Personalia der Woche: Wer Weihnachten alleine ist und wer alles diese Woche enttäuscht war

Personalia_49-2012

An homosexuellen Ereignissen mangelte es diese Woche wahrlich nicht – es muss mit den anstehenden Feiertagen zusammenhängen. Wir haben viel Politik, ein Coming-out, einen Geburtstag und viel Kultur – wer bis zum Ende der Personalia durchhält, wird mit einer Hörprobe aus der neuen CD von Jo van Nelsen belohnt …

Karl Lagerfeld, Modemacher, ist über Weihnachten alleine („Ich kenne kein Schwein, das in Paris bleibt für die Festtage. Und da ich ja keine Familie habe, bin ich total frei, und das ist natürlich der Höhepunkt des Luxus.“) und findet das – ganz im Gegensatz zum betroffenen Interviewparter der „Welt“ („Heiligabend sind Sie also allein?“) – nicht weiter dramatisch: „Ich bitte Sie, Heiligabend! Wie Sie das sagen. Ich bin ja keine sechs Jahre alt. Mit sechs Jahren allein „O Tannenbaum“ singen müssen, das wäre traurig. Aber so?“

Johannes Kahrs, SPD-Bundestagsabgeordneter, hat im Ausschuss Finanzminister Schäuble angebrüllt: Wir bemühen nochmals die „Welt“: „Kahrs habe nicht einmal sein Mikrofon gebraucht, um laut zu werden.“ Jetzt wissen wir, warum der Schäuble gegen Steuergleichheit für Homo-Paare stimmt!!

Volker Beck, Grünen-Bundestagsabgeordneter, ist auf Platz 2 der Landesliste seiner Partei zur NRW-Wahl.

Stefan Kaufmann, Ralf Morgenstern und Lucy Diakovska mussten sich im Plasberg-Talk „Hart aber fair“ Schwachsinn von zwei Homo-Hassern anhören.

Alice Schwarzer, Journalistin, feierte 70. Geburtstag. Foto- und Zitate-Rückblick via „SZ“. Wir gratulieren nachträglich.

Markus Gutfleisch, Vorstand der HuK,  ist nicht überrascht, dass die Kirchen in afrikanischen Ländern gegen Schwule und Lesben agieren statt ihnen zu helfen.

Holger Henzler-Hübner ist 39-jähriger Lehrer und schwul: Sein offener Umgang damit macht aus ihm „die Ausnahme, den Exoten, den Ausreißer in der Statistik“.

Marco Pulver, Schwulenberatung Berlin, hat das Wohnprojekt Lebensort Vielfalt in Bremen vorgestellt: Er „sieht das Bedürfnis, die eigene Sexualität im Alter nicht erneut erklären zu müssen, als Motor der Wohnprojekte.“

Alexander Vogt, LSU-Vorsitzender, hat die Debatte auf dem CDU-Parteitag gegen die steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren gefallen: „Die war von großem gegenseitigem Respekt getragen.“

Ronny Pohle, CDU- und LSU-Mitglied, dagegen fand’s nicht so toll und will nicht länger CDU- und LSU-Mitglied sein.

Stefan Kaufmann, CDU-Bundestagsabgeordneter, wiederum kann der Parteitagsdebatte auch was Positives abgewinnen, aber: „In der Sache bin ich natürlich enttäuscht“.

Guido Westerwelle, Außenminister, teilt mit Kaufmann die Enttäuschung. Er sei „persönlich enttäuscht“. Wir wollen dem was Positives abgewinnen und weisen darauf hin, dass Westerwelle immerhin mal wieder was zu einem Homo-Thema im Inland gesagt hat. Und weil Enttäuschung diese Woche prägte, auch noch das:
Truman Capote, Schriftsteller, enttäuschte den Rezensenten der „Welt“ – genauer: ein sechsseitiges, verschollen geglaubtes und nun entdecktes Kapitelchen „Yacht and Things“ aus seinem posthumen Roman „Erhörte Gebete“ enttäuschte. Erstaunlich, dass Jan Küveler aus seiner Enttäuschung noch einen so langen Artikel zu machen verstand.

Mahmud H., Journalist in Syrien, über die Gefährlichkeit, ein schwules Magazin in Syrien herauszugeben: „Egal wie der jetzige Krieg ausgeht, sie werden uns umbringen.“

Elio Di Rupo, belgischer Premierminister, findet, dass die Toleranz in seinem Land abnimmt. Da hat er ja den besten Posten, um was dagegen zu tun!

George Takei, Schauspieler und Sulu in den originalen StarTrek-Filmen, hat einen (gezeichneten) Auftritt in der neuesten Ausgabe von Kevin Keller, der schwulen Figur des „Archie“-Universums.

Mike Fleck, republikanischer Angeordneter im Kongress von Pennsylvania, ist schwul. Wir gratulieren zum Coming-out!

Ian McKellen, Schauspieler, setzt sich für die gleichgeschlechtliche Ehe im Hobbit-Land, früher Neuseeland, ein. Link zu YouTube-Video.

Stefan Nigggemeier, Journalist, über die Schwierigkeiten der ESC-Verantwortlichen, den richtigen Umgang mit den ein bisschen undemokratischen, diktatorischen Mitgliedsländern zu findenDabei kann es so einfach sein: Böse Menschen kennen keine Lieder!

Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, ist zuversichtlich hinsichtlich des Erfolgs eines NPD-Verbotsantrages.

Roland Gramling, Buchautor, findet, Franfurt am Main sei „sehr lebenswert. Und die in Deutschland am häufigsten unterschätzte Großstadt“.

Jo van Nelsen, Maren Kroymann, Jan Feddersen und Rosa von Praunheim kommen zu Wort in einem Beitrag von HR Kultur zum Thema „Schwule, Lesben, ‚Normalos‘ – Ein Kulturkampf?“ – wobei mir die Äußerungen von Jo van Nelson gut gefallen, vorallem sein schönes Wort „kapitalistenschwules Ghetto“ (Link zur ARD-Mediathek)

A propos Jo van Nelsen: Von ihm und seiner Band ist im November eine neue CD „Lampenfieber – Das Beste aus dem Varieté-Repertoire“ (Foto) erschienen. Bestellen über die Internetseite des Chansonniers.

Falls eingebettes Video nicht angezeigt wird, direkt bei YouTube versuchen.

Weitere Personalia, über die wir unter der Woche berichtet haben: Respektpreis für Seyran Ates / Maik Conradt ist neuer Mr. Bear Germany / Urteil im Prozess gegen Michael S. / Stephanie Gerlachs neues Blog


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