Personalia der Woche: Wer um Klopapier betteln musste und wer mit etwas Zurückhaltung problemlos schwul sein kann

Personalia_48_2012

EXKLUSIV: Ich lag drei Tage mit Erkältung/Grippe im Bett.
NICHT EXKLUSIV, ABER WICHTIG: Im Prozess gegen Bradley Manning gibt es eine interessante Wendung, im Prozess gegen Michael S. wegen Tötung seines Sexpartners gibt es ein klare Aussage eines Gutachters und in der Debatte um das Leistungsschutzrecht weist ein Journalist auf die Zensur führender Medien hin. Vorab erinnern wir an einen Kämpfer gegen Ausgrenzung und für Akzeptanz von HIV-Positiven …

In Memoriam: Markus Volk, Rollenmodell der „Ich weiß, was ich tu“-Kampagne (IWWIT), ist im Alter von 32 Jahren gestorben. „Dein Gesicht prangte auf Plakatwänden, an Bushaltestellen, vor einer Kletterwand, gemeinsam mit zwei engen Freunden, die nicht das Weite gesucht hatten . ‚Ich bin HIV-positiv‘, bundesweit und überlebensgroß – das war ganz großes Kino, Markus“, schreibt Holger Wicht in seinem Nachruf. Über sein Leben erzählte Markus im Rahmen der IWWIT-Kampagne. Das Foto oben ist eines der Motive, mit denen Markus für die Kampagne warb.

Bradley Manning, wegen Weitergabe angeblicher Geheimdokumente angeklagter US-Soldat, hat in der Voranhörung zu einem möglichen Prozess erstmals selbst das Wort ergriffen und darüber berichtet, wie er (mit Billigung durch Barack Obama; Anm. RH) vom US-Militär systematisch gefoltert wurde. Zunächst wurde er wie ein Tier im Käfig gehalten, dann in einer Isolationszelle ohne Fenster, ständig im grellen Neonlicht gehalten – 23 Stunden pro Tag, nur 1 Stunde durfte er raus. Nach Monaten durfte ein Anwalt ihn sehen. Die US-Militärs ließen ihn in Hab-Acht-Stellung um Klopapier betteln. Wenig beachtet in deutscher Berichterstattung: Manning hat durch seinen Anwalt David Coombs erstmals angeboten, sich in einigen der Anklagepunkte für schuldig zu erklären. Damit will er einen Prozess mit einer (wahrscheinlichen) Verurteilung zu lebenslanger Haft vermeiden.
Am 3. Dezember 2012 überträgt bradleymanning.org einen Live-Stream einer Veranstaltung mit Mannings Anwalt David Coombs.

Abdallah, 32-jähriger Sudanese, lebt seit vier Jahren in Deutschland – sein Asylantrag wurde jetzt abgelehnt, sein Schwulsein ist für die Beamten nicht von Belang: „Auch Abdallah wird von der Behörde dazu aufgefordert, zurückhaltend zu sein. Wenn die Behörden keine Ahnung davon bekämen, dass er schwul sei, könne er auch in Zukunft problemlos im Sudan leben.“ So einfach kann die Welt sein! Voller Artikel via „Jungle World“.

Ludovic-Mohamed Zahed, 35-jähriger Franzose, „will nur eines: in einer Moschee beten, in der er sich als homosexueller Muslim willkommen fühlt“ – und weil diese Moschee bislang nicht gab, eröffnet er jetzt selbst eine in Paris, berichtet „Die Zeit“.

Stefan Niggemeier, Blogger, Medienexperte, übernimmt es, die Debatte um das Leistungsschutzrecht zu analysieren. Dabei moniert er, dass in der Berichterstattung von FAZ bis SZ (die natürlich alle für Einführung eines Leistungsschutzrechts sind) über eine Bundestagsdebatte zum Thema die kritische Stellungnahme zum geplanten Gesetz ausgespart blieb: „Die führenden deutschen Zeitungen haben ihren Lesern die Existenz dieser Kritik namhafter Fachleute an dem geplanten Gesetz bis heute verschwiegen.“

Traude Bührmann, Fotografin und Schriftstellerin, feierte am 26.11. ihren sechzigsten Geburtstag. Wir gratulieren!

Michael S., 44, muss sich vor dem Berliner Landgericht für den Mord an Carsten Sr. verantworten. Ein Gutachter erklärte ihn für voll schuldfähig. Michael S. erklärte, er habe Carsten Sr. auf dessen Verlangen hin getötet.

Ralf König, Thilo Krapp, beide Comic-Zeichner, und Markus Pfalzgraf, Buchautor von „Stripped“ (S.i.e.g.T.-Rezension hier) plaudern auf  „DRadio Wissen“ über schwule Comics.

Elmar Kraushaar, Journalist, hat auch noch was in Sachen Jens Spahn – bevor der homosexuelle Mann das aber lesen kann, muss er an der schwarzen Paywall der „taz“ (noch im Modus der Gewissensfrage) vorbei. Unser Lieblingssatz, nachdem wir uns an der Paywall vorbeigemogelt haben: „Mit schwarzer Hornbrille und homoszeneüblichem Kurzhaarschnitt erfüllt er die Mindestvoraussetzungen für eine schwule street credibility.“

Ralf Ehrlich erfuhr mit 32, dass er HIV-positiv ist, und ist heute, mit 49 Jahren, Marathonläufer – im Interview sagt er: „Mit dieser Infektion hatte ich das Vertrauen in meinen Körper verloren. Durch das Laufen habe ich dieses Gefühl wieder zurückgewonnen.“

Guido Westerwelle, Außenminister (FDP), beklagt sich bei Klaus Wowereit, Berliner Bürgermeister (SPD), über die mangelnde Sicherheit für ausländische Vertretungen in der Hauptstadt.

Drake Jensen, kanadischer Countrysänger, hat eine Weihnachts-CD „Christmas at Home“ veröffentlicht. Als Scheibe via Drake Jensens Internetseite / als MP3-Files via CDBaby (dort kann man auch reinhören in die Songs)

eine gute Nachricht für Homo- wie Heterosexuelle:

Peter Altmaier, Umweltminister (CDU): „Strom wird billiger!“ – In acht Jahren!

wo wir jetzt so elegant bei der Allgemeinheit sind: der Schönste der (heterosexuellen) Mehrheit:

Jörn Kamphuis, 24-jähriger Sportökonom, ist Mr. Germany 2013. Wir gratulieren – finden aber folgenden Interview-Satz ein wenig beunruhigend: Mister Germany ist Teil eines größeren Plans für meine Zukunft, ein Puzzleteil im Puzzle meines Lebens.“ Wenn der von unseren schwulen Welteroberungsplänen wüsste – Har Har Har!

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