Coming-out in 2012 (Personalia des Jahres)

Personalia_Coming-out2012

Ob in Politik, Film, Fernsehen, Sport oder im Comic – noch wie waren Schwule und Lesben und Transgender so präsent in der westlichen Welt wie in diesem Jahr. Hier meine Auswahl von 20 Coming-outs 2012 …

1. Peter Altmaier, CDU-Politiker und Umweltminister
Das Alphabet hat es gefügt, dass ausgerechnet Peter Altmaier die Liste der Coming-outs 2012 anführt. Obwohl: Genaugenommen hat der 54-jährige Altmaier bislang offiziell nur verlauten lassen, dass er alleine lebe, weil es der liebe Gott so gefügt habe. Geoutet wurde er von Jan Feddersen in einer erbärmlichen Glosse in der „taz“.

2. Billy, Vampirjäger
Nein, das Regal bleibt weiterhin sexuell völlig neutral! Gemeint ist eine weitere homosexuelle Figur in der Comic-Welt von „Buffy, der Vampirjägerin“. Nachdem Willow lange als Hexe die lesbische Seite verkörperte, gesellte der Dark Horse Comicverlag nun mit Billy in „Buffy“ #14, 9. Staffel, auch einen Schwulen zum Verein der fröhlichen Pflockeintreiber_*Innen.

3. Anne Burrell, TV-Köchin
Die Chefin des US-amerikanischen TV-Senders  „Food Network“, bei dem sich alles ums Essen und Kochen dreht, bestätigte im May 2012 der „New York Post“, dass sie lesbisch ist.

4. Sam Champion, Wettermann
In der US-Nachrichtensendung „Good Morning America“ verkündet er das Wetter – und im Oktober diesen Jahrs verkündete er öffentlich sein Schwulsein und die baldige Heirat mit seinem Partner Rubem Robierb.

5. Anderson Cooper, CNN-Anchorman
Die „New York Times“ nennt ihn „the most prominent openly gay journalist on American television“. Ähnlich wie beim Kollegen Sam Champion war sein Schwulsein kein wirkliches Geheimnis mehr, Cooper selbst wollte sich lange nicht dazu äußern. Im Juli 2012 gab er dem Journalisten Andrew Sullivan die Erlaubnis eine E-Mail zu veröffentlichen: „Tatsache ist, ich bin schwul, ich war es immer und werde es immer sein, und ich könnte nicht glücklicher und zufriedener sein!“

6. Orlando Cruz, Profi-Boxer
Das Coming-out des puerto-ricanischen Boxers fand großes, internationales Echo in den Mainstream-Medien. Er ist einer der wenigen Sportler, die noch während ihrer aktiven Zeit Stellung beziehen. Am besten immer noch dieser Satz  im „Spiegel“Interview: „You call me a faggot? Okay, if you like. But you’d better watch out, because I’m the faggot who’s going to kick your ass.“ (Frei übersetzt: Du nennst mich Schwuchtel? Okay, wenn du meinst. Aber du passt besser auf, denn ich bin die Schwuchtel, die dir in den Arsch tritt!)

7. Wade Davis, Football-Spieler
Nach dem Ende seiner Sportler-Karriere in der NFL sprach Wade Davis über sein Schwulsein und über die Probleme, die sich für ihn aus den Vorstellungen über Männlichkeit und Sport ergaben – und zählt nun zu den 50 wichtigsten schwulen Schwarzen, die die LGBT-Jugendlichen kennen sollten.

8.  Stephan Elliott, Regisseur
Eigentlich verwunderlich, dass der Mann, dem wir die Filmkomödie und Queer-Cinema-Meilenstein „Priscilla. Königin der Wüste“ verdanken, selbst so spät  aus dem Schrank kam. Er tat es im Januar bei der Präsentation der australischen Filmpreise. Nebenbei sei erwähnt, dass Elliott ein Beispiel für die Politik des deutschen Wikipedia ist, die Homosexualität von Personen zu verschweigen. Allein der englischsprachige Eintrag verweist auf Elliotts Schwulsein.

9. Karen Hultzer, Bogenschützin
Einer der wichtigsten Siege der Olympischen Spiele: Um auf die Diskriminierung von Lesben in Südafrika hinzuweisen, bestätigte die 1965 in Kapstadt geborene Bogenschützin, dass sie lesbisch ist. „OutSports“ sagte sie: „I am an archer, middle aged and a lesbian. I am also cranky before my first cup of coffee. None of these aspects define who I am, they are simply part of me. I am fortunate that my sexual identity is not an issue, and I don’t suffer the level of discrimination and violence that black lesbians in South Africa do. I look forward to the day when this is a non-issue and as relevant as my eye color or favorite sushi.“

10. Peter Illmann, TV-Moderator
Auf meinem eigenen Blog nachgeschaut, habe ich bemerkt, dass ich Peter Illmann, einst Moderator der Musikvideo-Pionier-Sendung „Formel Eins“, in den „Personalia“ Mitte des Jahres noch vorsichtigerweise in die Schublade „Unterstützer“ gesteckt hatte. Rechtzeitig zum Jahresende können wir ihn in die Familien-Schublade stecken. Sein offizielles Coming-out vollzog er, wie ja seit längerem üblich für Deutschlands A- und B-Promis, in der „Bild“.

11. Drake Jensen, Country-Musiker
Darf ein bisschen Eigenlob sein? Der 42-jährige Kanadier war bereits im Februar, wenige Tage nach seinem Coming-out, der „Woof zum Samstag“. Mit ihm hat die Musikszene einen engagierten Streiter für gute Countrymusik UND gleiche Rechte gefunden. Das US-Newsblog „Towleroad“ zählte sein Coming-out zu den 50 bedeutendsten des Jahres 2012.

12. Joanna Johnson, Schauspielerin
In den USA ein Star durch die TV-Soap „Bold and the Beautiful“ hatte Joanna Johnson mit 50 Jahren ihr spätes, aber nie zu spätes Coming-out. Zusammen mit ihrer Partnerin hat sie zwei Kinder.

13. Mitch, Filmfigur
Muskelbepackt und so straight, dass es erst am Ende des Filmes klar wird, dass er schwul ist. Im 3D-Animationsfilm „ParaNorman“ darf Mitch Zombies jagen wie alle anderen auch. Im Original leiht Casey Affleck, Bruder von Ben Affleck, ihm die Stimme.

14. Frank Ocean, Hip-Hop-Rapper-Sänger
In der „Süddeutschen“ wurde der Sänger mit Aussagen zitiert, dass er sich selbst nicht zum „Posterboy einer expliziten Hip-Hop-Bewegung“ eigne. Statt „er ist schwul“ solle man schreiben, „er hat sich in einen Mann verliebt„.

15. Alan Scott, Superheld
Als DC seine Superhelden-Comics im Zuge der „New 52“ neu aufpolierte, ließ man auch die erste Grüne Leuchte, Green Lantern wieder auferstehen und verpasste dem alten Helden-Original für die Serie „Earth 2“ eine schwule Biografie. Es ist, bislang wenig bemerkt, ein Spiel mit einer sprachlichen Formulierung des ersten Auftritts 1940. Dort findet Alan Scott eine geheimnisvolle, grün leuchtende Lampe und sagt „What a queer light!“ – wobei „queer“ natürlich noch nicht die heutige Bedeutung hatte. Nun, seiner schmucken Reinkarnation ist 2012 der wirkliche queere Spaß nicht vergönnt. Alan Scotts Ehegatte in spe wird, kaum aufgetaucht, gleich wieder durch eine Bombenexplosion entsorgt.

16. Omar Sharif Jr., Schaupieler
Enkel des Schauspielers Omar Sharif reagierte auf seine Weise auf die revolutionären Umwälzungen in seinem Heimatland: „Ich bin Ägypter, ich bin halb jüdisch und ich bin schwul.“

17. Tammy Smith, Soldatin
Im Mai wurde die 49-jährige Soldatin der US-Heeresreserve in den Rang eines Brigadegenerals befördert – am selbsen Tag gab sie bekannt, dass sie lesbisch ist – damit ist sie die erste offen homosexuelle, noch im aktiven Dienst stehende Generälin des US-Militärs.

18. Jens Spahn, CDU-Politiker, MdB
So schwul, wie man es halt als CDU-Politiker sein kann. Gab dem „Spiegel“ im November ein Interview zu seiner Homosexualität mit dem Hinweis, dass dies auch seine einzige Äußerung zum Thema bleiben werde. Dass er keine „Klientelpolitik“ mache, hatte er bereits im Oktober bewiesen – als der Besser-Homo gegen eine steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren stimmte.

19. Jan Stöß, Vorsitzender der SPD Berlin
Die Wahl zum Chef der Berliner SPD machte sein intern bekanntes Schwulsein im Juni bundesweit öffentlich.  Wie für diese Polit-Generation üblich (siehe Jens Spahn) hat auch Stöß den Sprech von „schwul – und das ist gut so, möchte aber nicht darauf reduziert werden“ verinnerlicht. (S.i.e.g.T. vom 11.6.12)

20. Zach Wyatt, US-Politiker
In einem entschiedenen Statement wendet sich der republikanische Abgeordnete in Missouri gegen eine Gesetzesvorlage eines seiner Parteikollegen, die die Thematisierung von Homosexualität an Schulen verbieten will – und erzählt von seiner Schulzeit, in der von Mitschülern gemobbt wurde, und steht zu seinem Schwulsein: „Ich werde nicht länger lügen.“ und „Ich bitte Sie um Unterstützung als stolzer Republikaner, als stolzer ehemaliger Soldat und als stolzer schwuler Mann, der alle Jugendlichen vor Mobbing in den Schulen schützen will.“ (YouTube-Video)

21. – ???? Um Nennungen wird gebeten.

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2 Responses to “Coming-out in 2012 (Personalia des Jahres)”


  1. 1 Ralf Dezember 30, 2012 um 4:33 pm

    Eine Bemerkung zu Peter Illmann: Ich finde es erbärmlich, wenn Leute, die in Zeiten, als sie noch einigermaßen bekannt waren, feige im Schrank blieben, sich Jahre, nachdem sie in der Versenkung verschwunden sind, mit einem weit verspäteten und inzwischen wertlosen „Bekenntnis“ ins Gespräch zu bringen versuchen. Peter Illmann war mal ein ziemlich populärer Moderator von TV-Sendungen für junge Leute. Damals wäre offenes Schwulsein dieses Mannes wertvoll gewesen. Heute kann ich über diesen spätberufenen Verklemmten nur den Kopf schütteln. Wie gesagt: erbärmlich.

    • 2 RH Dezember 30, 2012 um 6:29 pm

      Ich bin eigentlich ganz deiner Ansicht. Bei „Bild“ gibt es folgenden Satz als mögliche Erklärung: „Der wichtigste Grund, warum der Moderator nie öffentlich über sein Schwulsein sprach, war die Rücksicht auf seinen Vater.“ Dann wäre eine journalistische Story über Vater-Sohn-Beziehungen aber möglicherweise spannender geworden als das späte Coming-out!


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