Personalia der Woche: Wer Schöneberg zurück-erobern will und wer nicht zu sich selbst findet

Eine Abstimmung im Bundestag hat wieder ein Licht darauf geworfen, wie es um die Solidarität von schwulen und lesbischen PolitikerInnen bestellt ist, wenn es gilt, gleiche Rechte durchzusetzen. Solidarität ist auch gefragt, wenn es um die Rechte anderer Minderheiten geht. Ansonsten in den Personalia dieser Woche: die Ausstellung eines Malers, die Vorlesung einer Historikerin, die Rückeroberungspläne eines DJ und die Verzückung eines Literaturkritikers …

Aktualisierung um 18 Uhr aus traurigem Anlass:

Hans Werner Henze, Komponist, ist im Alter von 86 Jahren in Dresden gestorben.

Klaus Wowereit, Noch-Regierender Bürgermeister Berlins, in seiner Rede anlässlich der Einweihung des Denkmals für die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma: „Die Zivilgesellschaft muss aktiv für ihre Minderheiten eintreten und alle diejenigen ausgrenzen, die Diskriminierung, Menschenverachtung und Gewalt predigen.“

Volker Beck, Grünen-Politiker, forderte ebenfalls, Ausgrenzung von Roma in Deutschland zu verhindern.

Jan Noll, Redakteur & Organisator vom Queer Noises Festival (Foto), will mit „Angstpop + Queer Electronic Music“  den Berliner Bezirk Schöneberg zurückerobern – und legt am allerheiligsten 1. November im Club Viktor auf, der donnerstags das Mutschmann’s in der Martin-Luther-Staße in einen Dancefloor verwandelt. Und weil’s so warm wird dabei, muss sich auch niemand an den Dresscode des Hauses halten. Mehr Infos via Facebook bzw. Internetseite vom Club Viktor.

Stefan Kaufmann, Stuttgarter CDU-Keisvorsitzender, steht – nachdem sein Kandidat Sebastian Turner die OB-Wahl verloren hat – unter Druck.

Stefan Kaufmann ist auch MdB und hat sich am Donnerstag bei einem neuerlichen Antrag für die steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren im Bundestag enthalten.

Jörg van Essen, FDP-Politiker, fällt seinen Mithomosexuellen dagegen in den Rücken – ebenso Jens Spahn von der CDU. Wobei Spahn wie Kaufmann dreisterweise trotzdem im Kuratorium der Hirschfeld Stiftung sitzen – man fragt sich, was die da suchen, außer die politischen Interessen von anderen Homosexuellen zu hintergehen …

Michael Kauch, FDP, stimmt für eine Gleichstellung – ebenso Johannes Kahrs, SPD, sowie Birgit Bender, Kai Gehring, Gerhard Schick, Bettina Herlitzius und Volker Beck von den Grünen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) glänzen durch Abwesenheit.

Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der Schwulen in der Union, kritisierte den von den Grünen eingebrachten Antrag als „Wahlkampfgetöse“, das nicht der Sache diene. Mehr zur Abstimmung im Artikel von Norbert Blech auf „queer.de“.

Claudia Schoppmann, Historikerin, hält einen Vortrag an der Uni Mainz: „Zwischen strafrechtlicher Verfolgung und gesellschaftlicher Ächtung. Lesbische Frauen im „Dritten Reich“; Montag, 26. November 2012, 16.15 Uhr, Hörsaal N 2 (Muschel). Gefunden haben wir den Termin auf lesben.org

Martin Munz, Vorstand des BLSJ, kritisiert eine Entscheidung des Presserates, der einen Artikel von Jan Feddersen in der „taz“, in dem Peter Altmaier mehr oder weniger deutlich als schwul geoutet wurde, gerügt hatte: „Die ’sexuelle Orientierung‘ wird in der Öffentlichkeit häufig nur dann als ‚Privatsache‘ behandelt, wenn es sich um Lesben und Schwule handelt. In dieser Tradition lesen wir auch Ihre Argumentation, wonach ‚mit der Spekulation über die sexuelle Orientierung (…) dessen Persönlichkeitsrecht verletzt‘ wurde. Eine solche Unterscheidung ist eine Diskriminierung.“

Klaus Lederer, Chef der Berliner Linken, bleibt auch mit „mauem Ergebnis“ Chef derselben.

Wolfgang Joop, Modemacher, erhält den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland für sein Lebenswerk. Im „Tagesspiegel“-Interview sagt er den schönen Satz: „Zu sich selbst kann man, so glaube ich, nicht finden.“

Nik Breidenbach, Schauspieler, gibt am Hamburger Tivoli jetzt die schwule Cavequeen.

Timan Krause, Literatur-Redakteur, kriegt sich gar nicht mehr ein, wenn er Thomas Mann beim Lesen von „Das Wunderkind“ zuhört: „Wie er girrend-gurrend, die Bonbons seiner gedrechselten Formulierungen lutschend den ‚raunenden Beschwörer des Imperfekts‘ gibt, das ist im Grunde eine hinreißende schwule Camp-Operette.“

Márcio Marins, Vorsitzender des LGBT-Verbandes von Brasilien, muss wie 14 weitere schwule Aktivisten mit ständigen Todesdrohungen leben.

Biggie, Lesbe in Kampala, heißt nicht wirklich Biggie, kämpft aber für gleiche Rechte in Uganda: „Auch wenn es mir manchmal Angst macht: Ich gehe nicht weg. Es gibt noch viel zu tun. Wir sind viele – und wir müssen gesehen werden.“ Ein lesenswerter Artikel auf „Spiegel Online“, der eine Lesbe porträtiert, aber trotzdem mit „Ugandas Schwule besiegen ihre Angst“ überschrieben ist.

David Hockney, britischer Künstler, malt mittlerweile mit dem Tablet-PC – in Köln zeigt das Museum Ludwig 300 Werke des 75-Jährigen!

Mr Leather UK 2012 ist auch Mr Leather Europe 2012.

———————————————————————–————————————
Diesen Samstag im „Samstag“-Blog:
„Nur Linien auf Papier?“ Rezension zu „Stripped – A Story of Gay Comics“
———————————————————————–————————————

Advertisements

1 Response to “Personalia der Woche: Wer Schöneberg zurück-erobern will und wer nicht zu sich selbst findet”


  1. 1 bajazbasel Oktober 28, 2012 um 6:52 pm

    Ich habe Thomas Mann auf dem Link zugehört. Und so wie Jan Feddersen frühere Mitarbeiter der taz nachträglich als quasi „pädophil“ geoutet hat, so könnte man ja auch Thomas Mann als „Pädophilen“ outen. Doch warum tut das keineR? Schliesslich geht es um „weisse Höschen und nackte Beinchen und Knaben die den Damengruss andeuten“… Weil das wohl zu „schwergewichtig“ wäre!


Comments are currently closed.



Die Community unterstützen

Mit der Community feiern

Spirituelles (von mir und anderen)

Kreuz-und-queer-Blog

Das Buch zum Blog

Archiv