiner Detailgenauigkeit eine solche Vielschichtigkeit offenlegt! Nach dem Kinobesuch gestern Abend bin ich sehr angetan von „Der Geschmack von Rost und Knochen“. Ein Film, der nachwirkt, ein Film, der eine wunderschöne Liebesgeschichte fern aller wunderbaren Verhältnisse erzählt. Ein Film über starke (deswegen noch lange nicht sympathische) Frauen und über brutale und unsympathische Männer. Ein Film über Sehnsüchte, über Männlichkeit – vor allem: verantwortungslose Männlichkeit.
In „Der Geschmack von Rost und Knochen“ spielt Matthias Schoenaerts das durchtrainierte Körpertier Ali, das völlig ego-zentriert seinen kleinen Sohn vernachlässigt, auch schlägt, und die Verantwortung lieber an die Schwester delegiert. Er trifft auf die Waltrainerin Stephanie (Marion Cotillard), die bei einem Unfall  bei einer „Show“ mit Orkawalen ihre Beine verliert. Dass es in gewisser Weise Alis Gefühlspanzer ist, der es ihm ermöglicht, die im Trauma gefangene Frau zu berühren (auch ganz „handfest“ durch Sex mit einer Beinamputierten), gehört zu den zentralen Momenten des Films.
Die Personen werden in ihren letztlich elenden Verstrickungen gezeigt, gleichwohl lässt Regisseur Jacques Audiard ihnen ihre Würde. Es hagel im Film von Schicksalsschlägen – und letztlich sind sie von den Menschen selbst gemacht. So ist Stephanies Unfall letztlich Folge der Abrichtung von Walen für eine kommerzielle Vergnügungsshow, und wenn Alis Schwester ihren schlecht bezahlten Job als Kassiererin verliert, dann, weil ihr Bruder in seiner männlichen Geltungssucht die Allianz mit denen sucht, die ihm als stark erscheinen. Dass der Film quasi als Nebenstrang zur Liebesgeschichte Ausbeutungsverhätnisse thematisiert, macht ihn zu einem jener seltenen Kinoerlebnisse, in denen poetische Bilder – etwa das, wie die beinamputierte Stephanie vor einer Glasscheibe nochmals den Orkawal zum Tanz dirigiert – nicht mit der üblichen Verblödungsschleife der Blockbuster-Kinoindustrie einhergeht, die seit Jahrzehnten gesellschaftliche Verhältnisse ausblendet oder allenfalls in Form von liebenswerten Freaks dazubieten weiß.
„Wir wollen uns nicht mehr wie Tiere benehmen!“, macht Stephanie für die weitere Beziehung gegen Ende des Films zur Bedingung. Da hat Ali sie gerade in der Disco sitzenlassen, um mit einer anderen Frau ins Bett zu steigen. Eine Antwort weiß Ali darauf gar nicht zu geben. Die Frau nervt in einem Moment, in dem er wahrscheinlich sagen würde: „Läuft doch alles!“ Erst im Schlussmoment des Films, wenn ganz wörtlich, ein zentimeterdicker Eispanzer mit der Faust zerschlagen werden musste, kann er seiner Gefühlswelt einen kurzen Moment Ausdruck zu verhalten.
„Der Geschmack von Rost und Knochen“ ist verstörend, weil er der unerbittlichen Logik folgt, dass man/frau für alles einen Preis zahlen muss. Es gibt für die Momente des Glücks – und das ist der Unterschied zur marktbeherrschenden Hollywood-Ideologie – nicht automatisch eine Belohnung. Schicksalsschläge müssen ausgehalten werden – sie machen aus den Betroffenen nicht automatisch bessere Menschen. Noch nicht einmal dann, wenn einem das Kino es in der Schlusssequenz suggeriert.

Für den Trailer (via YouTube) aufs untere Bild oder hier klicken.

Link_Trailer-Der-Geschmack-von-Rost-und-Knochen

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